Justiz

Berlins Justiznachwuchs bekommt neues Ausbildungszentrum

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Baustellenbesuch in Moabit: Justizsenator Dirk Behrendt und die Vizepräsidentin des Kammergerichts Svenja Schröder-Lomb (beide hinten) im Gespräch mit drei Auszubildenden.

Baustellenbesuch in Moabit: Justizsenator Dirk Behrendt und die Vizepräsidentin des Kammergerichts Svenja Schröder-Lomb (beide hinten) im Gespräch mit drei Auszubildenden.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE Foto Services

Künftig soll ein Teil des Nachwuchs der Berliner Justiz auf dem Gelände des ehemaligen Krankenhauses Moabit ausgebildet werden. Der Umbau läuft.

Berlin. Noch ist ein Großteil der Räume abgesperrt, das Gebälk unter dem Fußboden liegt frei und unter dem abbröckelnden Putz sind die grauen Backsteine zu sehen. Ab Ende kommenden Jahres sollen im ehemaligen Küchengebäude des Krankenhauses Moabit an der Turmstraße der Nachwuchs für die Berliner Gerichte ausgebildet werden – derzeit 500 Justizfachwirte und -hauptwachtmeister sowie Rechtspfleger.

Derzeit finden diese Ausbildungen noch dezentral statt. Während ein Teil der Azubis in den Räumen des Amtsgerichts Mitte an der Littenstraße lernen, sitzt der Lehrkörper im Kammergericht an der Elßholzstraße in Schöneberg. „Wir haben bisher keinen fixen Ort für die Ausbildung und genau den wollen wir hier jetzt schaffen“, sagte Berlins Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) am Mittwoch bei einem Baustellenrundgang.

Umbau kostet elf Millionen Euro

Insgesamt elf Millionen Euro gibt das Land Berlin für den Umbau des zwischen 1899 und 1902 errichteten und seit 2001 leerstehenden Gebäudes aus. Auf rund 4000 Quadratmetern soll Platz für 236 Auszubildende geschaffen werden. Man schaffe fast schon so etwas wie einen Campus, so Behrendt weiter.

Ebenfalls auf dem Gelände der vor 20 Jahren aufgegebenen Klinik ist ein Teil der Staatsanwaltschaft sowie die Rechtsmedizin der Charité untergebracht. Nur wenige Hundert Meter entfernt am Ende der Turmstraße liegt mit dem Kriminalgericht Berlin der größte Justizstandort der Hauptstadt.

Sie hoffe, dass der neue gemeinsame Standort auch etwas Identitätsstiftendes hat, sagte die Vizepräsidentin der Kammergerichts Svenja Schröder-Lomb, das für die Ausbildung des Nachwuchses aller Berliner Gericht verantwortlich ist. „Wir sind die Justiz, wir sind die dritte Gewalt, wir sorgen dafür, dass der Rechtsstaat auch in Zeiten der Krise gut und stabil funktioniert.“ Sie freue sich, wenn das Provisorium ende. Allerdings müsse man bei der Nachwuchsgewinnung „noch eine Schippe drauf legen“.

Einstiegsgehalt von 2000 bis 2300 Euro plus Zulagen

Denn die Hälfte der insgesamt 12.000 Beschäftigten in der Berliner Justiz würden in den kommenden zehn Jahren in Pension gehen, so Schröder-Lomp weiter. Man brauch die klügsten Köpfe, „die nicht mehr selbstverständlich für die öffentliche Verwaltung zu bekommen sind“, sagte Senator Behrendt.

Um den Job attraktiver zu machen, wurde daher jüngst die Vergütung erhöht. So gibt es in der Ausbildung 1200 bis 1300 Euro, Wachtmeister und Fachwirte steigen anschließend mit rund 2000 Euro netto ein, Rechtspfleger erhalten 2300 Euro. Hinzu kommen monatlich 150 Euro Hauptstadtzulage- sowie gegebenenfalls Familienzuschläge.

Gesamtpersonalrat: Zeit der Sparmaßnahmen endlich vorbei

Ulf Melchert, Rechtspfleger und als stellvertretender Gesamtpersonalrat für den Bereich Justiz zuständig, ist optimistisch, dass es gelingen kann. „Die Zeit der Sparmaßnahmen und des Stellenabbaus ist endlich vorbei.“ Auch das neue Ausbildungszentrum wird es Nachwuchskräften deutlich attraktiver machen. „Noch müssen sie zum Teil in Kellern lernen, das ist echt kein Aushängeschild.“

Die Senatsverwaltung habe erkannt, dass es hier dringend Nachholbedarf gibt, so der Personalvertreter weiter. „Bei aller Euphorie sollte man aber nicht vergessen, dass das eigentlich normal sein sollte.“