Berlin Wahl 2021

Grüne könnten in fünf Bezirken Bürgermeisterposten besetzen

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Nach der Wahl werden die Karten in den Bezirksämtern neu gemischt. Auch im einwohnerstärksten Bezirk, in Pankow, verschiebt sich das Gleichgewicht zugunsten der Grünen.

Nach der Wahl werden die Karten in den Bezirksämtern neu gemischt. Auch im einwohnerstärksten Bezirk, in Pankow, verschiebt sich das Gleichgewicht zugunsten der Grünen.

Foto: Thomas Schubert / BM

Neue Machtverhältnisse: Grüne erobern Pankow, Charlottenburg-Wilmersdorf und Tempelhof-Schöneberg, CDU gewinnt Marzahn-Hellersdorf.

Berlin. Wie Berlin künftig regiert wird, das entscheidet sich auch mit den neuen Machtverhältnissen in den Bezirken. Hier sind die Grünen der Wahlgewinner – in fünf Rathäusern könnten sie die Bürgermeisterposten besetzen, wenn es ihnen gelingt, mit Hilfe von Zählgemeinschaften Mehrheiten zu bilden. Nicht nur in den Grünen-Stammbezirken Friedrichshain-Kreuzberg und Mitte, auch in Pankow, Charlottenburg-Wilmersdorf und Tempelhof-Schöneberg feiert die Umweltpartei Wahlsiege. Zum Teil deutlich, zum Teil äußerst knapp.

Der SPD bleiben nach dem Verlust von zwei Rathäusern ihre Hochburgen in Neukölln und Treptow-Köpenick, auch in Spandau liegt sie weiterhin vorn. In Neukölln kann Amtsinhaber Martin Hikel das Bürgermeisteramt behalten, im Köpenicker Rathaus dürfte Oliver Igel ebenfalls fortfahren.

In Tempelhof-Schöneberg liegen die Grüne um 0,1 Prozent vorn

Eine der größten Überraschungen ist aber der Sieg der CDU in Marzahn-Hellerdorf, wo die Christdemokraten versuchen können, Linken-Bürgermeisterin Dagmar Pohle durch ihre Spitzenkandidatin Nadja Zivkovic zur ersetzen – vorausgesetzt, es finden sich Partner für ein bürgerliches Bündnis. Dann hätte die CDU die Chance, einen Ost-Bezirk zu regieren und gleichzeitig Reinickendorf und Steglitz-Zehlendorf, ihre beiden Stammbezirke, zu halten. Dort lagen die Christdemokraten trotz Verlusten vorn und können mit Michael Wegner und Cerstin Richter-Kotowski die Rathauschefs stellen.

Am anderen Ende der Stadt, im einstmals von Linken dominierten Berliner Nordosten, brechen hingegen neue Zeiten an. Nur in Lichtenberg kann die einst beherrschende Kraft weiter den Bezirksbürgermeister stellen. Derzeit regiert dort Bürgermeister Michael Grunst. Verabschieden müssen sich die Linken von der Macht im einwohnerstärksten Bezirk Pankow und von Bürgermeister Sören Benn. Mit 24,7 Prozent schnitten die Grünen hier deutlich stärker ab als vor fünf Jahren und legten um 4,1 Prozentpunkte zu.

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Designierte Bürgermeisterin von Pankow benennt schon mal ihre Kernthemen

Pankows Linke konnte mit 19,7 Prozent die Verluste in Grenzen halten (minus 1,7 Prozent) und wird zweitstärkste Kraft – deutlich vor der SPD. Sie kommt lediglich auf 17,1 Prozent (minus 3 Prozent). So könnten sich die Pankower Sozialdemokraten in einem neuen grün-rot-roten Bündnis nur als Juniorpartner einreihen. Grünen-Kandidatin Cordelia Koch hat bereits zu Gesprächen eingeladen und als designierte Bürgermeisterin von Pankow ihre Kernthemen benannt – „umfassenden Klimaschutz, die Umsetzung der Verkehrswende und zugleich eine soziale Politik“. Auch die Verkehrsprobleme im Norden Pankows müsse man lösen, sagte Koch.

Besonders knapp verlief das Rennen um die Spitze in Tempelhof-Schöneberg. Der Vorsprung der Grünen war hier am Ende hauchdünn: Mit gerade einmal 0,1 Prozentpunkten vor der SPD wurden die Grünen mit 23,6 Prozent in Tempelhof-Schöneberg bei den Wahlen zur Bezirksverordnetenversammlung (BVV) zur stärksten Kraft gewählt. Damit gingen 265 Stimmen mehr an die Grünen. Für Angelika Schöttler (SPD), die bisherige Bezirksbürgermeisterin, bedeutet dies das Ende an der Rathaus-Spitze nach zwei Legislaturperioden. Nachfolger soll nun nach Morgenpost-Informationen der Grünen-Politiker Jörn Oltmann werden, bisher Bezirksbaustadtrat. Im Vergleich zu den Wahlen 2016 gewannen die Grünen 1,7 Prozentpunkte dazu. Die SPD – bisher stärkste Kraft im Bezirk – verlor 1,2 Prozent und kam damit nur noch auf Platz zwei.

Baustadtrat Oliver Schruoffeneger winkt ab

Auch in Charlottenburg-Wilmersdorf gelang es den Grünen, die SPD von der Spitze zu vertreiben. Hier stürzten die Sozialdemokraten um drei Prozentpunkte auf 22,2 Prozent, die Grünen kletterten auf 24,8 Prozent und sind damit ähnlich stark wie in Pankow.

Aber anders als dort herrscht in Charlottenburg-Wilmersdorf noch keine Klarheit darüber, ob die Grünen überhaupt den Bürgermeisterposten besetzen wollen oder der SPD und deren Kandidatin Heike Schmitt-Schmelz den Vortritt lassen.

In der City West waren die Grünen mit einer Dreierspitze angetreten. Wobei der bekannteste Vertreter, Baustadtrat Oliver Schruoffeneger, jetzt absagt. Auf Anfrage der Morgenpost stellt Schruoffeneger sofort klar, dass er nicht am Bürgermeisteramt interessiert ist. „Ich habe immer gesagt, dass ich die Abteilung für Stadtentwicklung weiterhin leiten will“, sagte er.

Damit liegt der Ball bei Dagmar Kempf und bei Kreischefin Kirstin Bauch. Die sagt, dass man bei den Grünen den „Führungsanspruch gerne wahrnehmen möchte“. Zunächst wolle man sich aber mit der Fraktion noch beraten.

( BM )