Kriminalität

Prozess: Ein falscher Gruß – und ein fast tödlicher Schuss

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Der Angeklagte Bader El M. am Dienstag auf der Anklagebank.

Der Angeklagte Bader El M. am Dienstag auf der Anklagebank.

Foto: Christophe Gateau / dpa

Ein Deutsch-Libanese muss sich wegen versuchten Mordes verantworten. Grund ist ein falscher Gruß und dadurch verletzte Ehre.

Berlin. Der Mann hatte Glück im Unglück. Denn die Schüsse trafen ihn zwar. Das Projektil, das ihn hätte töten können, blieb aber an einem Rückenwirbel hängen. Dies bewahrte ihn vor dem ansonsten vermutlich sicheren Tod. Was blieb, waren Verletzungen an Brustkorb und Lunge, an Schulter und Nacken. Sein Leben konnte nur durch eine Notoperation gerettet werden.

Der Mann, der in Folge der Schüsse seit Dienstag auf der Anklagebank vor einer Schwurgerichtskammer des Landgerichts sitzt, wirkt dagegen stabil. Bader El M. soll zwar nicht selbst geschossen haben. Der 22 Jahre alte Deutsche libanesischer Abstammung soll den Angriff auf den Mann, der nur mit Glück überlebte, aber maßgeblich geplant haben.

Laut Anklage fuhr er seine zwei bisher noch nicht angeklagten mutmaßlichen Mittäter außerdem zum Tatort vor einem Spätkauf an der Fürbringer/Ecke Mittenwalder Straße in Kreuzberg. Der Audi sei auch Fluchtauto gewesen.

Versuchter Mord und gefährliche Körperverletzung

Die Anklage lautet auf versuchten gemeinschaftlichen Mord und gefährliche Körperverletzung. Bezüge zur Organisierten Kriminalität oder Revierkämpfen verfeindeter Clans sind laut Staatsanwaltschaft nicht erkennbar. Das Motiv liegt offenbar eher in einer Mischung aus verletzter Eitelkeit, einem merkwürdigen Verständnis des Ehrbegriffs und einem allzu leichten Zugang zu Handfeuerwaffen.

Laut Anklage war Bader El M. bereits am Mittag des Tattages mit einem Angehörigen der Familie seines späteren Opfers vor einem Friseurgeschäft an der Mittenwalder Straße in Streit geraten. Anlass laut Anklage: Sein Gegenüber grüßte ihn nicht als erster – obwohl er als dies als jüngerer der beiden nach Ansicht von Bader El M. aus Gründen der Ehrerbietung hätte tun müssen.

Die „erlittene Schmach“, so formulierte es der Staatsanwalt in der Anklage, veranlasste Bader El M. und seine Mittäter dazu, sich an Angehörigen der Familie seines Gegenübers zu rächen. Welches Mitglied der Familie sie dabei treffen würden, sei ihnen gleichgültig gewesen.

Das Opfer war ausgerechnet der Cousin

Vor dem Spätkauf hätten die zwei Mittäter von Bader El M. dann „in Tötungsabsicht“ mit Handfeuerwaffen geschossen. Laut Staatsanwaltschaft trafen sie dabei mit dem 29 Jahre alten Khaled Al A. ausgerechnet den Cousin des angeklagten Todesschützen Bader El M.

Bader El M. wollte sich am ersten Verhandlungstag nicht zu den Vorwürfen äußeren. Nach der Verlesung der Anklage wurde der Prozess unterbrochen. Der Vorsitzende Richter setzte zunächst 25 Verhandlungstage an.