Kriminalität

Tötung eines Säuglings angeklagt: Zeuge entsetzt

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dpa
Die Angeklagte kommt in das Landgericht Potsdam.

Die Angeklagte kommt in das Landgericht Potsdam.

Foto: dpa

Vor 21 Jahren soll eine heute 61-Jährige ihr Neugeborenes getötet haben. Eine Leiche wurde nie gefunden. Erst viele Jahre später brachte ein Gartennachbar die mutmaßliche Tat ans Licht.

Potsdam. 21 Jahre nach der mutmaßlichen Tötung ihres Babys muss sich eine heute 61-Jährige vor dem Landgericht Potsdam verantworten. Die angeklagte Frau wollte sich am ersten Prozesstag am Dienstag nicht zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft äußern, wie ihr Verteidiger erklärte.

Der Frau wird vorgeworfen, an einem nicht näher feststellbaren Tag zwischen April und August 2000 in einem Wohnhaus im Potsdamer Wohngebiet Schlaatz ein lebensfähiges Kind geboren und danach "durch Stiche mit einem spitzen Gegenstand in den Brustkorb" getötet zu haben, um ihre Ehe nicht zu gefährden, sagte Staatsanwalt Jörg Möbius beim Verlesen der Anklage. Das Kind soll nicht von ihrem damaligen Mann gewesen sein.

Die mutmaßliche Tat kam im Jahr 2017 ans Licht, als der Ex-Mann der 61-jährigen Deutschen einem Gartennachbarn vom Geschehen erzählte. "Es war ein wunderschöner Sommertag", erinnert sich der 68-jährige Nachbar, der am Dienstag als Zeuge im Gericht saß. Er habe stolz von der ersten Begegnung mit seiner kleinen Enkelin berichtet. Da habe der ehemalige Mann der Angeklagten plötzlich gesagt, dass sie ja auch ein Kind gehabt habe. "Es ist tot. Es lebt nicht mehr."

"Ich zitterte", erinnerte sich der Zeuge. Detailliert habe ihm der Ex-Mann den Abend an einem Tag im Jahr 2000 geschildert. Der damalige Ehemann der Angeklagten sei früher als gewohnt von der Arbeit nach Hause gekommen. In der gemeinsamen Wohnung habe es merkwürdig gerochen. Im Bad habe er seine damalige Frau, die Angeklagte, gefunden. Sie habe in der Badewanne gesessen - der Zeuge schluckte, als er die Schilderung des Mannes wiedergab - "und überall war Blut". Der Mann habe eine Tüte mit dem toten Baby darin gefunden. Dann habe er sich angezogen, sei runtergegangen und habe die Tüte in einer Mülltonne entsorgt. Der damalige Ehemann muss sich im Unterschied zu der Frau heute nicht vor Gericht verantworten.

Nach dem Gespräch erstattete der 68-jährige Nachbar Anzeige. 2018 erhebt die Staatsanwaltschaft Anklage - noch rechtzeitig, bevor die Tat verjährt. Bei Totschlag beträgt die Verjährung 20 Jahre. Die zweifache Mutter, die am Dienstag ihr rotes Haar zu einem Pferdeschwanz gebunden hatte und dem Prozess lautlos folgte, ist auf freiem Fuß. Es vergingen rund drei Jahre, bis es zum Prozess kam. Angeklagte Taten von Inhaftierten gehen bei Gericht in der Regel vor.

Die Leiche des Babys wurde nie gefunden. "Das ist ein reiner Indizienprozess", sagte Staatsanwalt Möbius auf dem Gerichtsflur. Für den Prozess hat das Gericht sieben Verhandlungstage angesetzt. Die Verhandlung soll am Donnerstag kommender Woche (21. Oktober) fortgesetzt werden.

© dpa-infocom, dpa:211012-99-566910/3

( dpa )