Corona

Ohne Test kein Bier

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Andreas Gandzior und Lea Hensen
Gastronomie in den Zeiten von Corona , fotografiert am 29. Mai 2021 in Berlin Biergarten Zollpackhof, Einlasskontrolle. Gäste werden am Eingang kontrolliert. Foto: Maurizio Gambarini/Funke Foto Services

Gastronomie in den Zeiten von Corona , fotografiert am 29. Mai 2021 in Berlin Biergarten Zollpackhof, Einlasskontrolle. Gäste werden am Eingang kontrolliert. Foto: Maurizio Gambarini/Funke Foto Services

Foto: Maurizio Gambarini / FUNKE Foto Services

Am zweiten Wochenende nach der Öffnung der Außengastronomie sinkt das Verständnis der Gäste für die Auflagen.

Berlin .  Am zweiten Sonnabend seit der Wiedereröffnung der Außengastronomie sind die Biergärten und Außenflächen der Berliner Cafés und Restaurants gut besucht. Die Wirte sind gemäß der aktuellen Corona-Regeln dazu angehalten, nur Gäste zu bedienen, die ein tagesaktuelles negatives Corona-Testergebnis oder eine Bescheinigung über Genesung oder zweifache Impfung vorweisen können. Zuletzt hatte es mehrere Hinweise gewesen, dass nicht alle Gastronomen dieser Auflage nachkommen. Die Berliner Morgenpost hat den Test gemacht.

Das Ergebnis: Tatsächlich erinnern viele Biergärten hereinkommende Gäste bereits am Eingang an die Testpflicht. So war beim Café am Neuen See ohne Negativ-Test kein Durchkommen. Stattdessen verweist Mitarbeiterin des Biergartens im Tiergarten freundlich aber bestimmt auf das Testzentrum, das sich nebenan befindet. „Die meisten Gäste kommen und zeigen von alleine, dass sie negativ getestet wurden“, sagt sie.

Viele Gäste lassen sich bereitwillig überprüfen

Auch in der beliebten Ausfluggastronomie am Wannsee, dem „Loretta am Wannsee“, gibt es weder Eintritt noch frisch Gezapftes ohne Test, Impfpass oder Nachweis einer nachgewiesenen Genesung. Der Gang über die Kieselsteine zu den Tischen bleibt verwehrt. „Sie können gern einen Covid-Test direkt gegenüber machen“, sagt eine Mitarbeiterin am Einlass. „Negativ, dann in 15 Minuten ein Bier“, so die Frau und zeigt auf die mobile Teststation. Vorab hält sie den Impfpass des Gastes in der Hand und rechnet die 14-tägige Frist nach der zweiten Impfung aus.

„Wir legen Wert darauf, dass alle Regeln eingehalten werden“, sagt Loretta-Inhaber Steffen Kirchner. „Am ersten Tag der Saison musste ich schätzungsweise 25 Prozent der Gäste wieder wegschicken.“ Die Gäste, überwiegend Fahrradfahrer, die am Sonnabend den Weg an den Wannsee gefunden haben, nehmen den Nasenpieker gern in Kauf. „Dit is doch keene Rückenmarktransplantation“, sagt Olaf Seibold. Er hat gerade 17 Kilometer Radtour hinter sich und wie er sagt, „stechenden Durst“. „Wattestäbchen in die Nase, umrühren und dann ein kaltes Bier.“

„3-G-Prinzip - geimpft, getestet, genesen“

Auch am „Zollpackhof“ in Mitte gibt es keinen Einlass ohne Test. Vor dem hauseigenen Testzentrum bildet sich eine lange Warteschlange. „Klare Regeln“ , sagt Restaurantführer Maik Krage. „Wir arbeiten nach dem 3-G-Prinzip. Geimpft, getestet, genesen. Das handhaben wir sehr streng und auch ohne Ausnahmen.“ Alle Mitarbeiter hätten eine Schulung erhalten und sind angehalten, sich täglich, spätestens aber alle zwei Tage testen zu lassen. „Da gibt es keine Diskussionen, denn das bedeutet Sicherheit für alle.“

Im „Thomas-Eck“ am Karl-August-Platz in Charlottenburg wird am Tisch kontrolliert. Impfpass raus, Frist nachgerechnet. „Tut mir leid, aber du kannst erst am kommenden Sonnabend die Kohlroulade essen“, wird der Gast charmant, aber resolut auf die Bestimmungen hingewiesen. „Nen bisschen hungern schadet dir aber nicht“ sagt sie und zeigte auf die im Homeoffice angewachsene „Corona-Kugel“ rund um den Bauchnabel. Recht hat sie.

