Lockerungen

Gastronomen können Öffnung kaum erwarten

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Bernd Risau vom Restaurant "The International" bei den Vorbereitungen zur Öffnung der Außengastronomie nach der Corona-Pandemie. Foto:

Bernd Risau vom Restaurant "The International" bei den Vorbereitungen zur Öffnung der Außengastronomie nach der Corona-Pandemie. Foto:

Foto: Reto Klar / FUNKE Foto Services

Bald dürfen die Berliner Gastronomen wieder ihre Außenbereiche öffnen.

Berlin. Die Freude ist groß: Nach rund einem halben Jahr dürfen die Berliner Gastronomen wieder ihre Außenbereiche öffnen. Viele Betriebe haben sich gut drauf vorbereitet und Konzepte zur Kontrolle der Nachweise von Tests, Impfungen und Genesungen entwickelt. Viele von ihnen nutzen auch die Luca-App zur Kontaktnachverfolgung.

„Die Gäste freuen sich, dass wieder etwas Normalität zurückkehrt“, sagt Dennis Liermann, Betriebsleiter im Braugasthaus Dolden Mädel am Mehringdamm 80 in Kreuzberg. Nahe dem Bergmannkiez gelegen, ist das Lokal mit dem großen Biergarten vor Corona ein beliebter Anlaufpunkt für gutes Bier und Speisen wie Schnitzel und Burger – stets vom Biorindfleisch –, sowie außergewöhnliche Gerichte, etwa nach israelischer Art.

Gäste weisen am Eingang vollständige Impfung, Test oder Genesung nach

Das Prozedere im Lokal ist nach dem bisherigen Außer-Haus-Verkauf einfach. Gäste werden am Eingang begrüßt, weisen vollständige Impfung, Test oder Genesung nach, registrieren sich auf Papier oder per Luca-App, und werden dann platziert. „Jeweils maximal fünf Personen aus zwei Haushalten, plus Kinder unter 14“, sagt Liermann. Die Stimmung unter den Mitarbeitern sei jetzt natürlich gut: 16 Mitarbeiter werden aus der Kurzarbeit zurückgeholt.

Daniela Cicerello vom Café „Vereinszimmer, Lo Spazio“ in Kreuzberg, sagt: „Wir sind optimistisch – wenn das Wetter mitmacht.“ Ab Freitag bietet sie 20 bis 30 Plätze auf der Terrasse. Das ist weniger als möglich. Aber diese Zahl könne sie noch gerade nach den nun üblichen Vorgaben kontrollieren. „Ich möchte nicht extra einen Mitarbeiter dafür abstellen“, sagt sie. Darüber hinaus müssen sich Gäste mit der Luca-App registrieren. Der QR-Code wird auf die Tische geklebt. Darüber, dass das Publikum ausbleiben könnte, macht sie sich keine Sorgen. „Wir leben von unseren Stammgästen. Und nach sieben Monaten Außer-Haus-Verkauf wollen sie sicherlich wieder draußen sitzen.“ Eine Anmeldung für einen Platz vor der Tür ist nicht erforderlich und selbst bei Regen ist der erste Tag im Stammlokal für die Gäste möglich, denn es gibt eine Markise.

Auch in Mitte laufen die Vorbereitungen für die Öffnungen auf Hochtouren. Die Ständige Vertretung am Schiffbauerdamm 8 öffnet am Freitagmorgen um 10 Uhr für Besucherinnen und Besucher. „Die Küche ist schon fleißig am Arbeiten, sodass 80 Prozent der Speisen auf der Karte angeboten werden können“, sagt Jörn Peter Brinkmann.

Schnelltests können auch vor Ort gemacht werden

Es gibt hier die Möglichkeit auf einen Schnelltest vor Ort. Rund 200 Außenplätze werden ab Freitagmorgen bewirtet. „Wir haben neue Schirme angebracht, dementsprechend sind die Plätze auch regensicher“, so der Inhaber mit Hinblick auf das voraussichtlich schlechte Wetter am Wochenende.

