Berlin-Wahl 2021

Plakate zur Berlin-Wahl: So werben die Parteien

| Lesedauer: 8 Minuten
Isabell Jürgens
SPD-Spitzenkandidatin Franziska Giffey geht mit sieben Plakatmotiven ins die Berlin-Wahl.

SPD-Spitzenkandidatin Franziska Giffey geht mit sieben Plakatmotiven ins die Berlin-Wahl.

Foto: DAVIDS/Sven Darmer

Am Sonntag ist es wieder so weit: Sieben Wochen vor der Wahl dürfen die Parteien ihre Plakate aufhängen. Was die Motive verraten.

Berlin. Es ist wieder so weit: Seit Sonntag um null Uhr dürfen die Parteien, genau sieben Wochen vor der Abgeordnetenhaus-Wahl, mit Plakaten auf Stimmenfang gehen. Auf Großplakaten vorzugsweise auf dem Mittelstreifen großer Ausfallstraßen und mit kleineren Motiven an Laternenmasten wird der Wahlkampf in Berlin damit auch auf den Straßen sichtbar. Am Freitag stellten CDU und SPD schon mal ihre Kampagnenmotive vor, die Linke und die AfD hatten ihre zentralen Botschaften schon an den Vortagen präsentiert, die FDP und die Grünen waren bereits im Juni vorgeprescht.

Allein die sechs im Landesparlament vertretenen Parteien wollen mit mehr als 100.000 Plakaten auf sich aufmerksam machen, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur ergab. Darunter sind mindestens 1550 Großflächenplakate, hinzu kommen mindestens 102.500 kleinere Poster mit Slogans oder den Fotos von Kandidaten, die nicht zuletzt an Laternenpfählen prangen.

Durch den parallel stattfindenden Volksentscheid „Deutsche Wohnen & Co. enteignen“ wird das Gerangel um die sichtbarsten Plätze in der Stadt noch verschärft: Hunderte Freiwillige hängen 10.000 Wahlkampfplakate in ganz Berlin auf, teilte die Initiative am Freitag mit.

CDU-Frontmann Wegner bietet sich als „Neustart“ an

Mit vier Motiven wird die Berliner CDU ab Sonntag für die Berlin-Wahl 2021 werben. „Berlin. Bereit für einen Neustart“ ist dabei die zentrale Botschaft. Eines der Motive zeigt den CDU-Chef im Kreise junger Menschen im Mauerpark sitzend, ein anderes mit drei Schornsteinfegern über den Dächern von Berlin. „Damit setzen wir zum einen auf das positive Berlin-Gefühl und zeigen zugleich, dass wir die ganze Stadt in den Blick nehmen“, erläutert Kai Wegner, Spitzenkandidat der CDU Berlin.

Berlin sei eine großartige Stadt, brauche aber eine bessere Regierung: „Rot-Rot-Grün hat gespalten, wir wollen vereinen“, so Wegner weiter. Und statt auf Verbote und Restriktionen zu setzen, wie dies Rot-Rot-Grün mache, stehe die CDU eben für Freiheit. Bereits seit Montag ist Wegners Porträt an mehr als 150 Werbetafeln der Wall AG zu sehen. Im Prinzip gilt zwar, dass das Anbringen von Wahlwerbung im öffentlichen Raum eine „Straßensondernutzung“ und per Gesetz frühestens sieben Wochen vor der Wahl erlaubt ist. Allerdings gilt dies nicht für die Standorte eines kommerziellen Anbieters. Mit diesem Schachzug hat sich die CDU einen zeitlichen Vorsprung vor den Mitbewerbern verschafft.

SPD startet mit Hafenambiente

Einen generalstabsmäßig organisierten Auftritt legte die Berliner SPD bei der Präsentation ihrer Wahlmotive hin. Die beiden SPD-Landesvorsitzenden Franziska Giffey und Raed Saleh hatten dafür eigens einen Container mit dem Konterfei der Spitzenkandidatin in den Westhafen rollen lassen. Aus diesem wurden dann nach und nach die sieben Plakatmotive der Kampagne herausgetragen.

„Der Westhafen steht für die Entwicklung der Stadt – und dafür, dass Berlin ziemlich viel kann, nämlich sogar Hafen und Innovation“, so Giffey. Die sieben Plakatmotive sollen die Kernthemen der SPD bei dieser Wahl hervorheben. „Wenn es gelingt, dass wir stärkste Kraft werden, wird Neubau Chefinnensache“, verspricht Giffey – und auch der Slogan auf ihrem ersten Plakat.

