Polizei Berlin

Mindestgröße: Mehr kleine Frauen im Polizeidienst

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Andreas Gandzior
Celina Knop 19 ist auf Grund ihrer Körpergröße nicht zur Polizeiausbildung zugelassen worden

Celina Knop 19 ist auf Grund ihrer Körpergröße nicht zur Polizeiausbildung zugelassen worden

Foto: Sergej Glanze / Glanze/Berliner Morgenpost

Seit zweieinhalb Jahren stellt die Polizei auch kleinere Bewerber ein. Frauen profitieren überwiegend vom Wegfall der Mindestgrößen.

Berlin. Monatelang hatte die festgelegte Mindestgröße bei Bewerbern für den Berliner Polizeidienst 2018 für Diskussionen, Kritik und Schlagzeilen gesorgt. Für die Berliner Polizei galt eine Mindestgröße von 1,65 Meter für Männer und von 1,60 Meter für Frauen.

Eine Berliner Bewerberin mit einer Körpergröße von 1,54 Meter unterlag mit ihrer Klage gegen diese Voraussetzungen vor dem Verwaltungsgericht und bewarb sich bei der Landespolizei in Brandenburg, wo sie auch genommen wurde. Im Oktober 2018 beendete Innensenator Andreas Geisel (SPD) dann die Debatten und setzte die bisherigen Vorgaben für die Mindestkörpergröße mit „sofortiger Wirkung“ und „auf unbestimmte Zeit“ aus. „Reine Äußerlichkeiten dürfen nicht zu einem Hinderungsgrund für den Polizeiberuf werden, auf ein paar Zentimeter soll es nicht ankommen“, begründete Geisel seine Entscheidung.

Frauen profitieren vom Wegfall der Mindestgröße bei der Polizei

Seit der Aussetzung der Mindestgrößenregelung im Oktober 2018 haben sich insgesamt 419 Personen für den Polizeivollzugsdienst beworben, die die zuvor geltenden Mindestgrößen unterschritten hätten, teilte die Berliner Polizei auf Anfrage der Berliner Morgenpost am Montag mit. Davon waren 341 Frauen und 78 Männer. Der Anteil an allen Bewerbenden beträgt 1,4 Prozent. Wie die Polizei weiter mitteilte, wurden von ihnen 34 Personen eingestellt, 32 Frauen und zwei Männer. Hier beträgt der Anteil an allen eingestellten Nachwuchskräften 1,2 Prozent. Augenscheinlich profitieren somit insbesondere Frauen vom Wegfall der Mindestgrößen.

Ergonomische Anpassungen von Einsatzmitteln

Nach Aussagen der Polizei wurden in der Anfangsphase der Waffenausbildung bei der Handhabung der Waffen, ziehen, halten oder der Festlegung der Waffenverschlüsse, vereinzelt Kraftprobleme beobachtet. Diese Defizite können aber in der Regel durch sehr intensives Üben ausgeglichen werden, hieß es. Nur in Einzelfällen mussten ergonomische Anpassungen von Einsatzmitteln vorgenommen werden, die unterhalb der üblichen Liefergrößen liegen. Hier führt die Behörde Griffschalen der Dienstpistolen und Schutzwesten als Beispiele an.

Nachteile bei Festnahmesituationen und Rettungstechniken

Teilweise kam es auch zu Nachteilen in speziellen Einsatzbereichen wie beispielsweise Festnahmesituationen oder Rettungstechniken, wobei dann in der Ausbildung Alternativen gelehrt und umgesetzt werden. Weiterhin wird aufgeführt, dass kleinere Auszubildende mit geringerem Körpergewicht beim Training mit der vollständig angelegten Schutzausstattung mit einem Gewicht zwischen 16 und 20 Kilogramm schneller an ihre körperlichen Leistungsgrenzen kommen.

Weiter hieß es: Im Ergebnis müssen alle Nachwuchskräfte unabhängig von der Körpergröße einen handlungssicheren Umgang mit allen Führungs- und Einsatzmitteln nachweisen, um die Ausbildung erfolgreich abzuschließen. Die Anstrengungen von kleineren Personen fallen hierbei in Teilen größer aus.

Gewerkschaft der Polizei: Die Abschaffung der Mindestgröße war richtig

Diese Feststellungen würden sich aber ausschließlich auf körperlich sehr belastende Ausbildungsinhalte in der polizeipraktischen Ausbildung beziehen. „In allen anderen Ausbildungsbereichen, die ebenfalls von entscheidender Bedeutung sind, werden durch Nachwuchskräfte mit geringer Körpergröße gleichermaßen gute Leistungen erbracht“, hieß es.

„Die Abschaffung der Mindestgröße war absolut richtig, denn wir haben dadurch talentierte Leute bekommen, die sonst keine Chance gehabt hätten. Es ist klar, dass es für niemanden einen Freifahrtschein geben darf und die Betroffenen keinen Bonus bekommen. Sie müssen sämtliche Anforderungen erfüllen, die in Ausbildung oder Studium abverlangt werden“, sagte der Sprecher der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Benjamin Jendro. „Grundsätzlich aber muss gelten, dass über die körperliche Eignung von Polizistinnen und Polizisten nicht Alter und Körpergröße entscheiden, sondern immer Fitness und Fertigkeiten.“