OP-Stopp

Charité wieder im Corona-Notbetrieb

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Lea Hensen
Mehr als 20.000 Corona-Neuinfektionen in Deutschland

Mehr als 20.000 Corona-Neuinfektionen in Deutschland

Wie das Robert-Koch-Institut (RKI) unter Berufung auf Angaben der Gesundheitsämter mitteilte, wurden in Deutschland innerhalb eines Tages 20.407 Neuansteckungen sowie 306 weitere Todesfälle registriert.

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Die Universitätsklinik setzt erneut planbare Eingriffe aus. Einige Arztpraxen haben ihre Impfdosen schon verbraucht.

Berlin. Die Berliner Charité verschiebt zum zweiten Mal planbare Eingriffe wegen der steigenden Zahl an Patienten, die mit dem Coronavirus infiziert sind. Das teilte der Vorstand der Krankenversorgung, Martin Kreis, am Donnerstag mit. Die Uniklinik wird ihre Mitarbeiter demnach ab kommender Woche vermehrt im Einsatz gegen die dritte Corona-Welle haben. Notfälle und zeitkritische Eingriffe sollen von der Maßnahme ausgenommen bleiben. Die Charité versorgt vor allem Patienten mit schweren Verläufen. Bereits von Mitte Dezember bis Ende Januar hatte die Klinik ein Notfallprogramm eingerichtet. Die Auslastung der Intensivbetten mit Corona-Patienten liegt in Berlin derzeit bei fast 25 Prozent.

Derweil haben die Hausärzte in Berlin am Donnerstag die Impfungen mit dem Biontech-Serum fortgesetzt, der am Dienstag und Mittwoch über die Apotheken geliefert wurde. Einige Praxen hatten ihren Dosen am Nachmittag bereits aufgebraucht. Die Lieferungen sollen ab jetzt wöchentlich erfolgen, erklärte eine Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Berlin. Besondere Vorkommnisse und Probleme waren ihr nicht bekannt.

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Impfung in Berlin: Zahlreiche Anrufer wollten auf die Warteliste

Vor allem chronisch kranke Patienten sollen sich bei den Hausärzten melden, wenn sie bei den Impfeinladungen der KV bislang „aus dem Raster“ gefallen sind. In vielen Praxen standen daher am Donnerstag die Telefone kaum still. Viele Anrufer wollten sich auf die Warteliste setzen lassen. Die Hausärzte haben bereits im Vorfeld eine Priorisierung unter den Patienten erstellt, die bei ihnen in Behandlungen sind. Nur wenige berichteten, dass sie neue Patienten von außerhalb in ihre oft langen Wartelisten aufnehmen.

Die Gemeinschaftspraxis am Kaiserdamm in Charlottenburg hat am Donnerstag 30 Erstimpfungen durchgeführt. Damit seien alle gelieferten Impfdosen verbraucht, sagte Claus-Michael Richter, Facharzt für innere Medizin. Bevor die Praxis keine offizielle Bestätigung für eine Nachlieferung hat, will sie auch keine neuen Impftermine vergeben. Mit 30 Impfungen pro Woche könnte sich die Immunisierung der Patienten allerdings hinziehen: Auf der obersten Stufe der Impfliste in der Praxis stehen Richter zufolge 330 Personen. „Es ist wirklich schwer, zu entscheiden, wer wann an der Reihe ist, aber wir wollen das transparent gestalten“, sagt der Arzt.

Patienten, die eigentlich schon einen Code für eines der Impfzentren haben, bittet Richter, ihren Termin dort auch wahrzunehmen. Aber er macht auch Ausnahmen. „Wenn wir einen 85-jährigen Patienten haben, der es einfach noch nicht geschafft hat, sich bei einem Impfzentrum anzumelden, impfen wir ihn hier“, sagt Richter. Auch eine Intensivschwester, die den ihr zugeordneten Termin nicht wahrnehmen konnte, weil sie sich zu dem Zeitpunkt in Quarantäne befand, hat nun ihre Erstdosis in der Praxis bekommen. „Einfach, weil sie sonst bis Juli hätte warten müssen“, sagt Richter und ergänzt: „ Wir sind ja hier auch keine Roboter, sondern Ärzte, die impfen wollen.“

Impfcode kann nicht in den Praxen überprüft werden

Grundsätzlich ist es für die Praxen wohl schwierig nachzuvollziehen, wer bereits einen Code für ein Impfzentrum hat. „Das können wir gar nicht überprüfen und vertrauen unseren Patienten“, sagte Praxishelfer Alisan Donmez von der Praxis Schromm am Savignyplatz. Dort wurden bislang 46 Patienten geimpft.

Eine Arztpraxis aus Kreuzberg, die nicht mit Namen genannt werden will, musste alle Impftermine für Freitag absagen. 44 Leute seien geimpft worden, erklärte der Allgemeinmediziner, nun sei auch das Kontingent verbraucht. Die Praxis hatte ihre Patienten im Vorfeld gefragt, wer sich impfen lassen möchte, und für die ganze Woche Impftermine vereinbart. Rund 30 Patienten haben heute eine Absage bekommen.