Geschichte

Müller: Mauerbau vor 60 Jahren "einschneidendes Geschehen"

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dpa
Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) spricht.

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) spricht.

Foto: dpa

Der Bau der Berliner Mauer brachte vielen Menschen Leid, manchen den Tod. Schon vor dem 60. Jahrestag erinnern Politiker und Kirchenvertreter an die Schrecken der Teilung.

Berlin. 60 Jahre nach dem Bau der Mauer haben Berliner Politiker und Kirchenvertreter an die Todesopfer und das Leid erinnert, das die Teilung für viele Menschen mit sich gebracht hat.

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) bezeichnete den Mauerbau als "einschneidendes Geschehen für unsere Stadt und für unser Land". Gerade in Berlin erinnere man sich am 13. August immer wieder "an das menschliche Leid, das die Teilung der Stadt und des Landes mit der Trennung von Familien, Freunden und Bekannten und mit dem Verlust von Lebenschancen und Reisemöglichkeiten" mit sich brachte, erklärte Müller am Donnerstag.

"Der Bau der Berliner Mauer gehört fraglos zu den dunkelsten Kapiteln der Berliner Stadtgeschichte", erklärte der Präsident des Berliner Abgeordnetenhauses, Ralf Wieland. "Denn der Mauerbau war eine Amputation am lebenden Stadtkörper." Mit jedem Jahr, in dem die Mauer stand, habe die Hoffnung abgenommen, dass es jemals wieder ein geeintes Berlin geben könne. Erst die friedliche Revolution in der DDR habe die Mauer 1989 einstürzen lassen.

Die Erinnerung an die Mauertoten ist aus Sicht Wielands mit einer wichtigen Botschaft verbunden: "Menschenrechte sind stärker als Beton und Maschinengewehre. Freiheitswille überwindet auch Stacheldraht."

Der CDU-Landesvorsitzende Kai Wegner mahnte, bei der Aufarbeitung des SED-Unrechts dürfe es keinen Schlussstrich geben. "Den Ewiggestrigen, die die Gräueltaten der kommunistischen Gewaltherrschaft auch heute noch relativieren und verharmlosen, treten wir weiter entschieden entgegen. Das schulden wir nicht zuletzt den vielen Opfern der SED-Diktatur, die bis heute unter den erlittenen Qualen leiden."

Der Berliner Erzbischof Heiner Koch bezeichnete die Mauer als "Symbol der Unfreiheit und Enge". Sie zeige bis heute die "Kostbarkeit der Freiheit". Die vielen Maueropfer seien "ein Aufruf für uns heute, um alles in unserer Macht Stehende zu tun, dass Menschen - in welcher Situation auch immer - nicht ohnmächtig der Gewalt ihrer Mitmenschen ausgesetzt sein dürfen, und dass wir alles gegen Situationen tun müssen, die menschliches Leben zerstören und menschliche Lebensentfaltung verhindern".

Am 13. August 1961 hatte die DDR mit dem Bau der Mauer rund um den Westteil Berlins begonnen und damit die deutsch-deutsche Teilung zementiert. Das etwa 155 Kilometer lange Bollwerk trennte die Stadt mehr als 28 Jahre. Die Teilung ging erst mit dem Fall der Mauer am 9. November 1989 zu Ende. Allein in Berlin starben nach dem Mauerbau nach wissenschaftlichen Erkenntnissen mindestens 140 Menschen durch das DDR-Grenzregime. An der innerdeutschen Grenze waren laut Bundesregierung mindestens 260 Todesopfer zu beklagen.

Am 60. Jahrestag am Freitag wird in Berlin mit mehreren Veranstaltungen den Mauerbau erinnert. Beim zentralen Gedenken in der Mauer-Gedenkstätte Bernauer Straße ergreifen Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Müller das Wort. Anschließend wollen sie am Denkmal für die Maueropfer Kränze niederlegen. In der Kapelle der Versöhnung auf dem früheren Todesstreifen, ebenfalls Teil der Gedenkstätte, ist danach eine ökumenische Andacht geplant. In der Gemeinde Hohen Neuendorf am nord-westlichen Berliner Stadtrand findet die zentrale Gedenkveranstaltung des Landes Brandenburg statt.

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( dpa )