Zivilcourage

Berliner Lebensretter erhält eine Auszeichnung

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Felix K. rettete seinem Nachbarn das Leben, der einem lebensgefährlichen Angriff ausgesetzt war.

Felix K. rettete seinem Nachbarn das Leben, der einem lebensgefährlichen Angriff ausgesetzt war.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE Foto Services

Felix K. verhinderte, dass sein Nachbar mit einem Hammer totgeschlagen wurde. Dafür wurde der 31-Jährige nun für den XY-Preis nominiert.

Berlin. Noch sehr genau erinnert sich Felix K. an den Abend des 11. November 2019. Denn es war der Tag, an dem er einem anderen Menschen das Leben rettete. Die Berliner Polizei war sich sicher – wäre der heute 31-Jährige nicht eingeschritten, wäre sein Nachbar totgeschlagen worden. Dafür ist der Berliner K. vom Landeskriminalamt für den „XY-Preis für Zivilcourage“ der „ZDF“-Sendung „Aktenzeichen XY ungelöst“ nominiert worden. Am Mittwoch stellt Moderator Rudi Cerne den Fall vor.

Damals saß Felix K. nichts ahnend in seinem WG-Zimmer in Gesundbrunnen, schrieb an seiner Masterarbeit und freute sich auf seinen 30. Geburtstag am nächsten Tag. Plötzlich hörte er laute Geräusche aus dem Hausflur. „Im ersten Moment dachte ich, da zieht jemand um und irgendwas ist runtergefallen“, erzählt der heute 31-Jährige der Berliner Morgenpost. Aber dann sei da auf einmal ein Schmerzensschrei gewesen. Weil er gedacht habe, dass einer seiner betagten Nachbarn vielleicht gestürzt ist, sei vor die Tür getreten. Dort sah er, wie ein Mann mit einem Hammer auf einen anderen einschlug.

„Am Anfang habe ich die Situation noch nicht erkannt, dann habe ich nach dem Hammer gegriffen“, so K. weiter. Während er den Täter zum Aufhören bewegen wollte, kroch das Opfer, bei dem es sich um K.’s Nachbarn gehandelt hat, in die Wohnung und dann ins Zimmer des Studenten. „Dann hat der Angreifer gesagt, dass er eine Waffe hätte und ich mich raushalten solle. Ich hab losgelassen und er ist meinem Nachbarn gefolgt, wo er weiter auf ihn eingeschlagen hat.“ Das Opfer verlor bei einem Schlag gegen den Kiefer mehrere Zähne, bevor K. den Hammer erneut greifen und den Angreifer schließlich verscheuchen konnte.

Angreifer wurde in psychische Klinik eingewiesen

Der Täter wurde drei Tage später festgenommen. Bei ihm wurden weder der Hammer noch eine Waffe gefunden. Warum es zu der Attacke gekommen ist, konnte auch im Gerichtsprozess nicht geklärt werden. Es gebe Gerüchte, die im Haus die Runde machen würden, dass beide Männer einmal ein Paar gewesen seien oder zumindest eine Affäre gehabt hätten und der Angreifer aus enttäuschter Liebe gehandelt hat, sagt K. Was dran ist, wisse er nicht.

Der Angreifer soll sich bereits vorher häufiger im Haus aufgehalten haben und wurde vor einem Jahr auf Geheiß des Berliner Landgerichts in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht. „Ich bin kein Psychiater oder Psychologe, aber er wirkte nicht so, als würde er im Affekt handeln“, erinnert sich K. Er habe in seiner Absicht vielmehr sehr zielstrebig gewirkt.

Nachdem der Angreifer verschwand, kümmerte sich K. notdürftig um den Verletzten, versorgte seine stark blutenden Wunden und rief die Polizei. Dass es sich dabei um seinen Nachbarn gehandelt hat, wurde ihm erst deutlich später klar. „Er war in einem so üblen Zustand, dass ich ihn nicht erkannt habe.“ Da überall Scherben gewesen seien und der Verletzte stark nach Alkohol gerochen habe, habe er zuerst gedacht, dass es ein Obdachloser gewesen sei.

Felix K.: Hätte nicht gedacht, dass mein Nachbar überlebt

Tatsächlich wollte der Nachbar gerade seine Pfandflaschen wegbringen, als er die Treppe runtergestoßen wurde und auf der Tüte mit dem Leergut landete, dass dadurch zerbrach. Er hätte nicht gedacht, dass sein Nachbar die Attacke überleben, dass ein Kopf das aushalten könne. Der Nachbar sei mittlerweile aber wieder vollständig genesen.

Der ganze Vorfall habe lediglich wenige Minuten gedauert, sagt K. Angst oder großartig Zeit zum Nachdenken habe er nicht gehabt – er habe handeln müssen. „Ich musste verhindern, dass der eine den anderen in meinem Zimmer totschlägt.“ Am meisten habe ihn erschrocken, dass keiner der anderen Nachbarn geholfen habe – weder dem Opfer noch ihm selbst. „Das Ganze ist drei Etagen über meiner Wohnung gestartet, aber niemand ist eingeschritten.“

K. wurde bereits durch die Berliner Polizei ausgezeichnet

Felix K., der sein Studium der Informationstechnik im Maschinenwesen an der Technischen Universität Berlin mittlerweile beendet hat und nun dort als Wissenschaftlicher Mitarbeiter arbeitet, wurde bereits im vergangenen Jahr von der Berliner Polizei für sein Engagement ausgezeichnet und erhielt ein Preisgeld von 1000 Euro. Der ermittelnde Beamte beim LKA schlug ihn schließlich für den XY-Preis vor.

Am Mittwochabend um 20.15 Uhr wird Felix K.’s Fall als bislang vierter in diesem Wettbewerb mit nachgestellten Einspielfilmen vorgestellt. Dort werde die ganze Situation aber wegen der frühen Sendezeit deutlich weniger brutal dargestellt, als es tatsächlich war, sagt K. Nachdem die Spurensicherung damals abzog, hätte er über Stunden mit seinem Mitbewohner das Blut wegputzen müssen.

Preis mit dreimal jeweils 10.000 Euro dotiert

Der Preis für Zivilcourage ist mit dreimal jeweils 10.000 Euro dotiert und wurde 2002 ins Leben gerufen. Er steht unter der Schirmherrschaft des Bundesinnenministeriums. Die Preise werden dann zum Ende des Jahres verliehen.