Impfung

Nach dem Vakzin-Piks kommt der Kunstgenuss

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Dennis Meischen
Hermann Parzinger, Präsident Stiftung Preußischer Kulturbesitz, mit Gesundheitssenatorin Kalayci (SPD), vor dem Impfzentrum in Tegel.

Hermann Parzinger, Präsident Stiftung Preußischer Kulturbesitz, mit Gesundheitssenatorin Kalayci (SPD), vor dem Impfzentrum in Tegel.

Foto: dpa

Großformatige Reproduktionen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz hängen jetzt in den Berliner Impfzentren.

Berlin. Einige Menschen schauen ins Leere, einige wenige lesen Zeitung. Die meisten aber spielen mit ihren Handys, während sie auf weit auseinander stehenden Stühlen abwarten, ob die höchst seltenen Nebenwirkungen nach der Impfung bei ihnen nun auftreten oder eben nicht. Am Freitag herrschte eine interessante Mischung aus Anspannung und Freude im Nachbeobachtungsraum des Impfzentrums im Terminal C des ehemaligen Flughafen Tegel.

Nun haben die frisch Geimpften noch eine weitere Möglichkeit, sich nach ihrem Piks gegen Corona die Viertelstunde Wartezeit zu vertreiben – und eine sehr kulturelle noch dazu. Fünf großformatige Reproduktionen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) wurden hier am Freitag der Öffentlichkeit übergeben und sollen den unmittelbaren Zusammenhang zwischen der Wirkung entfaltenden Impfkampagne und der dadurch wieder möglich gemachten Öffnung kultureller Einrichtungen herstellen. Nicht nur hier in Tegel, sondern in allen sechs Impfzentren Berlins werden die fünf Motive hängen. „Eine großartige Idee“, fand die anwesende Gesundheitssenatorin Dilek Kalacyi (SPD), „es unterstreicht die Zentren noch einmal als Stationen der Hoffnung. Auch ich persönlich musste durch die Pandemie viel zu lange auf Kunst und Kultur verzichten.“ Die Motive der zwei mal ein Meter großen Plakate an den Wänden des Nachbeobachtungsraums zeigen dabei Werke aus der Gemäldegalerie, dem Pergamonmuseum, der Alten Nationalgalerie und dem Neuen Museum. Sie sind mit augenzwinkernden Bezügen zur digitalen Alltagswelt versehen, so etwa ein Löwe vom Ischtartor mit dem Hashtag #catcontent in Anspielung auf die im Internet beliebten Katzen-Videos. Oder #aluhut mit dem berühmten Berliner Goldhut als Antwort auf die im Netz besonders starken Verschwörungstheoretiker. Oder die „Fischer von Sorrent“ mit #travelgram für das in der Corona-Pandemie gewachsene Fernweh.

„Uns war es wichtig, mit diesen humorvollen Stichpunkten aus den sozialen Medien zu spielen und zu zeigen, dass Kultur und vor allem Museen nicht immer schwer und ernst sein müssen“, sagte Hermann Parzinger, Präsident des SPK. „Witz und Kultur sind wichtig für die Seele und den Ausgleich in dieser Zeit“, ergänzte Kalacyi.

Viel gesehen werden die Werke in Zukunft in jedem Fall – rund 4000 Menschen werden immerhin allein in Tegel pro Tag geimpft. „Wir sind der Politik dankbar, dass sie uns bei ihren Entscheidungen immer im Blick hatte“, betonte derweil Michael Eissenhauer, Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin: „Wie im in unserer Kampagne auch dargestellten Wandgemälde ‚Das Paradies‘ von Jan Brueghel dem Älteren blicken wir einer guten Zeit entgegen“.

Auch der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes Berlin, Mario Czaja (CDU), ließ es sich nicht nehmen, auf die enge Verzahnung von Impfkampagne und Kultur hinzuweisen: „Viele Mitarbeiter der Impfzentren stammen ursprünglich aus dem kulturellen Bereich“, so Czaja.