Fußball

Hertha BSC bestätigt Trennung von Geschäftsführer Schmidt

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Carsten Schmidt nimmt an einer Podiumsrunde teil.

Carsten Schmidt nimmt an einer Podiumsrunde teil.

Foto: dpa

Geschäftsführer Schmidt verlässt Hertha nach nur zehn Monaten aus privaten Gründen. Ein herber Rückschlag für den Hauptstadtklub

Berlin. Er war als großer Reformer gekommen, hatte bei Hertha BSC die Hoffnung genährt, dass der Berliner Bundesligaklub in naher Zukunft eine Rolle im Konzert der Großen einnehmen könnte. Doch nach nicht einmal einem Jahr ist das Kapitel bereits zugeschlagen. Carsten Schmidt, Vorsitzender der Geschäftsführung bei Hertha BSC, verlässt den Verein. Beide Seiten haben sich auf die sofortige Auflösung des Arbeitsverhältnisses geeinigt.

Der Abgang des 58-Jährigen bremst den krisengeschüttelten Klub, der in der Fußball-Bundesliga nach sieben Spieltagen lediglich auf Rang 14 liegt, in seiner so sehr erhofften Entwicklung weiter aus. Wenige Minuten vor dem geplanten Trainingsbeginn am Dienstag hatte der „Tagesspiegel“ zuerst darüber berichtet. Rund zwei Stunden später bestätigte der Hauptstadtklub die Personalie dann in einer offiziellen Mitteilung.

„Es sind ausschließlich unauflösbare private Gründe aufgrund von Krankheit in meinem direkten familiären Umfeld, die mich zu diesem Schritt veranlassten“, wird Schmidt in der Mitteilung zitiert. Und weiter: „Die Arbeit für Hertha BSC hat mir zu jeder Zeit große Freude bereitet.“

Fredi Bobic und Ingo Schiller übernehmen nun

Schmidts bisherige Aufgabenbereiche übernehmen die beiden Geschäftsführer Fredi Bobic und Ingo Schiller. „Mit Bedauern haben wir den Wunsch von Herrn Schmidt, seinen Dienstvertrag aufgrund von ausschließlich privaten Gründen umgehend aufzulösen, entgegengenommen“, sagte Herthas Vereinspräsident Werner Gegenbauer.

Der Amtsantritt von Carsten Schmidt am 1. Dezember des vergangenen Jahres hatte eine Zäsur dargestellt, denn durch ihn hatten die seinerzeit unumstrittenen Geschäftsführer Michael Preetz (Sport) und Schiller (Finanzen) plötzlich einen Vorgesetzten vor der Nase. Einen, der eine Erwartungshaltung formulierte und gleichzeitig eine neue Kontrollinstanz war.

Präsident Gegenbauer wollte mit Schmidts Installation weiter in den Hintergrund rücken. Schmidt, der zuvor vier Jahre als Manager des Bezahl-Senders Sky in München tätig gewesen war, sollte der starke Mann im Klub sein. Sein Aufgabenbereich war dementsprechend weit gefächert. Ein zentraler Punkt war, die Einnahmesituation zu verbessern. Nun muss sich die Führung nach turbulenten Monaten schon wieder neu strukturieren.

Lars Windhorst: „Er hatte große Pläne, wie ich weiß...“

Investor Lars Windhorst, unter dessen Einfluss das Gebilde um Schmidt entstanden war, bedauerte den unerwarteten Weggang „zutiefst“, wie der Unternehmer rasch twitterte: „Er hatte große Pläne, wie ich weiß...“ Windhorst und Schmidt telefonierten am Dienstag und zeigten sich „bestürzt darüber, dass vorab wieder Dinge an die Öffentlichkeit gebracht wurden, die vertraulich waren“, betonte Windhorst. Nicht zum ersten Mal war der Klub von Medienberichten über Interna überrascht worden.

Schon nach einem Kennenlernmonat hatte sich die Lage bei Hertha zugespitzt, und Schmidt lernte zugleich die Schattenseiten des Geschäfts kennen. Sowohl Trainer Bruno Labbadia als auch Preetz mussten im Januar den Klub verlassen. Als Coach übernahm Pal Dardai und hielt Hertha zumindest in der Bundesliga. Als neuen Sportchef warb Schmidt Bobic von Eintracht Frankfurt ab, der sportliche Erfolg lässt allerdings noch auf sich warten.

Vor allem Windhorst will Resultate sehen, träumt vom Mitmischen an der Bundesligaspitze und dem Erreichen des internationalen Geschäfts. Der Unternehmer hat seit 2019 rund 375 Millionen Euro an den Hauptstadtklub gezahlt und hält dadurch rund zwei Drittel an der Hertha BSC GmbH & Co. KGaA, zu der die Profiabteilung gehört. Sein Mitspracherecht ist allerdings ziemlich begrenzt, die Entscheidungen werden ganz ohne Windhorst in der Klub-Führung getroffen.

( dpa )