Corona in Belin

In Berlin gibt es jetzt Spontan-Impfungen ohne Termin

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Joachim Fahrun
Kanzlerin Merkel ruft erneut zum Impfen auf

Kanzlerin Merkel ruft erneut zum Impfen auf

„Je mehr geimpft sind, umso freier werden wir wieder sein – nicht nur als Einzelne, sondern eben auch als Gemeinschaft.“ Kanzlerin Merkel ruft erneut zum Impfen gegen COVID-19 auf.

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Um mehr Menschen zu erreichen, entfällt seit Freitag die Pflicht zur Terminbuchung. Berlin hat Impfstoff für 90 Prozent der Bevölkerung

Berlin. In Berlin wird es den Menschen weiter leichter gemacht, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Seit Freitag können Impfwillige ohne vorherige Terminbuchung drei Impfzentren aufsuchen, um sich dort mit dem Präparat Moderna gegen einen schweren Krankheitsverlauf schützen zu lassen.

Im Erika-Hess-Eisstadion in Wedding, am früheren Flughafen Tegel und am Messegelände in Charlottenburg ist seit dem 23. Juli täglich zwischen 14 und 17 Uhr ein spontaner Besuch zum Impfen möglich. „Das flexible und kreative Impfen in Berlin geht weiter“, sagte Gesundheitsstaatssekretär Martin Matz. Sonderaktionen wie das Impfen auf Parkplätzen von Möbelhäusern oder in einzelnen Stadtteilen sollen weiterlaufen. Allein bei Ikea in Lichtenberg wurden bisher mehr als 1400 Dosen verimpft.

Corona: Knapp 59 Prozent der Berliner sind mindestens einmal geimpft

Der Senat war sich in seiner Sitzung am Dienstag einig, dass die Impfbereitschaft der Bürgerinnen und Bürger angesichts wieder steigender Infektionszahlen vor allem unter jüngeren Menschen weiter erhöht werden muss. Bisher sind in der Stadt 2,16 Millionen Menschen mindestens einmal gegen Covid-19 geimpft worden, das sind knapp 59 Prozent der Bevölkerung.

1,6 Millionen Berlinerinnen und Berliner sind nach zwei Impfungen vollständig immunisiert. „Wir nehmen wahr, dass das Potenzial nicht voll ausgeschöpft wird“, sagte Stadtentwicklungssenator Sebastian Scheel (Linke), der nach der Sitzung für den Senat vor die Presse trat.

433 von 2,16 Millionen Personen erkrankten trotz Impfung, es gab auch Todesfälle

Scheel berichtete auch von wenigen „Impfdurchbrechern“, also Menschen, bei denen eine Corona-Infektion trotz Immunisierung einen schweren Verlauf nahm. 433 solcher Fälle gebe es in Berlin, dabei sei es auch zu einzelnen Todesfällen gekommen. Gleichwohl handele es sich um ein Problem, das „im Promillebereich“ auftrete, sagte Scheel.

Der Senat setze aufs Impfen und diskutiere darüber, wie positive Anreize geschaffen werden könnten, indem es etwa für Geimpfte einfacher werden solle, bestimmte Veranstaltungen zu besuchen. Bundesweit und in Berlin wird politisch darüber diskutiert, die für Impfunwillige geforderten Corona-Tests möglicherweise kostenpflichtig zu machen.

Verzicht auf Terminbuchung soll Hürden für Corona-Impfung weiter senken

Noch aber hofft die Landesregierung, über leichteren Zugang mehr Menschen zu erreichen. Offenbar sei für viele Menschen die bislang in den Impfzentren geforderte Terminvereinbarung „eine Hürde“. Impfstoffmangel, der die Impfkampagne in Berlin und andernorts lange bremste, ist jedenfalls kein Thema mehr in Berlin. „Wir könnten bis Ende September 90 Prozent der über Zwölfjährigen in Berlin durchimpfen“, berichtete Scheel.

Die Gesundheitsverwaltung erklärte, allein in den Berliner Impfzentren - nach der Schließung in Tempelhof gibt es noch fünf - seien bis Ende des Sommers noch 540.000 weitere Impfungen möglich. Als Flaschenhals bei Sonder-Impfaktionen hatte sich zuletzt der Bedarf an Personal erwiesen, das die Daten der Impfkandidaten aufnehmen und die Impfung dokumentieren kann. Einige Bezirke hatten Schwierigkeiten, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für diese Zusatzaufgabe zu gewinnen. In den Impfzentren gibt es diese Probleme nicht, so das Kalkül, denn die sind ohnehin gut besetzt und nicht ausgelastet.

Berlins Senat verlängert die Corona-Regeln zunächst bis 20. August

Wie viel Impfstoff die Arztpraxen bestellt oder im Vorrat haben, kann die Gesundheitsverwaltung nicht sagen. Die Kassenärztliche Vereinigung spricht von 1,41 Millionen Dosen, die seit März in den Praxen gespritzt worden seien. Zuletzt erhielten bei den niedergelassenen Medizinern je nach Wochentag zwischen knapp 10.000 und knapp 30.000 Menschen ihren Pieks, in Hochzeiten vor den Sommerferien waren es auch schon mal mehr als 40.000 pro Tag.

Trotz der zuletzt Richtung 20 steigenden Inzidenzwerte in Berlin will der Senat aber nichts an den geltenden Corona-Regeln verändern. Die Corona-Verordnung wurde am Dienstag bis zum 20. August verlängert. Bis dahin solle es keine weiteren Lockerungen oder Verschärfungen geben“, sagte Scheel: „Wir fahren auf Sicht.“


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