Auf diesem ist sie mit Bauhelm und Bauarbeiter auf der Baustelle zu sehen. Beim zweiten Plakat muss manch einer aus der Riege der zur Präsentation eingeladenen Pressevertreter schmunzeln: „Neustart für die Wirtschaft“ steht da unter einem Bild, das Giffey mit dem Wirt der „Dicken Wirtin“ zeigt, geschrieben. Hat die SPD den Spruch etwa bei der CDU geklaut? „Nein“, versichert Franziska Giffey. Es gehe einfach darum, dass die Wirtschaft – und darunter seien eben auch die Gastronomen – nach der Pandemie Unterstützung brauchten. Dabei wolle die SPD helfen. Weitere Motive thematisieren die digitale Bildung, faire Löhne und den U-Bahn-Ausbau, für den sich die Berliner SPD einsetzen will.

Die Linke wirbt mit „Malocherin, Mieterin und Entscheiderin“

Auch die Linke setzt auf ihren Großplakaten auf ihren Spitzenkandidaten Klaus Lederer: „Schulen, Verkehr, Wohnungen. Wir haben noch viel vor“, steht unter einem Bild, das Klaus Lederer vor einer Collage aus Berliner Gesichtern zeigt. Die Botschaft: „Der Senat, der die Bedingungen dafür schaffen soll, braucht Führung: Einen erfahrenen und integren Bürgermeister Dr. Klaus Lederer“, erläutert die Partei dazu.

Auf den kleinen Plakaten werben dann wieder die Gesichter unbekannter Berliner: Etwa die „Gradmesserin“ eine ältere Dame die auf ihrem Balkon die Blumen gießt. Darunter verspricht die Linke: „Klima sozial gerecht für alle“. Entsprechend soll die „Malocherin“ vor Ausbeutung geschützt werden und die „Mieterinnen“ vor Verdrängung. Und der„Entscheiderin“, einer jungen Frau, deren Weste „Deutsche Wohnen & Co enteignen“ fordert, springt die Linke mit einem fett gedruckten „JA!“ bei.

AFD verzichtet auf bekannte Gesichter

Die AFD verzichtet dagegen auf bekannte Gesichter. „Wir thematisieren unter anderem die Themen Verkehr, Kriminalität und Bildungsnotstand“, sagt AfD-Fraktionsvize Ronald Gläser. Mit Slogans wie „weniger abschleppen, mehr abschieben“ oder „saubere Parks statt dreckiger Deals“ und „Deutschpflicht statt Maskenpflicht“, setzt die Partei dabei auf plakative Aussagen.

Auch in Zeiten fortschreitender Digitalisierung sehen die Parteien und ihre Kandidaten in dieser Art von Wahlwerbung eine der wichtigsten Säulen des Wahlkampfes. „Die Plakate sind nach wie vor ein wichtiges Instrument, um Inhalte zu vermitteln und unsere Kernbotschaften im öffentlichen Raum zu platzieren“, heißt es etwa bei der Linken. Die AfD findet Plakate auch zum „ungefilterten Transport unserer Botschaften“ wichtig.

Parteien geben Tausende Euro für Wahlwerbung aus

Vor diesem Hintergrund scheuen die Parteien weder Mühen noch Kosten. So veranschlagt die SPD 212.000 Euro für Plakatwerbung, die Grünen 110.000 Euro. Die anderen Parteien machten keine exakten Angaben. Auch bei der Höhe des gesamten Wahlkampfbudgets wollen sich nicht alle in die Karten schauen lassen. Konkrete Summen nannten Grüne (2,4 Millionen Euro), SPD (1,8 Millionen Euro), Linke (1,4 Millionen Euro) und die AfD (rund 500.000 Euro).

Wie sieht es im Einzelnen aus?

  • Die SPD setzt für das Abgeordnetenhaus und die Wahlen zu den Bezirksverordnetenversammlungen rund 400 Großflächentafeln und ungefähr 20.000 Plakate ein.
  • Die Linke plant für die Abgeordnetenhauswahl mit 12.710 Personenplakaten, 12.750 Themenplakaten sowie 300 mobilen Großflächen.
  • Die Grünen haben rund 12.000 Laternenplakate für etwa 6000 Standorte vorbereitet. Außerdem sind 200 mobile Großflächen und um die 150 „Hintergleisflächen“ vorgesehen, also Plakate etwa in der U-Bahn. Hinzu kommen nach Angaben aus der Landesgeschäftsstelle feste Großflächen und Litfaßsäulen sowie Plakate, die Direktkandidaten in den Bezirken haben drucken lassen.
  • Die AfD setzte um die 30.000 Plakate ein, darunter sind solche für die Bundestagswahl, die ebenfalls am 26. September stattfindet.
  • Die FDP stellt etwa 500 Großflächenplakate auf und bringt 10.000 bis 15.000 Kleinflächenplakate an.
  • Die CDU erklärt: „Über die Gesamtzahl der Plakate kann keine Aussage getroffen werden, da diese nicht zentral durch den Landesverband Berlin bestellt werden, sondern auch durch die Kreisverbände.“

Bundestagswahl 2021

( mit dpa )