Israel

Eine fröhliche Reise nach Deutschland

| Lesedauer: 3 Minuten
Susanne Leinemann
Die Außenwand der Synagoge im Bildungszentrum Chabad zeigt die Klagemauer. Davor stehen Familienministerin Christine Lambrecht, die vom  Rabbiner Yehuda Teichtal empfangen wird.

Die Außenwand der Synagoge im Bildungszentrum Chabad zeigt die Klagemauer. Davor stehen Familienministerin Christine Lambrecht, die vom Rabbiner Yehuda Teichtal empfangen wird.

Foto: Sergej Glanze / FUNKE Foto Services

50 Jugendliche aus Israel besuchen Deutschland – es soll ihnen ein Stück Freude zurückbringen.

Berlin. Ganz normale Zwölfjährige, sie stupsen sich an, giggeln ein bisschen, selbst beim Gebet. Es ist ja auch aufregend, zum ersten Mal in Deutschland – und dann noch so ein großer Bahnhof. Viele Rabbiner sind gekommen, darunter natürlich auch der Hausherr des Bildungszentrums Chabad in Wilmersdorf, Rabbi Yehuda Teichtal. Dann noch die Bundesfamilienministerin: Christine Lambrecht (SPD). Dazu Presse, mehrere Fotografen, sogar ein Kamerateam. Alles sehr aufregend. Doch der Psalm 20 von König David ertönt von den 16 Jungen in einem kräftigen hebräischen Sing-Sang. Es kommt von Herzen. Gebetet wird für Opfer der heftigen Regenfälle und Sturzbäche in Deutschland in den letzten Tagen.

Gebetet haben diese Jungen viel in den letzten Monaten – und viel mit anderen Menschen in Luftschutzkellern zusammen. In ihrer Heimat in Israel, als die Raketen der Hamas auf ihre Städte niedergingen. Sie stammen aus Orten, die vielen hier nicht vertraut sind, wie Hadera. Nicht aus Tel Aviv oder Jerusalem. „200 Meter entfernt schlug eine Rakete ein“, berichtet ein Junge. 200 Meter, das muss man sich vorstellen, wie kurz der Abstand ist. „Das war eine sehr beängstigende Zeit. Aber wir haben uns Gott anvertraut.“

„Ich kenne nur den Frieden“, sagt Bundesfamilienministerin Lambrecht

Gott anvertrauen, beten, gemeinsam beten in den Bunkern – ein Junge nach dem anderen erzählt davon. Familienministerin Lambrecht ist beeindruckt. „Ich kenne nur den Frieden“, sagt die 56-Jährige. Und dann den Satz: „Ich weiß nicht, ob ich die Stärke hätte, in so einem Moment Gott zu vertrauen.“ Woher die Kinder diese Kraft nähmen? Für die Zwölfjährigen aber, bei denen die Gebetsfäden unter dem T-Shirt hervorlugen, ist das ganz selbstverständlich.

Deutschland – hier sollen sich die Kinder nun erholen. Die Zwölfjährigen sind schon da, am Abend landen in Berlin noch die 14-Jährigen, danach die anderen. Am Ende werden es 50 Kinder und Jugendliche sein. Nur Jungen, die Mädchen sollen in einer zweiten Reise folgen, erzählt Avraham Wolf, Oberrabbiner aus Odessa, der alles mit möglich machte. Hannover steht auf dem Reiseprogramm, auch Hamburg. Klettern. Ausflüge. Auch Jüdisches Leben in Deutschland kennenlernen. Alles finanziert von Ruslan Goryukhin, einem Manager, der ehemals in Odessa lebte und heute mit seiner Frau in der Schweiz. Fünf Kinder hat er, erzählt er. „Davon vier kleine Mädchen“, sagt er lachend auf Russisch. Ihm liegen Kinder am Herzen; und diese Kinder hier haben schon zu viel Härte im Leben gesehen.

Vor 25 Jahren kam der Rabbi mit seiner Frau nach Deutschland

„Wir wollen in Deutschland ein positives Zeichen setzen“, sagt Rabbiner Teichtal beherzt; ein Deutschland, das willkommen heißt. Ein Deutschland der offenen Arme. Vor 25 Jahren kam er mit seiner Frau Leah in dieses Land, mit einem One-Way-Ticket. Gekommen, um zu bleiben. Bundesministerin Lambrecht ist beeindruckt. „Liebe Kinder“, sagt sie, „willkommen in Deutschland.“

Und die Jungs lächeln sie an, stupsen sich gegenseitig und flüstern ab und zu miteinander. Ganz normale Jungen eben, mit einem großen Herzen und einem großen Glauben. Gute Reise!