Tegel

„Berlin loves you“ – 3000 Besucher beim Freedom Dinner

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Isabell Jürgens
Die Tische auf der Start- und Landebahn formten den Schriftzug "Berlin loves you".

Die Tische auf der Start- und Landebahn formten den Schriftzug "Berlin loves you".

Foto: Christophe Gateau/dpa

Abschiedsfest und zugleich Neustart für den Hauptstadttourismus – das ist die Botschaft des Freedom Dinners mit 3000 Gästen in Tegel.

Berlin. 3000 Berliner, auf ebenso vielen Stühlen um 1018 Tische auf der Rollbahn des ehemaligen Flughafens Tegel sitzend, ergeben eine Botschaft, die sich nur aus der Vogelperspektive lesen lässt: „Berlin loves you“. Der 770 Meter lange und 60 Meter breite Schriftzug soll der ganzen Welt zeigen, dass „Berlin wieder da“ ist, so der Gastgeber der Veranstaltung, Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD).

Mit dem Freedom Dinner, dem Freiheitsabendessen, zu dem der Senat und die landeseigenen Tourismuswerber Visit Berlin, „Tegel Projekt“ und der Messe Berlin am Sonnabend 3000 Gäste eingeladen hatten, soll aber nicht nur eine touristische Werbebotschaft in die Welt hinausgetragen werden, die Berliner sollen vor dem Umbau des Airports zur „Urban Tech Republic“ zudem Gelegenheit bekommen, sich zu verabschieden von TXL, dem von vielen schmerzlich vermissten City-Airport.

Die Gelegenheit wollten viele Berliner unbedingt nutzen, die kostenlosen, im Internet buchbaren Tickets waren bereits in kurzer Zeit vergriffen. Ende Juli waren zunächst 2000 im Angebot, Anfang der Woche war das Kontingent um weitere 1000 erhöht worden – und schon nach 90 Minuten erneut vergeben. Mehr als 100.000 Berliner, so Michael Müller, hätten versucht, eine Karte zu bekommen. „Also genießen sie das Glück, dass es bei Ihnen geklappt hat“, ruft er in seiner Eröffnungsrede den Menschen an den weiß gedeckten Tischen auf der schwarzen Rollbahn zu.

„Wir sind echte Tegel-Fans und wollen Tschüss sagen“

Marion Göhle hat zwei Karten für sich und ihre Freundin ergattert: „Ich bin Tegelfan, bin oft von hier abgeflogen“, sagt die 65-jährige Wilmersdorferin. „Ich habe die Schließung des Flughafens auch sehr bedauert“, ergänzt ihre Freundin aus Waldesruh, „wir wollten deshalb unbedingt die Gelegenheit nutzen, Tschüss zu sagen“.

Familie Schmidt aus Reinickendorf hatte ebenfalls Glück und Karten für vier Personen ergattert: „So können wir generationsübergreifend Abschied nehmen - von der 74-jährigen Großmutter bis zum dreijährigen Enkelkind“, sagt der 35-jährige Markus Schmidt. Vorsichtshalber hat sich die Familie mit Sonnencreme und Regenschutz eingedeckt. „Zum Glück brauchen wir ja beides nicht“, sagt der Betriebswirt.

„Ich bin erleichtert, das bedeckte, windstille Wetter ist hervorragend für unser Fest“, sagt Burkhard Kieker, als Geschäftsführer von Visit Berlin einer der Gastgeber des Abends. Denn das sei im Vorfeld die größte Sorge gewesen: Dass Gewitter und Sturm das Event unmöglich machen.

Viele Besucher kommen schon mit Beginn des Einlasses

Auch Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup, Chef der Berliner Flughafengesellschaft, ist gekommen: „Erstmals als Gast“, wie er betont. Vor drei Tagen habe er schließlich den Schlüssel für den Flughafenkomplex an die Tegel Projekt GmbH übergeben. Wehmut habe er dabei nicht empfunden: „Den Moment hatte ich im November, als die letzte Maschine von Tegel abhob“, so der Flughafenchef. Heute überwiege die Freude auf einen schönen Abend.

Die landeseigene Tegel Projekt hat nun die Aufgabe, aus dem 500 Hektar großen Areal in den kommenden 20 Jahren einen vollkommen neues Stadtquartier mit 5000 Wohnungen in Holzbauweise als Modellstadt von morgen für 10.000 Menschen sowie einen auf urbane Technologien spezialisierten Forschungs- und Industriepark zu entwickeln.

Obwohl die Veranstaltung erst um 18 Uhr mit einer Fontäne der Feuerwehr startet, sind viele schon mit Beginn des Einlasses um 15.30 Uhr da.

Freedom Dinner – ein Symbol, dass in Berlin vieles wieder geht

„Ich bedanke mich bei Ihnen im Namen des Berliner Senats“, sagt Berlins Regierungschef Müller in seiner Begrüßungsrede weiter. „Sie sind stellvertretend hier für viele Berliner, die mitgeholfen haben, durch die schwere Corona-Zeit zu kommen“, so Müller. Ob im Gesundheitswesen, in der Verwaltung, bei der Polizei oder im Supermarkt an der Kasse hätte viele Menschen Unglaubliches geleistet.

Das Freedom Dinner, so Müller weiter, sei ein Symbol dafür, dass in Berlin nun wieder vieles geht, dass Kinos und Theater wieder Gäste empfangen könnten . „Aber zugleich habe ich auch eine große Bitte an sie alle: „Wir haben eine Impfquote von 60 Prozent hier in Berlin“, sagt Müller und Applaus brandet auf. „Das ist toll, doch es reicht nicht, Deshalb mein ganz großer Appell an sie alle, werben Sie mit für die Impfung, für die Zweitimpfung“.

Nach den ernsten Worten des Regierenden naht schließlich ein Helikopter. Und die Party kann endlich steigen. Alle Gäste recken, wie zuvor geübt, die Hände in die Luft, und die Berlin-Hymne von Seeed, „Dickes B“ dröhnt aus den Lautsprechern.

Tegel-Feier kostet 500.000 Euro

Die Kosten für die Tegel-Feier belaufen sich nach Angaben der Senatskanzlei auf 500.000 Euro. Dafür gibt es für jeden Gast eine kleine Lunchbox - und ein Unterhaltungsprogramm, gestaltet von Berliner Künstlern wie der Swing Patrol von Andrej Hermlin & Family, bei der der Gründer des Swing Dance Orchestra mit seinen Kindern Rachel und David auftritt.

Später am Abend sorgt dann eine Trommel- und Tanz-Show der von Seeed-Frontmann Peter Fox gegründeten Drummer-Schule BÄM Äcademy und die Berliner Stepptanzgruppe TAP Connection für Stimmung auf der wohl größten Veranstaltungsfläche der Hauptstadt mit ihren 46.200 Quadratmetern direkt auf dem schwarzen Asphalt der Rollbahn. Bis 22.15 Uhr dürfen die Berliner weiter feiern und Abschied nehmen von ihrem Flughafen der Herzen. „Aber ich bin überzeugt, dass auch das, was aus unserem Berliner Flughafen jetzt wird, Sie begeistern wird“, sagt Müller.