Architektur

Plattenbau in Mitte unter Denkmalschutz

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Das Wohnquartier an der Wilhelmstraße in Berlin-Mitte wurde vom Landesdenkmalamt Berlin unter Denkmalschutz gestellt.

Das Wohnquartier an der Wilhelmstraße in Berlin-Mitte wurde vom Landesdenkmalamt Berlin unter Denkmalschutz gestellt.

Foto: Christophe Gateau / Christophe Gateau/dpa

Das Spätwerk des DDR-Städtebaus an der Wilhelmstraße ist weitgehend erhalten. Nun stehen die Plattenbauten unter Denkmalschutz.

Berlin. Die Plattenbauten rund um die Wilhelmstraße in Mitte, an der einstigen Grenze zwischen Ost und West, sind unter Denkmalschutz gestellt worden. Dort wohnten DDR-Größen wie Günter Schabowski oder der Kulturpolitiker Kurt Hager.

Die Häuser in der früheren Otto-Grotewohl-Straße wurden von 1987 bis 1992 unter Chefarchitekt Helmut Stingl errichtet und gelten als Spätwerk des DDR-Städtebaus. Das Ensemble mit Erkern, Balkonen und Loggien war für 4000 Menschen ausgerichtet, es bot ungewöhnlich große Wohnungen. Bis auf einen Abriss ist das Quartier weitgehend im Ursprungszustand erhalten, wie die Senatskulturverwaltung erklärte.

Die in diesem Viertel verwendeten Platten der Wohnungsbauserie 70 (WBS 70) ließen sich außen und innen flexibler gestalten. Was nicht sofort ins Auge fällt: Die sich um Höfe gruppierenden Gebäude spielten auf die barocken Palais an, die im 18. Jahrhundert die Wilhelmstraße säumten.

Laut Landeskonservator Christoph Rauhut war das Viertel ein wichtiger Baustein im Wettbewerb der politischen Systeme: "Als Leuchtturmprojekt der Ost-Berliner Hauptstadtplanung setzte es die Leistungsfähigkeit und Qualität des großen Wohnungsbauprogramms der DDR in äußerst prominenter und historisch aufgeladener Lage öffentlichkeitswirksam in Szene."

Zur NS-Zeit befanden sich in dem Viertel Ministerien, die Reichskanzlei und der unterirdische "Führerbunker". Die ab 1938 nach Plänen von Albert Speer errichtete "Neue Reichskanzlei" an der Kreuzung der Wilhelm- und Voßstraße wurde im Krieg beschädigt und bis 1956 zusammen mit der Nachbarbebauung abgerissen. Erhalten blieben die im Untergrund angelegten Bunker und Anlagen, die über mehrere Jahrzehnte unter der Brachfläche im Grenzbereich zwischen Ost- und West-Berlin lagen.

Heute liegt in der Nachbarschaft das Stelenfeld des Holocaust-Mahnmals.

Konkret stehen nun diese Häuser unter Denkmalschutz:

  • Behrenstraße 1 B-C
  • Wilhelmstraße 45-48, 75-78, 84-92, 93-94
  • Hannah-Arendt-Straße 1/3 und 2/4/6
  • An der Kolonnade 1/3/5/7/9/11 und 2/4/6,
  • Gertrud-Kolmar-Straße 1/3/5/7/9, 2 und 4
  • Voßstraße 1, 9, 10-12
  • Mohrenstraße 67-69

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( dpa/cl )