Gesundheit

Giffey schlägt Kulturticket als Impfanreiz vor

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dpa
Das Publikum applaudiert vor einer Aufführung des Berliner Ensembles.

Das Publikum applaudiert vor einer Aufführung des Berliner Ensembles.

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Es ist eine Art Wettlauf: Einerseits steigen die Corona-Zahlen, und die Delta-Variante greift um sich. Andererseits wird geimpft. Da hier das Tempo aber nachlässt, sind neue Ideen gefragt. Manche werden schon umgesetzt.

Berlin. Vor dem Hintergrund wieder steigender Corona-Zahlen schlägt Berlins SPD-Vorsitzende Franziska Giffey eine Art Kulturticket als Anreiz vor, um Menschen zu einer Impfung zu bewegen und gleichzeitig die Kultur- und Veranstaltungsbranche zu unterstützen. Ihre Idee: Wer sich impfen lässt, bekommt ein kostenloses Ticket etwa für eine Theatervorstellung, eine andere Veranstaltung, eine Schifffahrt auf der Spree oder ähnliches. Die Kosten dafür trägt die öffentliche Hand.

"Wir müssen die Leute zum Impfen kriegen und dafür unkonventionelle Wege gehen, die auch einen Anreiz schaffen", unterstrich Giffey im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur mit Blick auf die zuletzt stockende Impfkampagne. "Und wenn man solche Anreize schafft, dann sollten sie nicht nur für die einzelne Person, die geimpft wird, gut sein, sondern auch denen dienen, die besonders unter der Pandemie gelitten haben. Dazu gehört die Kultur- und die Veranstaltungsbranche, die jetzt zusätzliche Unterstützung braucht."

Unterdessen geht die Inzidenz in Berlin weiter nach oben: Laut den Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) von Donnerstagmorgen haben sich in den vergangenen sieben Tagen pro 100.000 Einwohner 22,6 Menschen neu mit dem Coronavirus infiziert. Innerhalb einer Woche hat sich der Wert damit verdoppelt, im Vergleich der Bundesländer ist es aktuell der höchste. Am Vortag lag die Inzidenz noch bei 21,8. Die entsprechende Corona-Ampel des Berliner Senats war damit wieder auf gelb gesprungen.

Die Berliner Ärztekammer und die Kassenärztliche Vereinigung Berlin appellierten an die Menschen in der Hauptstadt, sich impfen zu lassen. "Berlinerinnen und Berliner, die bisher noch kein Impfangebot in Anspruch genommen haben, sollten dies dringend tun", erklärten beide Standesorganisationen. "Bitte lassen Sie sich gegen Covid-19 impfen. Die Pandemie ist noch nicht vorbei." Die in Berlin erreichten Impfquoten von rund 47 Prozent bei den vollständig Geimpften und rund 59 Prozent bei den Erstimpfungen seien noch nicht ausreichend.

Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci teilte am Donnerstag mit, sie betrachte es als moralische Selbstverpflichtung eines jeden Berliners und einer jeden Berlinerin, zum Impfen zu gehen. Die SPD-Politikerin wies auf das breite Angebot an Impfmöglichkeiten hin - von den Impfzentren bis zu den Betriebsärzten. "Nie war es so einfach und schnell möglich, sich impfen zu lassen."

Bildungssenatorin Sandra Scheeres unterstrich erneut, dass sie am Präsenzunterricht im neuen Schuljahr, das am 9. August startet, festhalten will - und zwar für alle Jahrgänge. Der Infektionsschutz in den Schulen sei gut organisiert, sagte die SPD-Politikerin beim Besuch eines Oberstufenzentrums in Kreuzberg.

"Jeder Schüler wird zweimal die Woche getestet", zählt sie auf. Es gebe Luftfiltergeräte, ein Impfangebot für die Pädagoginnen und Pädagogen und weiter die Pflicht, Mund-Nasen-Bedeckung zu tragen. "Natürlich ist mein Ziel, in den Präsenzunterricht zu gehen", betonte Scheeres. "Ich werde zugeschüttet mit Briefen." Eltern schrieben ihr darin: "Bitte halten Sie am Präsenzunterricht fest. Das ist so wichtig für unsere Kinder."

Laut Corona-Lagebericht der Senatsgesundheitsverwaltung wurden 165 Neuinfektionen gemeldet. In der Statistik spiegelt sich das wegen einer Datenkorrektur im Bezirk Mitte jedoch nicht wieder: Sie führte zu einer Reduktion der Gesamtfallzahl. Die Zahl der Infizierten seit Beginn der Pandemie wird vom RKI mit 181 432 angegeben. Die meisten gelten inzwischen als genesen. Weitere Todesfälle gab es laut RKI innerhalb von 24 Stunden nicht. Insgesamt starben in Berlin bislang 3576 Infizierte an oder mit dem Virus.

Angesichts einer gewissen Impfmüdigkeit, die sich in einem Rückgang der wahrgenommenen Impftermine in Arztpraxen und Impfzentren manifestiert, setzt der Senat nun auf "kreatives Impfen" und niedrigschwellige Angebote. Gemeint sind etwa so genannte Pop-up-Impfaktionen in den Stadtteilen, wo die Leute ohne Termin und zum Teil auch unabhängig vom Wohnort hinkommen können.

Am (morgigen) Freitagnachmittag etwa sind in den Impfzentren in Tegel, auf dem Messegelände in Charlottenburg und im Erika-Heß- Eisstadion in Wedding "Spontan-Impfungen" ohne Terminvereinbarung möglich. Auch in den kommenden Wochen soll das immer freitags zwischen 14 und 17 Uhr möglich sein. Eingesetzt wird das Vakzin von Moderna.

Bereits am vergangenen Wochenende öffnete auf dem Parkplatz einer Ikea-Filiale in Berlin-Lichtenberg der erste Berliner Impf-Drive-in für Autofahrer. Es gibt auch einen Walk-in für Fußgänger. Weitere ähnliche Angebote sind in Planung.

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( dpa )