Corona in Berlin

Neukölln: Inzidenz schon über 200

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Dominik Bath
Auch auf Wochenmärkten ist das Tragen einer Maske Vorschrift.

Auch auf Wochenmärkten ist das Tragen einer Maske Vorschrift.

Foto: Bernd von Jutrczenka / dpa

Die Corona-Zahlen in Berlin steigen weiter. Bundesweite Debatte über flächendeckenden Lockdown und Notbremse.

Berlin. In Berlin steigt die Zahl der Corona-Infizierten weiter an. Wie aus dem Lagebericht der Gesundheitsverwaltung hervorgeht, ist momentan besonders Neukölln betroffen. In dem Bezirk lag die Inzidenz, also die Zahl der Neuinfektionen je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen, bei 206,4. Aber auch Marzahn-Hellersdorf (188,9), Mitte (173,2) und Spandau (163,1) weisen sehr hohe Werte auf.

Die Notbremse, die Bund und Länder Anfang März beschlossen und erst am vergangenen Dienstag ausdrücklich bekräftigt hatten, sieht eigentlich vor, dass Lockerungen zurückgenommen werden, wenn die Inzidenz stabil über 100 liegt. Das ist in Berlin seit Dienstag der Fall. Dennoch hatte der Senat am Sonnabend beschlossen, vorsichtige Lockerungen in Handel und Kultur nicht zurückzunehmen. Stattdessen werden die Öffnungen durch verschärfte Regeln vor allem beim Testen und bei der Maskenpflicht ergänzt. Ab Mittwoch müssen Berliner etwa einen negativen Corona-Test zum Einkaufen in Geschäften, für Besuche im Friseur- oder Kosmetiksalon sowie in Museen und Galerien vorweisen. Zudem müssen Firmen ihren Mitarbeitern künftig zwei Mal in der Woche einen Corona-Test ermöglichen. Für Personal mit Kundenkontakt gilt laut der Covid-Verordnung in der aktuellen Fassung sogar eine Testpflicht.

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Die Wirtschaft kritisierte die neuen Vorgaben. „Die Unternehmen müssen nach dem Willen des Senats nun jede Woche mehr als zwei Millionen Tests anbieten. Diese Menge wird auf absehbare Zeit kaum verfügbar sein. Hinzu kommen die zusätzlichen Kosten für viele ohnehin angeschlagene Betriebe“, sagte der stellvertretende Hauptgeschäftsführer der Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg (UVB), Alexander Schirp.

Auch die Hauptstadt-Kultur muss sich wegen steigender Corona-Infektionen auf neue Härten einstellen. Modellprojekte für Kultur- oder Sportveranstaltungen mit Zuschauern wurden gestoppt. „Wir haben zur Osterruhe vom 1. bis 5. April aufgerufen“, so am Sonntag eine Senatssprecherin. Wann die Modellprojekte weitergeführt werden könnten, mache man von der Entwicklung der Infektionszahlen abhängig.

Angesichts weiter steigender Inzidenzen waren am Wochenende Rufe nach einem harten Lockdown lauter geworden. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hält strenge Beschränkungen über zehn bis 14 Tage für notwendig. Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) sieht Deutschland „in der gefährlichsten Phase der Pandemie“. Auch über ein Vorziehen des für den 12. April geplanten Bund-Länder-Gipfels wird debattiert. CSU-Chef Markus Söder sprach sich dagegen aus. Ein Regierungssprecher sagte auf Anfrage, Bund und Länder „stehen in einem regelmäßigen Austausch zum weiteren Vorgehen in der Corona-Pandemie“.

Das Saarland will ab 6. April die Corona-Restriktionen für Gastronomie, Sport und Kultur sowie private Treffen lockern. In von anderen Bundesländern geplanten Modellkommunen sollen vergleichbare Testläufe stattfinden. Kritik daran äußerte der ehemalige ärztliche Direktor der Charité, Ulrich Frei. Gegen die Wissenschaft und die Mehrheitsmeinung machten 16 Ministerpräsidenten „Lockerungsübungen“, schrieb er auf Twitter. Nach der dritten Welle müssten „sich Staatsanwälte fragen, ob dies nicht Beihilfe zu Körperverletzung mit Todesfolge war“, so Frei weiter.