Jugend

Inobhutnahme trotz Corona-Krise auf hohem Niveau

| Lesedauer: 2 Minuten
Jens Anker
Trotz der Corona-Pandemie wurden in Berlin viele Kinder wegen Kindeswohlgefährdung aus ihren Familien entfernt.

Trotz der Corona-Pandemie wurden in Berlin viele Kinder wegen Kindeswohlgefährdung aus ihren Familien entfernt.

Foto: Patrick Pleul / dpa

Trotz der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie wurden Angebote im Rahmen des Kinderschutzes durchgängig aufrechterhalten.

Trotz der Einschränkungen durch die Corona-Pandemie sind im vergangenen und in diesem Jahr fast genauso viele Kinder aus ihren Familien vom Staat in Obhut genommen worden wie in den Jahren zuvor. Im vergangenen Jahr sind bei 15.500 Meldungen von Kindeswohlgefährdung 2800 Kinder aus ihren Familien entfernt worden, in diesem Jahr rechnet die Jugendverwaltung mit 2400 Kindern.

„Während der Corona-Pandemie wurden die Angebote im Rahmen des Kinderschutzes durchgängig aufrechterhalten“, heißt es in der Antwort der Verwaltung auf eine Anfrage der FDP. „Hierbei haben sich die Anzahl der Inobhutnahmen sowie der Meldungen zu einer Kindeswohlgefährdung im Jahresdurchschnitt nicht signifikant verändert.“ Das ist erstaunlich, da wegen des Homeschoolings und der Schließung öffentlicher Einrichtungen in vielen Fällen der Kontakt zwischen Aufsichtspersonen und problematischen Familien verloren ging.

Fast 2000 Beratungsgespräche mit obdachlosen Minderjährigen

Darüber hinaus fanden 2000 Beratungsgespräche mit obdachlosen Minderjährigen statt. Ein Überblick über die genaue Anzahl an sogenannten Straßenkindern gibt es nach Angaben der Verwaltung nicht. „Statistisch valide Erhebungen über obdachlose Kinder und Jugendliche, einschließlich des sogenannten Sofahopping von Minderjährigen gibt es nicht“, heißt es in der Antwort weiter.

Das ist nach Ansicht der FDP unbefriedigend. „Die Ignoranz des Senats vor dem Problem Straßenkinder ist erschreckend“, sagte der sozialpolitische Sprecher der Fraktion, Thomas Seerig. Der Senat habe keine Vorstellung über die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die auf Berlins Straßen leben und auch keine Daten über den Erfolg der wenigen Angebote. „Es gibt keine langfristigen unterstützenden Angebote, sondern nur eine Übernachtungsmöglichkeit für 14- bis 20-Jährige und dies nur für maximal zehn Tage.“ Die Zahlen der Krisenberatung zeigten, dass es einen deutlich höheren Bedarf gebe. Zumal Berlin gerade für Kinder und Jugendliche auch außerhalb der Stadt ein Anziehungspunkt sei, kritisierte Seerig.