Blutspenden in Berlin

Aufruf zur Blutspende: DRK hat nur Reserven für einen Tag

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Jan-Henrik Hnida
Blutspende in einem Blutspendezentrum

Blutspende in einem Blutspendezentrum

Foto: Kerstin Bögeholz / FUNKE FotoServices

Mehr OPs und weniger Spender: Die Reserven des DRK-Blutspendedienstes Nord-Ost halten zurzeit nur noch einen Tag - statt fünf.

Berlin. Die Versorgungslage durch Blutspenden ist aus Sicht vom Deutschen Roten Kreuz (DRK) Nord-Ost „äußerst angespannt“. Die Gründe dafür sind vielfältig: Das anhaltend warme Sommerwetter sorge für eine geringere Spendenbereitschaft, Stamm-Spender seien verreist – und die Kliniken seien alle wieder in den Regelbetrieb zurückgekehrt.

„Alle verschobenen Operationen und Behandlungen, die während des Lockdowns nicht möglich waren, werden jetzt nachgeholt“, sagt Sprecherin Kerstin Schweiger gegenüber der Berliner Morgenpost am Dienstag. Diese neuartige, drastische Situation sei sehr durch die Corona-Pandemie bedingt. Und gerade in Ballungszentren wie Berlin, mit vielen spezialisierten Kliniken, sei der Bedarf höher, als in ländlichen Gebieten Brandenburgs.

Blut-Präparate sind in Kliniken innerhalb von Stunden aufgebraucht

Innerhalb von Stunden seien derzeit die Präparate aus der Kühlzelle der Kliniken verbraucht. „Niemand hat einen Vorrat an Blutkonserven für zwei, drei, vier oder fünf Tage“, erläutert die Pressesprecherin — sondern nur noch für einen. Sogar der Notvorrat, zum Beispiel für einen großen Unfall mit vielen Verletzten, gehe zurzeit zu Ende. Das DRK und die Kliniken leben „von der Hand in den Mund“, bringt Schweiger die Lage auf den Punkt.

Der Bedarf an Blutkonserven liegt dem DRK zufolge 25 Prozent über dem Normalniveau von etwa 600 Blutspenden pro Werktag. Dieses Defizit könne man nicht so schnell wieder auffangen. Auch nicht durch Sondertermine, wie Spendenaktionen, und zusätzliches Personal.

Ein weiterer Knackpunkt ist die kurze Haltbarkeit der Blutpräparate. Aus jedem halben Liter Blut werden drei lebensrettende Präparate gewonnen — aus den roten Blutkörperchen, dem flüssigen Anteil und den Blutplättchen. Die roten Blutkörperchen sind nur fünf Tage haltbar. Sie werden beispielsweise in der Krebstherapie eingesetzt.

In den kommenden Wochen gibt es noch freie Termine

„Wenn bei diesem Präparat jetzt weniger gespendet wird als geplant, würde sich das sofort in der kommenden Woche niederschlagen“, sagt Schweiger. Blutkonserven sind dagegen zwar fünf Wochen haltbar. Für die sechseinhalb Wochen langen Sommerferien reicht das aber nicht aus. Und keine Blutkonserve erreiche eine Verweildauer von fünf Wochen.

Am Lichtenberger Sana Klinikum ist die Situation glücklicherweise noch nicht dramatisch. „Zum gegenwärtigen Zeitpunkt müssen am Sana Klinikum Lichtenberg keine planbaren Operationen, für die Blutkonserven bereitgehalten werden, verschoben werden“, so André Puchta, Sprecher des Klinikums. Man rufe jedoch eindringlich zur verstärkten Blutspende auf.

„Es wäre toll, vor dem Urlaub noch eine Blutspende zu leisten“, sagt die DRK-Sprecherin. Nur wenn alle Zeitfenster für die Blutspenden-Termine gebucht werden und die Menschen wirklich kommen, dann bestehe die Chance, dass der Sommer ohne Engpässe und Lücken verläuft. In den kommenden Wochen gibt es noch freie Spenden-Termine.

Termine zum Blutspenden sind auf der DRK-Internetseite zu finden.