Prozess in Berlin

Dreijährige Tochter getötet: Vater gesteht vor Gericht

| Lesedauer: 4 Minuten
Lea Hensen und Sibylle Haberstumpf
Totes Kind in Wohnung in Berlin entdeckt

Totes Kind in Wohnung in Berlin entdeckt

In einem Mehrfamilienhaus in Treptow ist am Mittwoch ein totes Kind entdeckt worden. Es handelt sich um ein drei Jahre altes Mädchen. Die Mordkommission ermittelt. Ein Mann hat sich der Polizei gestellt.

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Der 31-Jährige tötete die eigene Tochter mit einem Hackmesser. Das Motiv: Rache an seiner Frau, die sich von ihm getrennt hatte.

Berlin. Angeblich galt er als liebevoller Vater. Am Dienstag hat am Landgericht Berlin der Prozess in einem besonders erschütternden Fall begonnen. Angeklagt ist ein 31-Jähriger, der im November 2020 in Treptow-Köpenick seine dreijährige Tochter grausam ermordet und beim Sterben gefilmt haben soll. Der Mann hat die Tat zum Prozessauftakt gestanden: Er habe seine Frau bestrafen wollen, die ihn kurz zuvor verlassen hatte. Staatsanwalt Philipp Hujo sagte: „Die Tat hat erfahrene Ermittler schockiert.“

Tomasz S. stammt aus Polen, übte in der Vergangenheit Jobs als Autopolierer aus, und ist nicht vorbestraft. Er soll dem spielenden Mädchen am 4. November 2020 im Wohnhaus seiner Mutter in Plänterwald von hinten mit einem Schnittbeil in den Nacken geschlagen und ihm anschließend weitere Schnitte zugefügt haben.

Zwischendurch habe er die Verletzte mit seinem Handy gefilmt. Auf zwei kurzen Aufnahmen sei zu hören, wie er mit dem Mädchen sprach, das ihn – so die Anklage – „mit großen Augen und weinend anschaute“. Der Angeklagte soll dem Kind erklärt haben, dass „es wegen der Mutter sei“, die ihn zuvor per Whatsapp verließ. „Wir müssen jetzt beide gehen“, soll er gesagt haben.

Plänterwald: Tochter getötet - Angeklagter behauptete, überfallen worden zu sein

Das Kind starb laut Anklage in Folge der Blutungen und einer geöffneten Luftröhre. Die Mutter des Angeklagten fand es später tot auf. Tomasz S. soll nach der Tat versucht haben, sich an einer Türklinke zu erhängen und sich zu ritzen, scheiterte jedoch.

Vor Gericht erklärte Tomasz S., er sei nach der Tat im Park herumgeirrt. Dann habe er sich zur Polizeiwache begeben. Dort soll er laut Staatsanwalt ausgesagt haben, er und seine Tochter seien von einem „ausländischen Fremden“ überfallen worden. Der Täter hätte versucht, ihn zu fesseln.

Der Angeklagte erklärte, er habe nie gedacht, so eine große Schuld auf sich nehmen zu können. Er habe seine Familie sehr geliebt, sich aber von seiner Frau abgewiesen gefühlt. Kurz vor der Tat habe er sich für einen gut bezahlten Job in Norwegen aufgehalten. Als sie ihn verließ, sei er fassungslos gewesen. „Ich wollte meine Tochter vor der Mutter beschützen, die sie immer wieder verlassen würde“, so der Angeklagte.

Laut Staatsanwaltschaft haben sich Tomasz S. und seine 15 Jahre ältere Frau in Polen kennengelernt. 2018 haben sie in Schwedt geheiratet. In der Vergangenheit soll S. bereits gedroht haben, seine Frau und das Mädchen umzubringen. Er soll mehrfach gewalttätig gewesen sein. Gleichzeitig sei die Beziehung zum Kind als liebevoll beschrieben worden.

„Heimtückisch, grausam, aus niederen Beweggründen“

Staatsanwalt Philipp Hujo bezeichnete die Tat des 31-Jährigen als „heimtückisch, grausam und aus niederen Beweggründen“. Das Mädchen habe sich „keines Angriffs versehen“ und noch sterbend mit dem Vater kommuniziert. „Die Anklage stützt sich auf die Annahme, dass die Tat länger dauerte, das Mädchen also besondere Qualen erlitten hat“, sagte Hujo.

Der Vater habe das wehrlose Kind als Objekt missbraucht, um sich aus Eifersucht an der Mutter zu rächen. Hujo sagte, eine psychiatrische Vorerkrankung des Angeklagten sei nicht festgestellt worden. Auch sei der Mann nicht unter Einfluss von Drogen gewesen. Die Tatwaffe sei nicht aufgefunden worden. Das Gericht nimmt deshalb eine „besondere Schwere der Schuld“ an. Dem Angeklagten droht somit eine lebenslange Haftstrafe.

Der Prozess wird am Donnerstag, 10. Juni, mit der Anhörung der Gerichtsmediziner fortgesetzt. Im weiteren Verlauf wird auch die Mutter des ermordeten Kindes aussagen.