Geschichte

"Archiv der Flucht" erzählt Geschichten von Migration

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dpa
Eine Besucherin geht durch die Ausstellung "Archiv der Flucht" im Haus der Kulturen der Welt in Berlin.

Eine Besucherin geht durch die Ausstellung "Archiv der Flucht" im Haus der Kulturen der Welt in Berlin.

Foto: dpa

Berlin. Mit einem "Archiv der Flucht" fragt das Haus der Kulturen der Welt in Berlin nach Formen des Erinnerns in heutigen Einwanderungsgesellschaften. Für das Projekt unter Leitung der Publizistin Carolin Emcke und der Migrationswissenschaftlerin Manuela Bojadžijev wurden in den vergangenen Jahren 42 Interviews mit Menschen aus 28 verschiedenen Herkunftsländern geführt. Von Donnerstag bis Sonntag führt das Haus der Kulturen der Welt mit Thementagen in den Komplex um die auch online einsehbaren Videos, eine zentrale Installation soll bis zum 3. Januar zu sehen sein.

Das als digitaler Gedächtnisort konzipierte Projekt basiert auf bis zu sechsstündigen dokumentarischen Filminterviews mit Menschen, die in den vergangenen 70 Jahren in die Bundesrepublik oder die DDR eingewandert sind. Ihre Hintergründe sind so unterschiedlich wie die Fluchtgründe. Das Spektrum reicht von der Flucht aus Schlesien 1945, über Betroffene des Putschs in Chile, Erfahrungen der iranischen Revolution, den Militärputsch in der Türkei, Flucht aus der DDR, bis hin nach Libyen als Herkunftsland im Jahr 2016.

"Die Geschichte der Flucht ist für die Entstehung der Bundesrepublik Deutschland konstitutiv", sagte Kuratorin Bojadžijev der Deutschen Presse-Agentur zum Auftakt des Projekts im Haus der Kulturen der Welt. Nach dem Zweiten Weltkrieg habe es ausgelöst durch den deutschen Faschismus eine enorme Fluchtbewegung gegeben. Die Konjunkturen von Flucht zeichneten sowohl die Geschichte Deutschlands wie auch die geopolitischen Verwerfungen, die weltweit geschehen und hier angelandet seien.

Das Oral History Projekt solle dafür Verständnis schaffen. "Die Leute haben die Chance, ihre Geschichte selbst zu erzählen auf eine Weise, in der sie nicht auf ihre Flucht oder ihr Dasein als Flüchtlinge reduziert werden", erläuterte Bojadžijev.

Auch die Fluchthintergründe wollte das Projektteam divers halten. Sexuelle Orientierung ist als Fluchtgrund genauso zu finden wie soziale, religiöse oder politische Hintergründe. "Wir haben versucht, dafür zu sorgen, dass in diesen Geschichten keine Hierarchisierung stattfindet, wie sie manchmal der öffentliche Diskurs abbildet", sagte Bojadžijev.

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( dpa )