Auch der Biergarten des Zollpackhofs öffnet am Freitag um 11 Uhr. Die Terrasse des Restaurants um 12 Uhr. „Dann fließt wieder frischgezapftes Bier durch unsere Leitungen“, sagt Inhaber Benjamin Groenewold. Dazu können sich Gäste ein halbes Hähnchen oder hausgemachten Obatzter bestellen. Insgesamt bietet der Zollpackhof 1400 Plätze für die Gäste. Die Besucherinnen und Besucher werden am Eingang kontrolliert, ob sie negativ getestet, geimpft oder genesen sind.

Groenewold zufolge kann man die Dokumente in die Luca-App hochladen, um den Einlassvorgang zu beschleunigen. Für jene, die spontan im Biergarten vorbeikommen wollen, gebe es ein eigenes Testzentrum vor Ort. Für Freitag sagt der Wetterbericht 20 Grad und Sonne voraus. Doch am Wochenende soll es in Berlin teilweise regnen. Doch auch dafür hat Groenewold vorgesorgt. Die Terrasse habe eine Markise, die ausgefahren werden könne, es gebe Regenschirme und der alte Baumbestand auf dem Gelände fange ebenfalls Regen ab.

„Mitarbeiter freuen sich, endlich wieder zu arbeiten“

Ebenso in Maisel’s Biergarten in der Imchenallee 44 in Kladow freuen sich Gäste und Belegschaft gleichermaßen auf die Eröffnung der Außengastronomie in Restaurant und Biergarten. „Wir merken, dass die Leute ganz heiß darauf sind, wieder einmal draußen ein Bierchen oder einen Kaffee zu trinken oder Bratwurst und Spargel essen zu können“, sagt Teilhaberin Brigitte Thyes, „und auch unsere Mitarbeiter freuen sich, endlich wieder zu arbeiten.“

Ab 9 Uhr habe der Biergarten geöffnet, das Restaurant ab 11 Uhr – beides bis 22 Uhr. „Für den Restaurantbereich mit Bedienung stehen 30 Sitzplätze zur Verfügung“, erklärt Thyes, „für den Biergarten-Selbstbedienungsbereich nur 150 von eigentlich knapp 300.“ Reservierungen werden aber nur für das Restaurant telefonisch oder über die Internetseite angenommen, nicht für den Biergarten: „Das war auch schon vor Corona nicht möglich“, so Thyes. Bei schlechtem Wetter stehen Markise und Schirme zur Verfügung.

Zum Schutz vor Regen stehen auch im Posh Teckel in der Pflügerstraße 4 nahe des U-Bahnhofs Schönleinstraße Schirme bereit. Das Pub öffnet ab Sonnabend von 17 bis 22 Uhr seinen Außenbereich für Gäste. „Wer klug ist, der reserviert“, sagt Inhaber Bernd Ehnes. Das könne man gut per E-Mail oder über das Onlinereservierungstool des Pubs tun. Das Pub verfügt über etwa 20 Plätze im Außenbereich. „Es ist viel Arbeit, das alles vorzubereiten, wir befestigen die Tische mit Schrauben, um den Mindestabstand von 1,50 Meter einzuhalten“, sagt Ehnes. Da der Gehweg krumm und schief sei, komme extra ein Schreiner, um den Untergrund mit angepassten Holzblöcken eben zu machen.

Warme Küche gibt ab Freitag bei den „Köpenicker Seeterrassen“

Eine warme Küche gibt es ab Freitag bei den „Köpenicker Seeterrassen“ in der Müggelheimer Str. 1A. 120 Plätze gibt es auf mehreren Etagen, alle bieten Wasserblick auf die Dahme, die direkt am Restaurant entlang fließt. Für die kühleren Abendstunden hat Geschäftsführer Marco Röhrich Wärmepilze aufgestellt. Mehr als die Hälfte seiner Plätze sind mit einer Marquise überdacht. Die „Seeterrassen“ arbeiten mit einer Teststation in der Jägerstraße 4 zusammen, die fußläufig in zwei Minuten erreichbar ist.