In einem anderen Biergarten an der Spree in Charlottenburg berichtet der Restaurantleiter von seinen Erfahrungen. „Zum Saisonstart vor einer Woche hatten die Gäste deutlich mehr Verständnis und waren sehr diszipliniert. Jetzt müssen wir immer häufiger diskutieren und die Gäste kommen mit Halbwahrheiten, dass ja jetzt schon alles anders ist, da die Inzidenzzahl stark gesunken ist.“

Lockere Handhabe in Mitte

Aber nicht alle Wirte kommen ihrer Pflicht nach. Bei einem italienischen Restaurant an der Friedrichstraße in Mitte überprüft der Kellner nicht, ob ein Negativ-Test vorliegt. Darauf angesprochen, gibt er an, dies bei der Abrechnung zu tun. „Ich vertraue meinen Gästen“, sagt er. Die meisten würden das Zertifikat oder eine Bescheinigung über Impfung oder Genesung ohnehin ungefragt vorzeigen. „Das Ordnungsamt ist mehrmals hier gewesen und hat sich nicht beschwert.“

Im Rahmen eines Pilotprojekts dürfen am Sonnabend erstmals acht Gastronomiebetriebe in Mitte ihre Innenräume für Gäste öffnen. Dass das Projekt schon am Sonnabend beginnt, hatte die Industrie- und Handelskammer Berlin am Freitagabend kurzfristig bekannt gemacht. Die Nachricht kam für einige der teilnehmenden Gastronomen überraschend.

Testphase für Innengastronomie zu kurzfristig

Zeèv Rosenberg ist Projektleiter bei der Amano Group, die mit den israelischen Restaurants „Joseph“ an der Friedrichstraße und „Mani“ an der Torstraße am Pilotprojekt teilnimmt. Im „Joseph“ haben seine Angestellten am Sonnabendmittag alle Hände voll zu tun: Noch sind keine Gäste da, aber sie positionieren Tische und Stühle und richten die Einrichtung her. Beide Restaurants eröffnen ihre Innenräume erst am Abend. „Um, wie vor der Pandemie üblich, mit einem Mittagsangebot zu öffnen, hatten wir zu wenig Zeit“, sagt Rosenberg. Allerdings findet die Eröffnung der Innenräume bei seinen Gästen großen Anklang. „Wir haben das am Freitagabend bekannt gemacht, und hatten im Mani kurzfristig 80 Reservierungen.“

Das Pilotprojekt läuft bis zum 18. Juni und soll anschließend ausgewertet werden. Teil des Projekts ist ein virtuelles Testzentrum, das Schritt für Schritt durch den Corona-Test führt und über Video überprüft, ob dieser korrekt ausgeführt wird. Wer eins der teilnehmenden Restaurants besuchen möchte, muss dort reservieren. Mit einem Code, den das Restaurant mitteilt, kann er sich auf dem Onlineportal www.homedx.de des Diagnostiknetzwerk Berlin-Brandenburg registrieren. Benötigt wird dann ein handelsüblicher Corona-Schnelltest.

Allerdings ist die Online-Durchführung des Corona-Tests nicht unbedingt einfach, weil man sich dabei filmen muss. Die Aufnahme soll mindestens 15 Minuten dauern, so lange eben, bis das Test-Ergebnis abgelesen werden kann. Das Prozedere erscheint relativ störanfällig, weil sich zum Beispiel die Kamera nicht drehen lässt. Vier Versuche der Morgenpost scheiterten.

Auch Felix Pagel, Geschäftsführer in der „Schnitzelei“ an der Chausseestraße in Mitte, hat am Sonnabend von Schwierigkeiten mit dem Online-Test gehört. Das Restaurant eröffnet seine Innenräume am späten Nachmittag – und hatte 40 Reservierungen für Tische im Inneren. „Wir wollen mit unserer Teilnahme an dem Projekt andere Betriebe darin unterstützen, dass es mit der Wiedereröffnung der Gastronomie in die richtige Richtung geht“, sagt er.