Erinnerung an Corona-Tote

Wie die Gedenkfeier in Berlin abläuft

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Dennis Meischen
Auf Initiative von Bundespräsident Steinmeier gibt es am Sonntag im Konzerthaus am Gendarmenmarkt in Berlin eine zentrale Gedenkveranstaltung für die Verstorbenen in der Corona-Pandemie. Seit deren Ausbruch vor gut einem Jahr sind in Deutschland fast 80.000 Menschen an den Folgen oder im Zusammenhang mit einer Infektion mit dem Virus gestorben.

Auf Initiative von Bundespräsident Steinmeier gibt es am Sonntag im Konzerthaus am Gendarmenmarkt in Berlin eine zentrale Gedenkveranstaltung für die Verstorbenen in der Corona-Pandemie. Seit deren Ausbruch vor gut einem Jahr sind in Deutschland fast 80.000 Menschen an den Folgen oder im Zusammenhang mit einer Infektion mit dem Virus gestorben.

Foto: Bernd von Jutrczenka/dpa

Im Gedenken an die Opfer der Corona-Pandemie hängen am Sonntag die Fahnen auf halbmast. Das ZDF überträgt die Veranstaltung.

Berlin. Rund 80.000 Menschen sind allein in Deutschland an den Folgen oder im Zusammenhang mit einer Infektion mit dem Coronavirus gestorben. Weltweit sind bereits drei Millionen Todesfälle zu beklagen. Um den Opfern der Pandemie und ihren Angehörigen eine Stimme zu geben und an diesen Verlust an Menschenleben zu erinnern, findet am Sonntag im Konzerthaus am Gendarmenmarkt unter strengen Hygienemaßnahmen eine zentrale Gedenkfeier statt. Initiiert hat diese nationalen Gedenkveranstaltung Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.

„Das Ausgeliefertsein und die Einsamkeit im Sterben, unsere Verwundbarkeit, die Stigmatisierung durch das Virus, die Unsichtbarkeit des einsamen Todes abseits der betriebsamen Gesellschaft – all das ist mit der Pandemie verbunden. Mit einer Gedenkfeier erkennen wir als Staatsspitze diese verstörenden Folgen an und möchten zeigen: Wir sehen das Leid“, so Steinmeier Ende März.

Das Gedenken sei auch den Hinterbliebenen gewidmet, „die ihre Angehörigen beim Sterben nicht begleiten durften und denen wichtige und trostspendende Rituale der Trauer nicht möglich waren“. Auch wenn die Pandemie noch nicht überwunden sei, solle dies „ein Tag des Innehaltens sein, der zeigt, dass wir als Gesellschaft Anteil nehmen, die Toten und das Leid der Hinterbliebenen nicht vergessen.“

Demonstrationsverbot am Gendarmenmarkt erlassen

In Berlin werden dafür am Sonntag alle Fahnen vor Landes- und Bundesbehörden auf halbmast gesetzt, auch in anderen Bundesländern und Städten wurde das angeordnet. Das ZDF überträgt die Veranstaltung von 12.50 bis 14.10 Uhr live. In der ARD läuft zuvor ab 10.15 Uhr der ökumenische Gottesdienst in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche am Breitscheidplatz, der unter anderem vom Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, und dem Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing, gehalten wird. „Ich halte es für sinnvoll, dieser Zeit und der vielen Toten regelmäßig zu gedenken“, sagte Bätzing am Sonnabend und schlug damit einen jährlich wiederkehrenden Gedenktag vor.

Die Berliner Polizei hat für Sonntag für Gendarmenmarkt und Breitscheidplatz von 6 bis 15 Uhr ein allgemeines Versammlungs- und Demonstrationsverbot erlassen. Das Verbot gelte, „damit der Festakt nicht gestört wird und es nicht zu Ansammlungen von Personen kommt“, sagte ein Polizeisprecher am Dienstag.

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Hinterbliebene der Toten sollen zu Wort kommen

Geladen zum Festakt im Konzerthaus sind nur die Spitzen der fünf Verfassungsorgane der Bundesrepublik Deutschland. Bedeutet konkret: Bundespräsident Steinmeier, Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU), Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), Bundesratspräsident Reiner Haseloff (CDU) sowie der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Stephan Harbarth.

Ebenfalls anwesend sind ein Vertreter des Diplomatischen Korps sowie fünf Menschen, die ihre Angehörigen – Ehemänner, Väter, Mütter, Kinder – durch das Coronavirus verloren haben. Nach einer Gedenkansprache des Bundespräsidenten kamen diese Angehörigen auch selbst zu Wort. Im Laufe der Veranstaltung nimmt dann je ein Betroffener gemeinsam mit einem Repräsentanten eines der fünf Verfassungsorgane eine Kerze auf und trägt sie zum Gedenkort.

Im abschließenden stillen Gedenken geht es auch um schwer betroffene Menschen, die an den Spätfolgen einer Infektion leiden, an Einsamkeit krank geworden sind oder in der Pandemie Gewalt und Missbrauch erlebt haben. Erinnert wird zudem an Ärzte und Pfleger, die Tag und Nacht um das Leben von Patienten kämpfen. Steinmeier regte die Bürger dazu an, am Wochenende jeweils am Abend eine Kerze ins Fenster zu stellen und so ebenfalls Anteilnahme am Schicksal der Opfer zu zeigen. Zuvor hatten sich auch die deutschen Länderchefs in einem gemeinsamen Aufruf mit dieser Bitte an die Bevölkerung gewandt.