Der Chef ist glücklich, dass es weitergeht. „Zwischendurch zittere ich richtig, weil ich mich so freue“, sagt Röhrich. Der Aufwand sei enorm – und ohne den Außerhaus-Verkauf, den sein Küchenteam angeboten hatte, wäre es kaum zu schaffen gewesen, die Küche so schnell wieder hochzufahren. „Es ist viel Arbeit und ich kann es verstehen, wenn manche Restaurants das in dieser kurzen Zeit nicht schaffen“, sagt Röhrich. Viele Fischspezialitäten und Spargelgerichte stehen bei ihm auf dem Plan.

Gäste, die sich auf einen Besuch des Restaurant Brikz an der Grolmannstraße in Charlottenburg freuen, müssen sich noch etwas gedulden. Das Lokal wird erst am 3. Juni öffnen. „Wir machen nächste Woche nach unserem Take-Away-Konzept noch einmal eine Pause für alle Beschäftigten, damit wir ab Juni erholt an die Arbeit gehen können“, sagt Inhaber Arne Anker. Dann wird es von Dienstag bis Sonnabend geöffnet sein.

Bei schlechtem Wetter können Gäste sich vorm Heizstrahler wärmen

Für die Reservierung gelten feste Zeiten: Gäste können um 17 Uhr, 19 Uhr oder 21 Uhr für bis zu zwei Stunden einen Tisch bekommen. Falls das Wetter am Tag des Besuchs schlecht ist, können sich Besucher an Heizstrahlern aufwärmen und werden mit Markisen vor Regen geschützt. Geltende Masken- und Abstandsregeln müssen eingehalten werden. Maximal zehn Gäste dürfen sich gleichzeitig im Außenbereich aufhalten. „Wir machen nächste Woche noch einmal eine Pause für alle Beschäftigten, damit wir ab Juni erholt an die Arbeit gehen können“, sagt Inhaber Arne Anker.

Auch Inhaber Vincenzo Berènyi freut sich, dass er ab Freitag in der Kurpfalz-Weinstube an der Wilmersdorfer Straße in Charlottenburg wieder Gäste empfangen darf. „Auf unserer Website sieht der Kunde genau, wie es mit den Reservierungen läuft“, sagt Berènyi. Er hatte ein ausgeklügeltes Öffnungs- und Reservierungskonzept entwickelt: Gäste können während verschiedener Zeitfenster zwischen 17 Uhr und 22 Uhr einen Tisch buchen. Reservieren können sie vor Ort oder über die Website der Weinstube.

Dabei müssen sie eine Reservierungssicherheit von 30 Euro hinterlegen. Etwa 10 Minuten vor dem gebuchten Zeitfenster sollen Gäste sich in die Weinstube einfinden. Nur ein Drittel der Terrassenfläche wird ab Freitag genutzt. Gasheizer, Schirme und Planen sorgen dafür, dass der Besuch auch bei schlechtem Wetter ein Genuss wird. Die geltenden Masken- und Abstandregeln müssen eingehalten werden.

Am besten nachmittags oder abends reservieren

Im Restaurant „Winterfeld“ in der Winterfeldtstraße 58 in Schöneberg haben sich bereits etliche Gäste für Freitagabend angekündigt. Ab 19 Uhr seien bereits alle Tische belegt. Bei schönem Wetter können etwa 22 Tische mit insgesamt bis zu 60 Plätzen angeboten werden, sagt Inhaber Linh Nguyen. Wenn es regnet finden die Gäste an neun Tischen unter einer Markise Platz. Nguyen empfiehlt am Freitag ab 16 Uhr oder ab 21 Uhr vorbeizuschauen.

„Wir werden unsere Gäste bitten, nur etwa eineinhalb Stunden bei uns zu bleiben, damit wir die Tische neu vergeben können. Ich hoffe, dass dafür alle Verständnis haben.“ In der Küche werde ab Freitag mehr Personal bereitstehen, um den Gästen ihre Speisen zügig servieren zu können. Angeboten werde fast die gesamte Bandbreite an mediterranen und italienischen Gerichten. „Außer bei den Desserts, da haben wir auf zwei reduziert“, sagt Nguyen. Das erklärte Ziel ab morgen lautet in jedem Fall: „Wir wollen unsere Gäste glücklich machen.

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