Corona

Großer Inzidenz-Sprung in Berlin: Warnung vor vierter Welle

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J. Hanack, L. Witte, S. Kollmann und J. Würzer
Corona-Pandemie: Vierte Welle ist zu erwarten

Corona-Pandemie: Vierte Welle ist zu erwarten

Aktuell kämpfen viele Länder erneut mit hohen Infektionszahlen. Auch Deutschland könnte im Herbst die vierte Welle erwarten. Berliner Modellierer arbeiten an einer Simulation zur Corona-Lage im Herbst.

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Die Hauptstadt liegt mit einem Wert von 22,6 bundesweit an der Spitze. Vor allem jüngere Menschen sind betroffen.

Berlin. Die Corona-Inzidenz in Berlin steigt weiter stark an – und bleibt deutlich über den Werten der anderen Bundesländer. Am Mittwoch hat die Sieben-Tage-Inzidenz in der Hauptstadt den 20er-Schwellenwert überschritten, sie beträgt nun 22,6, am Mittwoch lag sie bei 21,8, wie aus den Daten des Robert Koch-Instituts hervorgeht. Damit steht diese Corona-Ampel wieder auf gelb. Zum Vergleich: Der Bundesdurchschnitt beträgt 11,4, in Brandenburg ist der Wert sogar gesunken und liegt aktuell bei 3,8, nach 4,8 am Mittwoch.

Auffallend ist der schnelle Anstieg der Zahlen in Berlin. Der Wochentrend für die Ansteckungen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen zeigt ein Plus von 121 Prozent an. Dabei ist die Spanne zwischen den Bezirken groß: Die höchsten Inzidenzen haben diese Bezirke:

  • Friedrichshain-Kreuzberg (44,8)
  • Mitte (36,3)
  • Charlottenburg-Wilmersdorf (32,6).

Auch im bundesweiten Vergleich der Land- und Stadtkreise liegen Friedrichshain-Kreuzberg und Mitte vorn, auf Rang drei und vier. Deutlich weniger Infektionen werden dagegen zurzeit in Marzahn-Hellersdorf registriert, dort liegt die Sieben-Tage-Inzidenz lediglich bei 68,5.

Corona-Inzidenz in Berlin steigt: Große Sorge bei Verwaltung und Bezirken

Die Entwicklung wird in der Gesundheitsverwaltung wie in den Bezirken mit großer Sorge verfolgt. Ein Sprecher der Gesundheitsverwaltung erklärt die steigenden Zahlen vor allem mit der Delta-Variante des Coronavirus, die wesentlich infektiöser sei. Zuletzt gingen laut RKI rund drei Viertel der Ansteckungen in Berlin auf die Delta-Variante zurück. Aber auch Reiserückkehrer hätten zur steigenden Inzidenz beigetragen, so der Sprecher. Dass Berlin bundesweit an der Spitze liegt, sieht er in der hohen Bevölkerungsdichte begründet. Hier gebe es mehr Begegnungen auf engem Raum, das erhöhe das Infektionsrisiko. „Wir schieben deshalb das Pop-up-Impfen überall an, wo wir nur können.“

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Wie wichtig das Vorankommen bei der Impfkampagne ist, wird von allen betont – auch von Mittes Gesundheitsstadtrat Ephraim Gothe (SPD). Er hält die Situation in seinem Bezirk für alarmierend; innerhalb von zehn Tagen hätten sich die Zahlen nahezu verdoppelt. Gothe benennt ebenfalls Reiserückkehrer als eine Hauptursache für den Anstieg, aber es gebe auch Infektionen bei Veranstaltungen, die vor allem junge Menschen betreffen. Das trifft auf ganz Berlin zu: Die Inzidenzen für die Altersgruppen zwischen 15 und 39 Jahren liegen dem Lagebericht zufolge zwischen 32,9 und 74,7 und damit am höchsten.

Amtzarzt: „Wir befinden uns am Anfang der vierten Welle"

Deutliche Worte findet Reinickendorfs Amtsarzt Patrick Larscheid: „Wir befinden uns am Anfang der vierten Welle, das ist ganz klar, die Zahlen steigen exponentiell.“ Larscheid verweist ebenfalls auf Menschen zwischen 15 und 39 Jahren, die größtenteils noch nicht geimpft seien, aber auf Partys gingen. „Ich habe Verständnis, dass jeder wieder das normale Leben leben möchte, das man vor Corona hatte“, so der Amtsarzt, „aber das geht eben nicht ungeimpft.“

Auch Neuköllns Gesundheitsstadtrat Falko Liecke (CDU) bewertet die Tendenz der Infektionszahlen als besorgniserregend. Ursachen sieht er im Kontaktverhalten der Bevölkerung, das sich mit den Lockerungen klar verändert hat. „Wir registrieren derzeit im Schnitt fünf Kontakte pro Indexfall, während es vor wenigen Wochen sogar weniger als ein Kontakt war“, so Liecke. Eine Folge der zunehmenden Mobilität sei auch, dass die Infektionen in einer weniger gut kontrollierbaren Umgebung stattfänden, „bei sozialen Interaktionen vor und nach dem Restaurantbesuch, dem Museumsrundgang oder der Sportveranstaltung“.

Corona-Regeln in Berlin gelten zunächst weiter

In Berlin gelten die aktuellen Corona-Regelungen zunächst weiter. Der Senat hatte am Dienstag beschlossen, diese bis zum 20. August zu verlängern. Wenn nötig, könne aber schon vorher reagiert werden. „Der Senat kommt in zwei Wochen wieder zusammen, Veränderungen sind dann immer möglich“, sagte eine Senatssprecherin. Es reiche nicht, nur die Inzidenz zu betrachten. „Man ist vorsichtig, aber Berlin guckt auf mehr Parameter.“ Auf den Intensivstationen ist die Lage derzeit noch relativ entspannt. 3,3 Prozent der Intensivbetten sind mit Covid-19-Patienten belegt.