Corona in Berlin

Pflicht zum Homeoffice in Berlin - Was man wissen muss

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In Berlin gilt ab dem 31. März 2021 eine Homeoffice-Pflicht (Symbolbild).

In Berlin gilt ab dem 31. März 2021 eine Homeoffice-Pflicht (Symbolbild).

Foto: Sebastian Gollnow / dpa

In Berlin gilt eine Pflicht zum Homeoffice. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur neuen Regel im Überblick.

Berlin. In Berlin gilt ab dem 31. März 2021 eine Homeoffice-Pflicht. Die hatte der Senat am Sonnabend als Reaktion auf die steigenden Infektionszahlen beschlossen. Demnach sollen nur noch maximal 50 Prozent der Präsenzarbeitsplätze besetzt sein. Die Senatsarbeitsverwaltung versucht, die vielen Fragen, die sich daraus ergeben, zu erklären. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was ist die Berliner Homeoffice-Pflicht?

Öffentliche und private Arbeitgeber dürfen nur noch höchstens die Hälfte der Arbeitsplätze gleichzeitig besetzen. Die andere Hälfte muss im Homeoffice arbeiten. Eine andere Möglichkeit, so die Senatsverwaltung, wäre die Reduzierung der Anwesenheit über Schicht- oder Wechselbetrieb.

Wozu dient die Homeoffice-Regelung?

Damit soll die Präsenz in den Büros reduziert werden, um so den Infektionsschutz zu stärken. Neue Studien hätten gezeigt, dass viele Infektionen auf der Arbeitsstätte stattgefunden hätten, besonders in Büros, weil man sich dort lange mit vielen Menschen in einem geschlossenen Raum aufhalte oder Leute in der Kantine bzw. auf dem Flur zu einem „Schwätzchen“ treffe. Bislang hätten die Selbstverpflichtungen der Wirtschaft nicht die notwendige Verringerung der Mobilität erreicht. Im Gegenteil sei die Mobilität kontinuierlich angestiegen und liege deutlich über dem Januar-Niveau.

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Gilt die Regelung auch, wenn es nur Einzelbüros gibt?

Ja, auch dann, weil auch Begegnungen während der Arbeit, in Teeküchen, Gängen, Gemeinschaftsräumen oder Kantinen reduziert werden sollen.

Was ist ein Büroarbeitsplatz?

Ein Büroarbeitsplatz wird als Arbeitsplatz definiert, an dem „Informationen erzeugt, bearbeitet, ausgewertet, empfangen oder weitergeleitet“ werden. Das betreffe beispielsweise Planungs-, Entwicklungs-, Beratungs-, Leitungs-, Verwaltungs- oder Kommunikationstätigkeiten.

Gibt es Ausnahmen von der Homeoffice-Regel?

Laut der Senatsverwaltung nur wenige, die Auslegung sei sehr eng. Ausnahmen gebe es, wenn die Reduzierung der Präsenz nicht „zweckmäßig“ sei oder die Sicherheit gefährde. Als Beispiel werden die Leitstellen von Polizei und Feuerwehr sowie Arbeitsplätze, an denen Notrufe oder Störungsmeldungen einlaufen, genannt. Auch Verwaltungsbereiche von Krankenhäusern, Arztpraxen, Rechtspflege, Justizvollzug oder bestimmte Aufgaben der öffentlichen Verwaltung seien ausgenommen. Ansonsten erlaube es die Regelung den Betrieben, „durch einfache organisatorische Maßnahmen flexibel zu reagieren“.

Was ist mit Auszubildenden?

Auszubildende sind ausdrücklich von der Homeoffice-Pflicht ausgenommen, um den Ausbildungserfolg nicht zu gefährden. Auszubildenden können, müssen aber nicht ins Homeoffice.

Dürfen Unternehmen eigene Wege finden, um die Präsenz zu reduzieren?

Dem Senat zufolge ist das erlaubt. Die Regelung sehe keine starre Verpflichtung im Detail vor. Neben Homeoffice, Telearbeit, mobiler Arbeit oder Freistellung seien auch Schicht- und Wechselbetrieb möglich. Hauptsache sei, dass nur die Hälfte der Büroarbeitsplätze gleichzeitig belegt sind.

Müssen Arbeitgeber ihren Arbeitnehmern Homeoffice anbieten?

Ja, diese Regelung des Bundes in der Sars-Cov-2-Arbeitsschutzverordnung gilt weiter (siehe unten).

Muss ich als Arbeitgeber meine Arbeitnehmer dazu zwingen, ins Homeoffice zu gehen?

Nein, es können auch andere Maßnahmen wie Schichtbetrieb ergriffen werden.

Kann mein Arbeitgeber mich zwingen, ins Homeoffice zu gehen?

Nein, sofern arbeits- oder tarifvertraglich nichts anderes geregelt ist, müssen Arbeitnehmer nicht ins Homeoffice. Sollte die Arbeit aus dem Homeoffice heraus möglich sein, wird aber dringend empfohlen, von zu Hause aus zu arbeiten. Damit schütze man sich und andere. Auch das Bundesarbeitsministerium empfiehlt Arbeitnehmern, das Homeoffice-Angebot anzunehmen.

Was passiert, wenn doch mehr als 50 Prozent der Arbeitnehmer gleichzeitig im Büro sind?

Das ist eine Ordnungswidrigkeit und kann mit einem Bußgeld geahndet werden.

Wo finde ich Antwort auf weitere Fragen zum Homeoffice?

Zuständig ist das Lagetsi, das Landesamt für Gesundheitsschutz und technische Sicherheit. Zum Thema Homeoffice gibt es eine eigene Hotline: Tel. 030 / 902 54-52 50 (Montag bis Freitag, 9 bis 14 Uhr). E-Mail: home-office-fragen@lagetsi.berlin.de

Was gilt ansonsten für die Arbeit im Büro?

Das regelt die Sars-Cov2-Arbeitsschutzverordnung des Bundes, die zurzeit noch bis zum 30. April 2021 gültig ist. Darin enthalten sind unter anderem folgende Punkte:

  • Mindestabstand von 1,5 Metern zu anderen Personen
  • Tragen von Mund-Nase-Schutz (medizinische Gesichtsmasken), wo der Abstand nicht möglich ist.
  • Der Mindestabstand gilt auch in Kantinen und Pausenräumen
  • Arbeitgeber müssen Flüssigseife und Handtuchspender in Sanitärräumen bereitstellen.
  • Regelmäßiges Lüften.
  • Müssen Räume von mehreren Personen gleichzeitig genutzt werden, müssen pro Person 10 Quadratmeter zur Verfügung stehen.
  • In Betrieben ab zehn Beschäftigten müssen diese in möglichst kleine, feste Gruppen eingeteilt werden.
  • Arbeitgeber müssen medizinische Gesichtsmasken zur Verfügung stellen.
( alu )