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1. Mai in Berlin - Die wichtigsten Fragen und Antworten

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Demonstranten und Polizisten stehen sich am 1. Mai 2020 gegenüber (Archivbild).

Demonstranten und Polizisten stehen sich am 1. Mai 2020 gegenüber (Archivbild).

Foto: Michael Kappeler / dpa

Demo trotz Ausgangssperre? Wo werden Krawalle erwartet? Welche Straßen sind dicht? Die wichtigsten Antworten rund um den 1. Mai.

Berlin. 
  • Der 1. Mai in Berlin am Samstag ist wieder von Demonstrationen geprägt.
  • Die Berliner Polizei bereitet sich auf den 1. Mai vor.
  • Wo liegen die Schwerpunkte, wo ist das größte Gewaltpotenzial, worauf sollten Autofahrer achten? Fragen und Antworten zum 1. Mai 2021 in Berlin.

Und da ist er wieder, dieser erste Tag im Mai, an dem in Berlin der Ausnahmezustand herrscht. Zum zweiten Mal findet der Tag der Arbeit in Pandemiezeiten statt. Anders als vor einem Jahr sind Demonstrationen und Versammlungen dieses Mal aber erlaubt. Und erwartet werden sogar deutlich mehr Menschen als in den Vorjahren. Die Berliner Morgenpost beantwortet die wichtigsten Fragen rund um den 1. Mai 2021.

Mit wie vielen Demonstranten wird gerechnet?

Insgesamt sind über den 1. Mai verteilt mehr als 20 Versammlungen angemeldet. Die größte mit 2500 Teilnehmern soll eine Fahrradsternfahrt durch die ganze Stadt sein. Wie viele kommen, wird letztlich vom Wetter abhängen. Die übrigen Demonstrationen und Kundgebungen sind mit einer dreistelligen Teilnehmerzahl angemeldet – außer die alljährliche „Demonstration zum Revolutionären 1. Mai“, die um 18 Uhr am Neuköllner Hermannplatz. Hier ist von 1000 Menschen die Rede. Die Berliner Sicherheitsbehörden erwarten aber das Zehnfache an Teilnehmern. Einen Vorgeschmack wird es am Freitagabend geben, wenn 2000 linke Demonstranten wie bereits in den Vorjahren durch Wedding und Gesundbrunnen ziehen wollen.

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Wie bereitet sich die Berliner Polizei auf den 1. Mai vor?

„Nach den bisherigen Zusagen aus anderen Ländern und vom Bund werden wir mit eigenen Kräften mit mehr als 5000 Kolleginnen und Kollegen im Einsatz sein“, sagte Polizeisprecher Thilo Cablitz am Donnerstagnachmittag. Auch die Berliner Feuerwehr schickt zusätzliches Personal auf die Straße. Man werde „das Bestmögliche tun, um sehr gut vorbereitet in diese Situation zu gehen“, sagte Landesbranddirektor Karsten Homrighausen.

Wo liegen am diesjährigen 1. Mai die Schwerpunkte?

Die Polizei hat vor allem vier Dinge im Blick: Die Fahrradsternfahrt, die am Vormittag an mehreren Orten der Stadt starten soll, das Regierungsviertel, wo etwa der Deutsche Gewerkschaftsbund protestieren will, die Revolutionäre 1. Mai Demonstration am Abend durch Neukölln und Kreuzberg und den Querdenker-Protest in Lichtenberg.

Wo ist das Gewaltpotenzial am 1. Mai in Berlin am größten?

Bei der linken Demonstration in Kreuzberg werden zwar deutlich mehr Menschen erwartet, allerdings werden sie wohl kaum Gewaltpotenzial mitbringen. Nach der Mietendeckel-Entscheidung kommen wohl auch viele Menschen aus dem bürgerlichen Spektrum. Im Grunewald, wo 2018 viele Autos beschädigt wurden, blieb es in den beiden nachfolgenden Jahren ruhig. Allerdings stellten sich die Querdenker zuletzt als zunehmend gewaltbereit heraus. In rechtsextremen Telegram-Gruppen wird außerdem dazu aufgerufen, vor die Privatadressen von Politikern zu ziehen.

Darf trotz der Ausgangssperre auch nach 22 Uhr demonstriert werden?

Ja. Demonstrationen gelten als sogenannter triftiger Grund, sich auch nach 22 Uhr draußen aufzuhalten. „Nach ihrem Ende werden wir dafür sorgen, dass sich die Menschen schnell nach Hause begeben“, sagte Berlins Polizeipräsidentin Barbara Slowik der Berliner Morgenpost zuletzt im Interview und räumte ein, dass das schwierig werden könne. Mit Stand vom Donnerstagnachmittag sind am 1. Mai nur zwei Veranstaltungen bis nach 22 Uhr angemeldet.

Welche Hygienemaßnahmen gelten und wie werden sie umgesetzt?

Auf Demonstrationen herrscht grundsätzlich Masken- und Abstandspflicht. In den linken Aufrufen wird zumeist explizit aufgefordert, sich daran zu halten. In der Szene der Querdenker versteht man das Nichttragen einer Maske allerdings als Akt des Widerstands. Sollte das auch am 1. Mai so sein, „dann lösen wir schnell und konsequent auf“, sagte Polizeipräsidentin Slowik. Notfalls würden dazu auch Wasserwerfer eingesetzt.

Worauf sollten Autofahrer achten?

Vor allem die Fahrradsternfahrt wird den Autoverkehr in vielen Teilen Berlins lahmlegen. Sie startet zwischen 10.30 und 11.30 an drei Orten: Am Leopoldplatz in Wedding, am Hermannplatz in Neukölln und am Bahnhof Lichtenberg. Die Routen führen durch Moabit und das Hansaviertel, durch Kreuzberg und Schöneberg und über die Frankfurter- und Karl-Marx-Allee und die Straße Unter den Linden zum Großen Stern, wo für 13 Uhr eine Zwischenkundgebung geplant ist. Dann soll es durch die City West über den Kurfürstendamm nach Grunewald gehen, wo um 15.30 Uhr am Johannaplatz eine weitere Kundgebung geplant ist. Letztes Ziel der Radfahrer ist dann wieder der Hermannplatz in Neukölln, den man um 17.30 Uhr erreichen will. Dorthin wollen die Demonstranten über die Stadtautobahn A100 gelangen, die in östlicher Richtung zwischen dem Hohenzollern- und dem Britzer Damm gesperrt wird. Da die Berliner Clubszene bereits vom Hermannplatz über Kreuzberg nach Mitte ziehen will, um für ihre Wiederbelebung zu protestieren, sind die Straßen dort nicht nur in den Abendstunden dicht.