Berlin kauft Wohnungen

Wohnungskonzerne wollen Milliarden in Neubau investieren

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Jens Anker
Die High-Deck-Siedlung liegt im Berliner Ortsteil Neukölln. Drei landeseigene Gesellschaften kaufen den Konzernen Vonovia und Deutsche Wohnen Wohnungen und Gewerbeeinheiten ab.

Die High-Deck-Siedlung liegt im Berliner Ortsteil Neukölln. Drei landeseigene Gesellschaften kaufen den Konzernen Vonovia und Deutsche Wohnen Wohnungen und Gewerbeeinheiten ab.

Foto: Annette Riedl / dpa

Der Erlös des Verkaufs von 14.750 Wohnungen von Vonovia und Deutsche Wohnen soll zurück in die Stadt fließen.

Berlin. Die beiden Wohnungsunternehmen Vonovia und Deutsche Wohnen wollen den Kauferlös für die 14.750 Wohnungen in Höhe von insgesamt 2,46 Milliarden Euro in den Neubau von 13.000 Wohnungen in Berlin investieren. Das kündigten die Chefs der beiden Unternehmen am Freitag an. „Die Transaktion hat viele Gewinner und keine Verlierer“, sagte Deutsche-Wohnen-Chef Michael Zahn. „Die Mittel fließen wieder in die Stadt.“

Vonovia und Deutsche Wohnen haben im Zusammenhang mit der Fusion beider Unternehmen Berlin 20.000 Wohnungen zum Kauf angeboten, die drei landeseigenen Wohnungsgesellschaften Degewo, Howoge und Berlinovo haben 14.750 davon übernommen. Die Verträge dazu wurden in der Nacht zu Freitag unterschrieben und notariell beglaubigt, teilten die Beteiligten mit.

Ziel des Berliner Senats ist es, 400.000 der rund zwei Millionen Wohnungen in Berlin in Landesbesitz zu halten, um so Einfluss auf die Entwicklung der Mieten zu nehmen. Durch das große Angebot an preiswerten Mieten habe das auch mittelfristig Einfluss auf den Mietspiegel, sagte Finanzsenator Matthias Kollatz (SPD) nach Abschluss des Kaufs. „Berlin soll eine Stadt bleiben, in der man auch mit kleinem Einkommen eine bescheidene Wohnung mieten kann“, sagte Kollatz. In London könne man das nicht mehr.

Mit dem Ankauf verfügt Berlin nach Angaben des Finanzsenators über 375.000 landeseigene Wohnungen. Auch künftig werde die Stadt den Anteil erhöhen, da durch die wachsende Stadt immer mehr Menschen mit einer Wohnung versorgt werden müssen.

Der Kauf wird vollständig über Kredite finanziert

Der Kauf wird ausschließlich über Kredite der drei Wohnungsbaugesellschaften finanziert. „Es ist das Ziel, nur mit einer geringen oder keiner Belastung des Haushalts die Bestände im preiswerten Segment zu halten“, sagte Kollatz, der den Deal mit Vonovia und Deutsche Wohnen ausgehandelt hat. Die Übernahme erfolgt überwiegend zum 1. Januar des kommenden Jahres, teilweise wird der Kauf nach Angaben der Wohnungsgesellschaften erst zum 1. Juli 2022 fällig.

„Wir haben uns sehr über das Angebot gefreut“, sagte Howoge-Geschäftsführer Ulrich Schiller. Mit 8267 Wohnungen übernimmt sie den größten Anteil an dem Milliardengeschäft und muss rund die Hälfte der erforderlichen Summe aufbringen. „Das Portfolio passt sehr gut zu unserem Bestand“, sagte Schiller. Der Ankauf passe in die Wachstumsstrategie der Gesellschaft. Die Howoge will perspektivisch ihren Anteil an landeseigenen Wohnungen weiter erhöhen. 5000 neue Wohnungen sind bereits fertiggestellt, 2000 sind bald fertig, für 4000 weitere bestehen Planungen. „Unser Ziel ist, pro Jahr 1500 neue Wohnungen fertigzustellen.“

Auch die Berlinovo zeigte sich zufrieden über die Verhandlungen mit Vonovia und Deutsche Wohnen. „Das war ein sportlich arbeitsintensiver Sommer“, sagte Geschäftsführerin Silke Andresen-Kienz. Die Berlinovo übernimmt vor allem Wohnungen in Spandau und im Osten der Stadt. Sie erwirbt insgesamt 4065 Wohnungen und finanziert den Kauf über einen Zeitraum von 30 Jahren. Die Degewo übernimmt mit insgesamt 1812 Wohnungen den kleinsten Teil des Immobiliengeschäfts. Auch die Degewo achtete nach Angaben des Geschäftsführers Christoph Beck darauf, dass die Wohnungen zum Bestand der Gesellschaft passen.

Je nach Zustand und Investitionsbedarf zahlen die drei Gesellschaften unterschiedliche Preise für die Wohnungen. Der Bestand der Berlinovo wechselte für 2000 Euro je Quadratmeter den Eigentümer, die Howoge zahlt durchschnittlich 2300 Euro für den Quadratmeter, die Degewo 2800 Euro. Die durchschnittliche Wohnungsgröße beträgt 68 Quadratmeter.

Die Initiatoren des Volksentscheids zur Enteignung großer Wohnungskonzerne kritisierte den Kauf am Freitag. „Was die SPD hier kurz vor der Wahl veranstaltet, ist eine üble Nummer“, sagte der Sprecher der Initiative, Moheb Shafaqyar. „Wir befürworten grundsätzlich die Überführung von Wohnungen in die öffentliche Hand, aber nicht durch Hinterzimmerdeals und zu spekulativen Preisen.“