Polizei

Haftbefehl gegen mutmaßlichen DHL-Erpresser erlassen

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Im April hatten die Ermittler ein Bild aus einer Überwachungskamera veröffentlicht. Es zeigte einen Mann, der verdächtigt wird, den Paketzusteller DHL zu erpressen.

Im April hatten die Ermittler ein Bild aus einer Überwachungskamera veröffentlicht. Es zeigte einen Mann, der verdächtigt wird, den Paketzusteller DHL zu erpressen.

Foto: Polizei Brandenburg/picture alliance/BM Montage

Mehr als drei Jahre nach der DHL-Erpressung hat sich ein 35-Jähriger den Behörden gestellt. Der Tatverdacht bestätigte sich.

Berlin/Potsdam. Mehr als drei Jahre nach der Erpressung des Paketzustellers DHL ist gegen einen 35-jährigen Brandenburger Haftbefehl erlassen worden. Das teilten Polizei und Staatsanwaltschaft am Donnerstag mit. Der Mann hatte sich am Mittwoch bei der Staatsanwaltschaft Potsdam gemeldet und sich der Tat bezichtigt.

Der Mann habe eingeräumt, für insgesamt zehn Erpressungen verantwortlich zu sein, die das Ziel gehabt hätten. Millionenbeträge in From von Bitcoins zu erpressen. Dazu habe auch die Paketbombe in einer Apotheke nahe dem Potsdamer Weihnachtsmarkt am 1. Dezember 2017 gehört.

Die Behörden hatten zunächst angegeben, dass sie die Aussagen des Mann prüfen wollten. Laut der Mitteilung heißt es, die Prüfung habe den Tatverdacht bestätigt. Inzwischen wurde die Wohnanschrift des Mannes durchsucht. Dabei seien "beweiserhebliche Gegenstände und Unterlagen sichergestellt" worden, die nun ausgewertet würden. Dazu gehörten auch PC-Technik, ein Mobiltelefon, eine Sturmhaube, eine Schreckschusswaffe mit Munition und eine rote Mund-Nasen-Bedeckung.

Haftbefehl gegen mutmaßlichen DHL-Erpresser außer Vollzug gesetzt

Das Amtsgericht Potsdam erließ am Donnerstag Haftbefehl gegen den Mann wegen des Vorwurs der versuchten räuberischen Erpressung in zehn Fällen, davon in vier Fällen auch wegen versuchter schwerer räuberischen Erpressung. Der Haftbefehl wurde allerdings gegen Auflagen außer Vollzug gesetzt. Grund seien die persönlichen Verhältnisse des Mannes und die Tatsache, dass er sich selbst gestellt habe.

Bei den Ermittlungen waren fast alle Dienstbereiche der brandenburgischen Polizei eingebunden. Mehr als 350 Polizeikräfte seien in den vergangenen dreieinhalb Jahren mit der Aufklärung beschäftigt gewesen. Es seien mehr als 1000 Spuren und Hinweise ausgewertet worden.

DHL-Erpresser stellt sich: Polizei und Staatsanwaltschaft sprechen von "großem Erfolg"

Polizeipräsident Oliver Stepien und der Leitende Oberstaatsanwalt Wilfried Lehmann werteten die Klärung des Falls als "großen Erfolg für unsere Behörden und für die Sicherheit der Menschen in der Region." Weiter heißt es: "Letztendlich gelang es durch akribische Ermittlungsarbeit hartnäckiger Kriminalisten, öffentlichen Fahndungsdruck und die ausgezeichnete Zusammenarbeit der beteiligten Behörden, diesen Fall, zu lösen und einen Beschuldigten zu ermitteln, dessen Handeln über die Grenzen Brandenburgs hinaus für große Aufmerksamkeit und Verunsicherung gesorgt hatte."

Im April hatten die Ermittler ein Bild aus einer Überwachungskamera veröffentlicht. Es zeigte einen Mann, der verdächtigt wird, den Paketzusteller DHL zu erpressen. Das Foto war nach Angaben der Behörden am Abend des 22. Oktober 2020 gegen 18.45 Uhr von einem Bitcoin-Geldautomaten in einem Spätkauf in dem Berliner Stadtteil Friedrichshain aufgenommen worden.

"Aktenzeichen XY" hatte über den DHL-Erpresser berichtet

Erst vor rund zwei Wochen hatte es noch einen Beitrag in der Sendung "Aktenzeichen XY" gegeben, worin nach dem Unbekannten gefahndet wurde. Vor dreieinhalb Jahren hatte dieser damit begonnen, den Paketzusteller DHL zu erpressen. Der Mann hatte Potsdam in Angst und Schrecken versetzt, es kam auch zu einem Polizeieinsatz auf einem Weihnachtsmarkt. Polizei und Landeskriminalamt (LKA) gingen seither Tausenden Hinweisen und Spuren nach. Doch den oder die Täter hatten sie bislang nicht fassen können.

Ende April dieses Jahres hatten die Ermittler ein neues Fahndungsfoto des mutmaßlichen DHL-Erpressers veröffentlicht – in der ersten Woche nach dessen Veröffentlichung gingen laut der Polizei in Brandenburg und der Staatsanwaltschaft Potsdam 55 Hinweise ein. Die Fahnder hatten eine Belohnung von bis zu 5000 Euro ausgeschrieben.

Briefbombe in Potsdamer Apotheke nahe dem Weihnachtsmarkt

Die Serie begann augenscheinlich am 1. Dezember 2017. Damals war in einer Apotheke am Rande des Pots­damer Weihnachtsmarkts eine Paketbombe entdeckt worden, in der sich eine Sprengvorrichtung und Nägel befanden. Darin wurde auch ein als QR-Code verschlüsseltes Schreiben entdeckt, mit dem der DHL um eine Millionensumme in Bitcoins erpresst wurde.

Der Apotheker hatte allerdings beim Öffnen des Pakets ein Zischen gehört und "so komische Drähte" bemerkt. Die Polizei hatte das Gelände weiträumig abgesperrt und die Bombe entschärft.

Pakete wurden auch in Steglitz und Kreuzberg gefunden

Doch bereits Anfang November war eine eine erste explosive Sendung des DHL-Erpressers im Postzentrum Frankfurt (Oder) eingegangen. Diese geriet beim Öffnen jedoch in Brand, wodurch auch das Erpresserschreiben zerstört wurde. Weitere explosive Sendungen wurden im Januar 2018 an eine Bankfiliale nach Berlin-Steglitz und im April zur Berliner Handwerkskammer nach Kreuzberg versandt.

Danach schien der Erpresser untergetaucht zu sein. Ende April veröffentlichten sie noch ein Fahndungsbild, das aus einer Überwachunggskamera stammte. Nun könnte er sich freiwillig den Behörden gestellt haben.

( BM/dpa )