Dresden

Razzia zu Dresdner Fußball-Krawallen: Fünf Männer in U-Haft

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Jürgen Schmidt (l), Sprecher der Staatsanwaltschaft, und Polizeisprecher Thomas Geithner sprechen zu Journalisten.

Jürgen Schmidt (l), Sprecher der Staatsanwaltschaft, und Polizeisprecher Thomas Geithner sprechen zu Journalisten.

Foto: dpa

Neun Wochen nach den Ausschreitungen in Dresden sind am Donnerstag mehrere Beteiligte verhaftet worden.

Dresden. Nach den Öffentlichkeitsfahndungen geht die Polizei verschärft gegen Tatverdächtige der Dresdner Fußball-Krawalle vor. Rund 800 Beamte haben am Donnerstag in Sachsen und im brandenburgischen Lauchhammer Wohnungen von Tatverdächtigen der schweren Ausschreitungen beim Verein Dynamo Dresden durchsucht. Am Morgen liefen die Untersuchungen in 56 Objekten, die meisten in der sächsischen Landeshauptstadt und Umgebung. Ziel sei es, Beweismittel sicherzustellen, insbesondere Tatkleidung, Handys und Pyrotechnik, teilte die Polizei mit.

Fünf Männer wurden festgenommen – davon vier Menschen im Alter von 20, 22, 23 und 31 Jahren gleich in den frühen Morgenstunden. Ein sechster soll den Behörden in Aussicht gestellt haben, sich stellen zu wollen. Den Männern wird vorgeworfen, bei den Ausschreitungen im Mai am Dresdner Rudolf-Harbig-Stadion eine aktive Rolle gespielt und Polizisten mit Flaschen beworfen zu haben.

Die Männer aus der Landeshauptstadt und dem Raum Bautzen sind laut Jürgen Schmidt, Sprecher der Staatsanwaltschaft Dresden, unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung mehrfach vorbestraft. Einer habe bereits einen Eintrag wegen Landfriedensbruchs und drei stünden aktuell unter Bewährung. Gegen sie „besteht der Haftgrund der Wiederholungsgefahr“, so Schmidt weiter. Daher wurden sie noch am Donnerstag einem Haftrichter vorgeführt.

Insgesamt ermittelt die Polizei gegen 70 Personen wegen des Verdachts des Landfriedensbruchs im besonders schweren Fall, gefährliche Körperverletzung und tätlichem Angriff auf Vollstreckungsbeamte. Neben der extra für den Komplex gegründeten Sonderkommission „Soko Hauptallee“ sind bei den Durchsuchungen auch Kräfte der Bereitschaftspolizei und der Bundespolizei im Einsatz.

Polizei ermittelt insgesamt gegen 70 Verdächtige

Das letzte Heimspiel von Drittligist Dynamo Dresden gegen Türkgücü München (4:0) fand wegen der Corona-Pandemie am 16. Mai ohne Publikum statt. Im nahe gelegenen Großen Garten hatten sich jedoch Tausende Anhänger eingefunden, um den Aufstieg ihres Vereins in die zweite Bundesliga zu feiern. Noch während des Spiels hatten mehr als 500 gewaltbereite Fans entlang der Hauptallee, die den Park durchzieht, Polizisten mit Pyrotechnik angegriffen. Flaschen und Steine flogen auf die Beamten. Es gab zahlreiche Verletzte, auch unter Journalisten und den Polizeikräften. Insgesamt kamen laut Staatsanwaltschaft 185 Beamte zu Schaden, von denen 30 zeitweise dienstunfähig waren und sechs ins Krankenhaus mussten. „Ein derartiger Gewaltexzess bedarf einer konsequenten Antwort des Rechtsstaates, diese ist heute erfolgt“, sagte Sprecher Schmidt. „Es wird sicher nicht die letzte sein.“

Die Polizei fahndet im Zusammenhang mit den Ermittlungen zu den Krawallen noch nach 19 Verdächtigen öffentlich mit Bildern aus Videokameras, 21 weitere sind identifiziert. Dabei handelt es sich nach Polizeiangaben um Jugendliche und Männer zwischen 15 und 54 Jahren aus Sachsen, die meisten aus Dresden. 20 stellten sich, einer wurde bei einer Kontrolle gefasst.

Erster Beteiligter am Mittwoch zu Bewährungsstrafe verurteilt

Am Mittwoch war ein erster Beschuldigter zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Im Zuge eines beschleunigten Verfahrens verhängte ein Amtsrichter in Dresden wegen tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte, Körperverletzung, Widerstands und Beleidigung zehn Monate Freiheitsstrafe gegen den 34 Jahre alten Dynamo-Anhänger Sebastian S. Der Angeklagte, der damals unter Alkoholeinfluss stand, war vollumfassend geständig und gab den Tritt in den Rücken eines Polizisten sowie Kopfstöße gegen zwei weitere Beamte, die ihn festnahmen, zu. Der getretene Beamte war wegen eines Schleudertraumas und einer Thoraxprellung zwei Wochen arbeitsunfähig. Sebastian S., der nach eigenen Angaben in einer stabilen Beziehung lebt und einer geregelten Arbeit nachgeht, zeigte sich vor Gericht reumütig. Dennoch ist er mehrfach vorbestraft und hat insgesamt 15 Eintragungen unter anderem wegen Vermögensdelikten.

( mit dpa )