Mieten in Berlin

Immer mehr Berliner auf Wohngeld angewiesen

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Isabell Jürgens
Eine Plattenbausiedlung in Berlin-Marzahn: Insbesondere Seniorenhaushalte mit geringer Rente haben Anspruch auf  Wohngeld.

Eine Plattenbausiedlung in Berlin-Marzahn: Insbesondere Seniorenhaushalte mit geringer Rente haben Anspruch auf Wohngeld.

Foto: Matthias Balk / picture alliance / dpa

Knapp 25.000 der Berliner Haushalte brauchen die Unterstützung vom Staat, um ihre Wohnkosten zu decken.

Berlin. In Großstädten wie Berlin steigen die Mieten, immer größere Anteile des Einkommens müssen für das Wohnen ausgegeben werden. Haushalte mit niedrigerem Einkommen haben daher Anspruch auf Wohngeld, einen staatlichen Zuschuss, den sich Bund und Länder je zur Hälfte teilen. Nach Angaben des Amtes für Statistik Berlin-Brandenburg vom Montag erhielten Ende 2020 in der Hauptstadtregion 24.620 in Berlin und 22.785 Haushalte in Brandenburg ein Wohngeld. Rechnet man noch die zwei Prozent der Haushalte hinzu, in denen nur einzelne Personen wohngeldberechtigt waren (wohngeldrechtliche Teilhaushalte) beziehen sogar mehr als 48.500 Haushalte Wohngeld. Nach Angaben der Statistiker bedeute dies für Berlin im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung um 20 Prozent und für Brandenburg um 16 Prozent.

Hauptursache für die deutlich gestiegenen Zahlen ist jedoch nicht in erster Linie die Corona-Pandemie, sondern die Reform des Wohngeldstärkungsgesetzes im vergangenen Jahr, so die Statistiker in ihrer am Montag veröffentlichten Mitteilung. Der Kreis der Anspruchsberechtigten wurde durch die Gesetzesnovelle erweitert, die Höhe der Zuschüsse zudem nach oben angepasst, damit „das Wohnen auch für einkommensschwache Haushalte bezahlbar bleibt“, wie in der Kurzinformation des Bundesinnenministeriums zur Reform heißt. Einen möglichen Anspruch kann man mit Hilfe von Rechnern im Internet ermitteln.

Wohngeld in Berlin auch in Form von Lastenzuschuss ausgezahlt

Wohngeld wird indes nicht nur in Form von Mietzuschüssen, sondern auch an Wohnungseigentümer in Form eines sogenannten Lastenzuschusses ausgezahlt, um etwa Aufwendungen für Kapitaldienst und die Bewirtschaftung ihres Wohneigentums zu leisten. Die Voraussetzung: Eigentümer wohnen selbst in ihrer Immobilie und tragen auch die Kosten dafür selbst.

Allerdings ist ihr Anteil verschwindend gering: In Berlin beziehen 99 Prozent der Berechtigten Mietzuschüsse, in Brandenburg sind es 92 Prozent. Ob und wie viel Lastenzuschuss bezahlt wird, hängt ab von der Höhe des Hausgeldes von Eigentumswohnungen beziehungsweise der Ausgaben für das Eigenheim, der Höhe des Einkommens und der Anzahl der Familienmitglieder, die in der Wohnung leben.

166 Euro werden im Durchschnitt ausgezahlt

Der durchschnittliche monatliche Wohngeldanspruch in Berlin lang nach Angaben der Statistiker bei 166 Euro und in Brandenburg bei 135 Euro. Das waren in Berlin 22 Euro und in Brandenburg 15 Euro mehr als im Jahr zuvor. Die für die Wohngeldberechnung berücksichtigungsfähige Miete/Belastung belief sich auf 460 Euro in Berlin und 388 Euro in Brandenburg. Das durchschnittliche monatliche Gesamteinkommen lag in Berlin bei 964 Euro und in Brandenburg bei 904 Euro.

Unter den Wohngeldhaushalten bildeten Rentnerinnen und Rentner gemeinsam mit Pensionärinnen und Pensionären die größte Gruppe. Hierzu zählten über die Hälfte der Berliner und Brandenburger Haushalte mit reinem Wohngeld (54 Prozent beziehungsweise 59 Prozent). An zweiter Stelle standen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie Beamtinnen und Beamte mit 28 Prozent in Berlin und 25 Prozent in Brandenburg. In beiden Ländern ist der Anteil der Einpersonenhaushalte mit rund zwei Dritteln am größten.

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