Rote Zahlen

Zoo Berlin: Nicht nur Corona schuld an finanzieller Notlage?

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Giraffen im Zoo.

Giraffen im Zoo.

Foto: Istock

Der Zoo Berlin muss drastische Einnahmeverluste verkraften Nun soll das Land Berlin helfen. Doch es regt sich Kritik.

Berlin. Der Berliner Zoo ist wegen des erheblichen Besucherrückgangs während der Corona-Pandemie in wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Kaum zu reduzierenden Kosten etwa für das Futter und die Pflege der Tiere und Anlagen stehen deutlich geringere Einnahmen gegenüber.

Der Hauptausschuss des Abgeordnetenhauses sollte sich am Mittwoch mit dem Thema befassen. Dabei geht es um 16,5 Millionen Euro, die coronabedingte Einnahmeverluste ausgleichen sollen. Doch die Debatte über einen Zuschuss des Landes Berlin wurde vertagt. Dazu gebe es noch zahlreiche ungeklärte Fragen, hieß es.

Finanzhilfe: Zoo Berlin schlägt Einmalzahlung des Landes vor

„Dass die Zoo AG angesichts der Corona-Pandemie einen finanziellen Bedarf hat, ist bekannt und unstrittig“, teilte die Senatsverwaltung für Finanzen mit. Nach deren Angaben erhält die Zoo AG vom Land Berlin laut einer 1955 vereinbarten unbefristeten Zahlungsverpflichtung für das Überlassen von Grundstücksflächen jährliche Ausgleichszahlungen. In einem Schreiben der Finanzverwaltung an den Hauptausschuss heißt es, die Zoo AG habe nun angeboten, den Vertrag gegen eine Einmalzahlung abzulösen.

„Eine relativ geringe, ewig laufende Zahlung des Landes Berlin soll durch eine höhere Einmalzahlung abgelöst werden“, erklärte ein Sprecher der Finanzverwaltung den Vorgang. „Ziel dieser Regelung ist es, dem Zoo schnell zu helfen, aus dieser schwierigen Situation herauszukommen.“

Kritik an teurem Affenhaus

Doch in Koalitionskreisen soll es Widerstand gegen diese Finazierungsmodell geben, wie der Sender RBB berichtet. So ist zum Beispiel unklar, wie der Berliner Zoo künftig ohne die jährliche Finanzhilfe von 380.000 Euro wirtschaften will. Offenbar will der Senat für eine Notfinanzierung Corona-Rücklagen nutzen. Kritiker merken an, dass die finanzielle Notlage des Zoos nicht allein aus der Pandemie-Lage zu begründen sei. Möglicherweise seien zu teure Investitionen getätigt worden, wie z.B. der Neubau des Affenhauses. Dafür dürfen aber die Corona-Rücklagen nicht verwendet werden, hieß es aus Koalitionskreisen.

Außerdem wird diskutiert, ob sich der Vorschlag des Zoos für Berlin rechnet. Denkbar sei, dass das Land Aktien der Zoo AG kauft. So erhielte Berlin mehr Einfluss auf das Geschäft, etwa bei den Eintrittspreisen. Bei der nächsten Sitzung des Haushaltsausschusses in zwei Wochen soll das Thema erneut auf der Tagesordnung stehen.

Zoo Berlin muss drastischen Besucherrückgang verkraften

Die Finanzverwaltung betonte, dass es nicht um die Existenz des Zoos gehe. In ihrem Schreiben an die Abgeordneten befürwortet sie, dem Antrag der Zoo AG zu entsprechen und die dauerhaften Zahlungsverpflichtungen durch eine Einmalzahlung in Höhe von 16,5 Millionen Euro aufzuheben.

Weiter heißt es darin, durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie sei das Besucheraufkommen in Zoo und Aquarium im Jahr 2020 und im ersten Halbjahr 2021 drastisch zurückgegangen. Das habe zu alleine 2020 zu einem Umsatzrückgang gegenüber dem Plan in Höhe von rund 12,66 Millionen Euro geführt. Für 2021 sei mit Umsatzverlusten
in gleicher Höhe zu rechnen.

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( BM/dpa )