Zuversicht

Berliner Händler hoffen auf einfachere Zeiten

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Julia Lehmann, Dennis Meischen und Christine Richter
Die Kundinnen kehren zurück: Anja Essner blickt in ihrem Laden „Finns“ optimistisch in die Zukunft.

Die Kundinnen kehren zurück: Anja Essner blickt in ihrem Laden „Finns“ optimistisch in die Zukunft.

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE Foto Services

Die Funke Mediengruppe, zu der auch die Berliner Morgenpost gehört, startet eine Zuversichts-Kampagne.

Berlin. Endlich: Am kommenden Freitag können die Berliner Einzelhändler ihre Kunden wieder ohne den Nachweis eines negativen Corona-Tests in ihre Läden lassen. „Das ist überfällig“, sagte der Geschäftsführer des Handelsverbands Berlin-Brandenburg (HBB), Nils Busch-Petersen, am Montag. Angesichts der sinkenden Inzidenzzahlen sei es dringend erforderlich, den Besuch der Läden wieder zu erleichtern, die Testpflicht halte noch viele Berlinerinnen und Berliner vom Einkaufen ab.

Hinter dem Handel liegen schwierige Monate. Wochenlang waren die Geschäfte ganz geschlossen, nur Lebensmittelhändler, Supermärkte, Drogerien und in Berlin auch Buchläden durften öffnen. Einigen Geschäftsinhabern ging über den monatelangen Lockdown das Geld aus, und sie mussten ihr Geschäft aufgeben. Um den Einzelhandel nach dieser schwierigen Zeit zu unterstützen, startet die Funke Mediengruppe, zu der auch die Berliner Morgenpost gehört, eine Zuversichts-Kampagne für mehr Optimismus und Gemeinsinn. Sponsoren wie die Immobiliengruppe Groth, der Projektentwickler Bauwert und die Wohnungsbaugesellschaft Mitte beteiligen sich schon an dem Projekt. Und helfen damit den Berliner Einzelhändlern, Kulturveranstaltern oder auch den Gastronomen und Hoteliers, die in den vergangenen Monaten keine Gäste empfangen konnten.

Für Katrin Germershausen, Goldschmiedin in Spandau, ist die Lage noch nicht optimal, die Umsätze derzeit bei Weitem nicht so hoch wie vor der Pandemie. Doch die 62-Jährige blickt stets zuversichtlich in die Zukunft – allein schon aufgrund ihrer bewegten Familiengeschichte. „Ich führe das Juweliergeschäft Brose in der vierten Generation, uns gibt es schon seit 132 Jahren hier in der Altstadt“, sagt Kartin Germershausen entschlossen. „Meine Vorfahren mussten doch mit ganz anderen Katastrophen fertig werden.“ Nach zwei Weltkriegen habe man beispielsweise immer wieder den Mut gefunden, das Zerstörte neu aufzubauen. „Warum also sollte es jetzt nicht auch weitergehen? Hauptsache, möglichst viele sind gesund geblieben“, sagt die Spandauerin.

Die fünfte Generation steht schon bereit

Mit ihrer Tochter stünde immerhin bereits die fünfte Generation bereit, irgendwann einmal Laden und Werkstatt zu übernehmen. Dabei merkt Katrin Germershausen schon jetzt, dass sich etwas im Verhalten der Menschen getan hat: „Ich spüre einen positiven Trend.“ Die Leute bekämen spürbar wieder Lust, einzukaufen und rauszugehen. „Nicht nur zum Essen“, so Katrin Germershausen, „sondern auch, um schöne Dinge, Uhren oder Trauringe zu erwerben.“ Trotz nach wie vor bestehender Kurzarbeit und der unsicheren Zukunft ist Germershausen daher eins klar: „Wenn wir uns alle weiter gemeinsam an die Corona-Regeln halten, dann schaffen wir es auch, gemeinsam wieder aus dieser Corona-Pandemie herauszukommen.“

Auch Anja Essner aus Charlottenburg ist optimistisch. Als bei der 59-Jährigen die Ladentüren erstmals nach langer Schließung wieder aufgingen, musste sie nicht lange auf ihre Stammkundinnen warten. „Man merkt, dass die Menschen die Nase voll davon haben, nicht einfach überall hingehen zu können“, sagt Anja Essner, die an der Bleibtreustraße 47 die Damenboutique „Finns“ führt. Zuerst mit „Click & Collect“, dann später mit „Click & Meet“ kehrten die Kundinnen wieder in ihr kleines Geschäft zurück. Während der kompletten Schließung bot sie ihr Sortiment erstmalig in einem Online-Shop an. Dass Anja Essner so sogar zu neuen Kundinnen aus der ganzen Welt kam, habe ihr Hoffnung gemacht. Hoffnung, die sie an ihre Kundinnen weitergibt, Mails und Briefe schreibt, um auf Neuigkeiten aus ihrer Boutique hinzuweisen. „Ich bin ein zuversichtlicher Mensch und immer positiv.“ So sei sie bisher gut durch die Corona-Krise gekommen und wolle daran festhalten.

Eine Marketing-Kampagne für Berlin setzt Zeichen

Verbandsgeschäftsführer Busch-Petersen kennt viele solcher Einzelhändler in Berlin, die sich nicht unterkriegen lassen. Mit Blick auf die bevorstehenden Lockerungen ab kommenden Freitag empfiehlt der Handelsverband Berlin-Brandenburg seinen Mitgliedern, die Teststellen, die es im Handel gibt, fortzuführen. „Wir wollen damit auch ein Zeichen setzen, damit sich die Menschen weiterhin testen lassen“, sagte Busch-Petersen am Montag. So gibt es etwa an Möbelhäusern in Berlin und Brandenburg oder auch an Einkaufszentren eigene Teststationen. Viele wollten diese auch weiterhin betreiben, so Busch-Petersen.

Der Geschäftsführer des Handelsverbandes wirbt auch für eine starke Berlin-Kampagne. „Wir denken nicht nur an den Handel, sondern auch an die anderen Player wie Kultur, Gastronomie, Hotellerie“, betonte Busch-Petersen. Man müsse die Stadt „wieder hochfahren“, man müsse um Gäste werben, denn davon lebe Berlin. „Wir wollen, dass die Stadt wieder aufsteht“, sagte Busch-Petersen. Einen Wunsch, den viele Menschen in Berlin teilen.