Pandemie

Impfempfehlung für Kinder ab zwölf Jahren – was ist wichtig?

| Lesedauer: 5 Minuten
Susanne Leinemann
Impf-Nebenwirkungen bei Kindern: Was bekannt ist

Impf-Nebenwirkungen bei Kindern: Was bekannt ist

Seit Mitte August empfiehlt die Ständige Impfkommission (Stiko) die Covid-Schutzimpfung auch für Kinder zwischen 12 und 17 Jahren. Dennoch bleibt die Frage: Welche Nebenwirkungen treten bei Kindern nach der Impfung auf?

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Die Ständige Impfkommission empfiehlt eine Impfung ab zwölf Jahren – aber was heißt das genau? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

Berlin. Die Ständige Impfkommission (Stiko) hatte sich lange mit der Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche zwischen zwölf und 15 Jahren zurückgehalten. Bislang rieten sie dazu, Kinder aus dieser Altersgruppe nur zu impfen, wenn eine Vorerkrankung oder ein anderes Risiko vorliegt. Das hat sich jetzt geändert – die Vorteile einer Impfung dieser Jugendlichen überwiege die Risiken, heißt es. „Daher hat die Stiko entschieden, ihre bisherige Einschätzung zu aktualisieren und eine allgemeine Covid-19-Impfempfehlung für Zwölf- bis 17-Jährige auszusprechen“, heißt es nun.

Der Weg zur Impfung der Jüngeren ist also frei. Aber was heißt das? Wir beantworten die wichtigsten Fragen.

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Warum hat es so lange gedauert, bis die Ständige Impfkommission sich durchgerungen hat, die Impfung für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren zu empfehlen?

„Die Stiko hat sich zurecht Zeit gelassen“, sagt Jakob Maske, Sprecher des Berliner Landesverbandes der Kinder- und Jugendärzte. Es sei wichtig gewesen, sich die Daten aus anderen Ländern sehr genau anzuschauen. Und der Druck in Deutschland sei nicht so groß gewesen, denn – anders als beispielsweise in den USA – gab es hier kaum schwere Erkrankungen oder gar Todesfälle unter Heranwachsenden. Er selbst konnte auch in seiner Praxis für Kinder- und Jugendmedizin viele Erfahrungen mit Corona sammeln. Ist er jetzt mit der aktuellen Stiko-Impfempfehlung einverstanden? „Absolut“, antwortet Maske.

Wo kann sich mein Kind impfen lassen?

Einmal natürlich beim Kinder- und Jugendarzt, den man gut kennt und dem man vertraut. Die Eltern müssen bei Nachwuchs, der jünger als 16 Jahre ist, beim Aufklärungsgespräch dabei sein. Bei den 16- und 17-jährigen reicht dagegen eine ausgefüllte Einverständniserklärung der Eltern. Allerdings ist eine Corona-Impfung nicht so ganz einfach für die Praxen zu organisieren – auf jeden Fall schwieriger als eine normale Impfung; man lädt dann eine größere Gruppe von Impfwilligen zu einem festen Termin ein, berichtet Jakob Maske, damit der Aufwand sich lohne. „Für viele Eltern ist deshalb das Impfzentrum einfacher – gerade, wenn sie beruflich wenig Zeit haben“, sagt deshalb Landeselternsprecher Norman Heise. Dort werde nämlich auch sonnabends und sonntags geimpft. Und es gibt sehr kurzfristig Termine auch für diese Altersgruppe.

Herzmuskelentzündung gilt als ein mögliches, seltenes Risiko nach der Impfung. Wie erkenne ich die Symptome?

Gerade bei jungen Männern hat sich gezeigt, dass eine Herzmuskelentzündung zwar sehr selten, aber möglicherweise doch auftreten kann. Sie gilt deshalb, laut Stiko, als Impfnebenwirkung. Aber wie erkennt man die Symptome einer Herzmuskelentzündung? „Schlappheit“, sagt Kinderarzt Maske. „Das Symptom kann sich innerhalb der ersten fünf, sechs Tage nach der Impfung zeigen.“ Das gilt für die erste und die zweite Impfung. Hohes Fieber nach einer Impfung sei dagegen deutlich weniger problematisch. „Kinder und Jugendliche reagieren halt manchmal, das passiert auch nach normalen Impfungen“, sagt Maske.

Wird es auch Impfungen für Zwölfjährige mit mobilen Teams in Schulen geben?

Das könnte schwierig werden – weil der logistische Aufwand, auch die Eltern zu einem festen Termin dazu zu holen, groß ist. Das ist anders als bei denen, die älter als 16 Jahre sind oder gar volljährig. Für die sind schon mobile Teams in den Oberstufenzentren der Stadt unterwegs. Beim letzten Bildungsausschuss sprach Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) auch von möglichen „Impf-Shuttles“, die dann Schüler zu den Impfzentren fahren. Die seien aber wohl eher für die zweite Impfung gedacht, glaubt Landeselternsprecher Norman Heise. Die Senatsbildungsverwaltung hält sich beim Thema „Impfen jüngerer Schüler in den Schulen“ bislang bedeckt. „Wir haben bereits in Elternschreiben und auf anderen Ebenen auf Impfmöglichkeiten hingewiesen und werden dies auch weiterhin tun“, heißt es von dort ganz allgemein. In der Senatsverwaltung für Gesundheit klingt man dagegen offener. Womöglich komme da noch etwas für die Jüngeren. Man schaue, „was am effektivsten“ sei, wo der Aufwand sich lohne, sagt der dortige Sprecher Moritz Quiske.

Wird es einen zweiten Brief der Gesundheitssenatorin an die Schülerinnen und Schüler mit einer Impfaufforderung geben?

Einen weiteren Brief an Berlins Schülerinnen und Schüler plant man nicht, sagt der Sprecher der Senatorin Dilek Kalayci, Moritz Quiske. Der erste Brief an Berlins ältere Schülerinnen und Schüler hatte ja auch für allerlei Aufregung gesorgt – manche Eltern fühlten sich durch die direkte Ansprache der Senatorin an ihre Kinder übergangen. Sie hatte in dem Brief allen ab zwölf Jahren ans Herz gelegt, sich impfen zu lassen – obwohl zu diesem Zeitpunkt noch keine Impfempfehlung vorlag. Das ist nun anders. „Ich sehe mich durch die Stiko darin bestätigt, mit meinem Brief den jungen Berlinerinnen und Berlinern ein Impfangebot gemacht zu haben“, sagte die SPD-Politikerin nun. Allein bei den Zwölf- bis 17-Jährigen sind es rund 180.000 Jugendliche, die nun womöglich geimpft werden.