Berliner Landgericht

Rudertrainer wegen Kindesmissbrauchs vor Gericht

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Ein Rudertrainer muss sich ab Dienstag unter anderem wegen Kindesmissbrauchs verantworten (Symbolbild).

Ein Rudertrainer muss sich ab Dienstag unter anderem wegen Kindesmissbrauchs verantworten (Symbolbild).

Foto: Reto Klar / FUNKE Foto Services

Ein 38-Jähriger soll über Jahre intime Fotos und Videos von Jugendlichen verlangt zu haben. Jetzt steht der Rudertrainer vor Gericht.

Berlin. Die Anklage gegen Maik Z. umfasst zehn Seiten und führt im Detail auf, wie der 38-Jährige das Vertrauen seiner minderjährigen Opfer ausgenutzt haben soll. Dem Rudertrainer wird vorgeworfen, über Jahre hinweg ihm anvertraute Jungen dazu gebracht haben, ihm intime Fotos und Videos zu schicken. Dabei habe er vorgegeben, die Aufnahmen für wissenschaftliche Zwecke zu benötigen. Zum Prozessbeginn vor dem Berliner Landgericht äußerte sich Z. zu den Vorwürfen – allerdings unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Angeklagt wird Z. unter anderem wegen sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen, sexueller Nötigung sowie wegen des Erwerbs und Besitzes jugendpornografischer Schriften. Insgesamt 33 Taten soll Z, zwischen 2015 und 2020 begangen haben. Die 28 Opfer sollen dabei zwischen 13 und 17 Jahre alt gewesen sein.

Intime Fotos angeblich für Studie zum Thema Masturbation

Gegenüber seinen Opfern soll Z. vorgegeben haben, dass eine Freundin ein „Forschungsprojekt zum Thema Medienkonsum und Sexualität im Rahmen der Pubertät“ betreibe, wie es in der Anklage heißt. Dazu soll er an „interessierten Jugendlichen“ Fragebögen verteilt, in denen er intime Details abfragte. Über einen Messengerdienst soll er außerdem Fotos und Videos verlangt haben, auf denen die Jungen nackt oder bei der Masturbation zu sehen sind. In nur drei Fällen verweigerten die Jugendlichen die Zusendung.

Einige Aufnahmen soll der Angeklagte dabei auch selbst in seiner Wohnung angefertigt haben. In mindestens einem Fall soll er laut Anklage sein schlafendes Opfer auch berührt haben. Im Gegenzug für die Teilnahme an der vermeintlichen Studie soll der Trainer den Jungen die Nutzung hochwertiger Trainingsausrüstung, Kondome oder Bargeld „als Aufwandsentschädigung“ in Aussicht gestellt haben. Diese haben laut Anklage zwischen 50 und 120 Euro gelegen.

Rudertrainer wurde 2020 nach Bekanntwerden der Vorwürfe entlassen

Z. war in diesem Zeitraum als Trainer in einem Neuköllner Ruderverein tätig, der ihn nach Bekanntwerden der Vorwürfe im Sommer 2020 entlassen hatte. Bis Ende 2018 arbeitete er als Sozialpädagoge in einer Nachmittagsbetreuung in Lichtenberg und gab im Schuljahr 2017/2018 Ruderkurse an einer Köpenicker Schule.

Da die Opfer zum Tatzeitpunkt noch minderjährig waren, findet der Prozess gegen den 38-Jährigen vor einer Jugendkammer des Landgerichts statt. Er soll bereits am Mittwoch fortgesetzt werden. Das Urteil ist nach insgesamt 14 Verhandlungstagen für Anfang Dezember geplant. Maik Z. droht eine mehrjährige Haftstrafe.