Wahlen 2021

Warum die FDP bei jungen Wählern gepunktet hat

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FDP-Mitglieder bejubeln am Wahlabend die guten Ergebnisse der FDP. Unter ihnen sind auch viele jüngere Menschen.

FDP-Mitglieder bejubeln am Wahlabend die guten Ergebnisse der FDP. Unter ihnen sind auch viele jüngere Menschen.

Foto: Michele Tantussi / Getty Images

Bundesweit liegt die Partei in der Altersgruppe weit vorne. Gründe sieht sie im Fokus auf Digitalisierung und Bildung.

Berlin. Es war eine Erkenntnis, die viele überrascht hat: Unter den jungen Wählern haben nicht nur die Grünen gepunktet, weit vorne lag auch die FDP. Laut Wahlanalyse von Infratest dimap für die ARD haben die Liberalen bundesweit bei Erstwählern sogar am besten abgeschnitten, bei ihnen 23 Prozent der Stimmen geholt.

Schaut man auf die Abgeordnetenhauswahl in Berlin, liegt die FDP einer Befragung am Wahltag zufolge bei den 18- bis 29-Jährigen zwar nicht vorne, sondern hinter Grünen, Linken und SPD auf dem vierten Rang. Dennoch holte die Partei nach Angaben der Forschungsgruppe Wahlen in dieser Altersgruppe ihr bestes Ergebnis – elf Prozent der 18- bis 29-Jährigen setzten demnach ihr Kreuz bei der FDP, insgesamt waren es 7,2 Prozent.

In der FDP selbst dagegen zeigt man sich weniger überrascht über das gute Abschneiden bei den jüngeren Wählerinnen und Wählern. „Ich habe den Eindruck, dass wir bei den Unter-30-Jährigen kontinuierlich zugelegt haben. Wir sehen das auch bei den Eintritten in die Partei“, sagt der Landesvorsitzende der FDP in Berlin, Christoph Meyer. In der Hauptstadt sei die Zahl der Parteimitglieder insgesamt seit dem vergangenen Jahr gestiegen, überproportional jedoch bei den Jüngeren.

Kampagne der FDP setzte Fokus auf Veränderung

Überhaupt: Dass junge Wählerinnen und Wähler ausschließlich den Grünen zugeordnet werden, ist aus Sicht von Meyer „nicht mehr zeitgemäß“. „Es geht vielen um das Programm, dass es modern ist und etwas verändern möchte im Vergleich zum Status quo“, sagt Meyer, der für die Partei erneut in den Bundestag eingezogen ist. „Gerade Menschen der jungen Generation, die noch die nächsten Jahrzehnte vor sich haben, sehen, dass viel stehen geblieben ist in den letzten Jahren.“

Hier setzte die Partei auch mit ihrer Kampagne an. „Wie es ist, darf es nicht bleiben“ oder „Nie gab es mehr zu tun“ waren zentrale Slogans der FDP im Bundestagswahlkampf, in Berlin stand das Regierungsprogramm unter dem Motto „Holen wir uns die Zukunft“. Thematische Schwerpunkte wurden etwa auf Digitalisierung oder den Wandel des Bildungssystems gesetzt, auch damit habe die Partei gepunktet, meint Meyer.

Bildungspolitik kommt FDP zufolge bei jungen Wählern an

Ähnlich sieht das der Fraktionsgeschäftsführer der FDP im Abgeordnetenhaus, Paul Fresdorf. „Der Fokus auf die Bildungspolitik verbunden mit einem Aufstiegsversprechen, dass es also nicht mehr darauf ankommt, aus welcher Familie ich stamme, kam unglaublich an“, sagt er.

„Dazu kommt die Digitalisierung in der Schule und in der Verwaltung. Diese Generation versteht nicht, warum sie wegen jeder Angelegenheit ins Bürgeramt muss.“ Nicht zuletzt hätten Bürgerrechte im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie Rolle gespielt. „Viele Junge waren stark eingeschränkt und haben das auch hinterfragt“, sagt Fresdorf.

Neben der Zufriedenheit über das Ergebnis – auch darüber, anders als in der vergangenen Legislatur nun in allen Bezirksverordnetenversammlungen vertreten zu sein –, sieht Meyer eine „Spannungshaltung in Berlin“. Denn nicht nur im Bund, sondern auch im Land stehen Sondierungsgespräche an.

Beim Landesausschuss am Dienstagabend wurde dafür ein Team bestimmt: Dazu gehören neben Meyer und Fresdorf der Fraktionschef im Abgeordnetenhaus, Sebastian Czaja, und die stellvertretende Landesvorsitzende Daniela Kluckert. Es habe sich eine große Geschlossenheit gezeigt und die übereinstimmende Meinung, beim vor der Wahl eingeschlagenen Kurs zu bleiben, so Meyer. „Es geht jetzt darum zu sehen, wer mit uns in Gespräche eintreten und Probleme lösen will, statt auf Weiter-So zu setzen.“