Gesellschaft

Mehr Streit unter Nachbarn: Schlichtungen beliebt

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dpa
Ein Schild mit der Aufschrift "Unser Garten ist kein Hundeklo!" hängt an einem Zaun.

Ein Schild mit der Aufschrift "Unser Garten ist kein Hundeklo!" hängt an einem Zaun.

Foto: dpa

Berlin. Oben toben Kinder, unten wird renoviert: In der Coronapandemie erleben viele Menschen ihre Nachbarn intensiver, als ihnen lieb ist. Der Berliner Mieterverein registriert eine Zunahme an Nachbarschaftsstreitigkeiten, die aber laut Mediatorin Yvonne Vita häufig außergerichtlich geklärt werden können. "Seit Beginn der Pandemie ist der Bedarf an Mediationen etwa um 25 bis 30 Prozent gestiegen", sagt Vita kurz vor dem "Tag der Nachbarn" am Freitag, den die nebenan.de Stiftung ausgerufen hat.

"Man kann den Nachbarn einfach nicht mehr so gut ausweichen", sagt Vita mit Blick auf die Pandemie, in der viele Menschen zu Hause arbeiten und Kitas und Schulen häufig geschlossen waren oder sind. Lärm sei das größte Problem, etwa durch Kinder. Viele von ihnen seien unausgeglichener, was nicht nur für die Eltern, sondern auch die Nachbarn schwierig sei.

Ein weiterer Lärmfaktor: Sport in der eigenen Wohnung. "Weil Fitnessstudios geschlossen sind, trainieren viele Menschen jetzt zu Hause", so Vita. So manchen Mieter störe es, wenn der Nachbar von oben Sprungübungen absolviere. Auch Renovierungen, für die sich in der Pandemie viele Menschen Zeit nehmen, seien ein häufiger Streitpunkt.

"Die Wohnung ist ein geschützter Raum, unser Rückzugsort, an dem wir uns erholen und Energie tanken wollen. Wenn die Nachbarn aber Kraft und Energie rauben, wird es schwierig", so die Mediatorin. Ein Gespräch, in dem gemeinsam nach einer Lösung gesucht werde, könne sehr hilfreich sein. Auch das Ansprechen der Probleme und das Wissen um die Situation der Nachbarn helfe oft schon weiter.

"Andere Mieter wiederum, die über Gewerbeeinheiten wohnen, haben in der Pandemie weniger Probleme gehabt als sonst. In vielen Fällen konnten wir Mediationen verschieben", sagt Assesorin Vita. Sie und eine Kollegin bieten die schlichtenden Gespräche, die demnach größtenteils erfolgreich sind, mit betroffenen Parteien an. Sie sind kostenlos, wenn eine der beiden Parteien Mitglied im Mieterverein ist.

Der "Tag der Nachbarn" will mit zahlreichen Aktionen bundesweit ein Zeichen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt setzen. Bundesweit können Menschen Aktionen anmelden und gemeinsam mit Nachbarn feiern, gärtnern, Sport treiben und vieles mehr. Mediatorin Vita hält Aktionen wie diese für "wunderbar". "Jede Kommunikation im positiven Sinne ist gut für eine funktionierende Nachbarschaft", sagt sie.

© dpa-infocom, dpa:210527-99-758842/2

( dpa )