Gesundheit

Berliner Test-Zentren halbleer: Astrazeneca wenig begehrt

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dpa
Ein medizinischer Mitarbeiter hält einen negativen SARS-CoV-2-Antigentest in der Hand.

Ein medizinischer Mitarbeiter hält einen negativen SARS-CoV-2-Antigentest in der Hand.

Foto: dpa

Die Berliner bleiben misstrauisch gegenüber dem Impfstoff von Astrazeneca. Die Schnelltestzentren sind nicht gerade voll. Das alles kann der Pandemie in die Hände spielen.

Berlin. Die Berliner lassen bisher viele Möglichkeiten für kostenlose Schnelltests ungenutzt. Dazu gebe es gegenüber dem Impfstoff des Herstellers Astrazeneca eine gewisse Zurückhaltung, wie Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) am Donnerstag im Abgeordnetenhaus einräumte. Berlin habe bisher 163 000 Dosen davon bekommen. 54 000 seien an Krankenhäuser und 34 000 an Arztpraxen gegangen. 47 000 seien in Impfzentren verwendet worden.

Zugleich wies der Regierungs-Chef Vorwürfe zurück, es würden Impfdosen gegen das Virus ungenutzt lagern: "Es stimmt einfach nicht, dass Impfstoff zur Verfügung steht, der rumliegt", sagte Müller in der Fernsehsendung "rbb Spezial: Der Talk" am Donnerstag. Er reagierte damit auf Kritik des FDP-Fraktionsvorsitzenden Sebastian Czaja, der ein schnelleres Impftempo anmahnte.

Wer mit einer Impfberechtigung einen Termin online buchen will, bekommt ihn für Astrazeneca bereits mit wenigen Clicks ein paar Tage später. Auf einen Biontech-Piks müssen Impfwillige in den Zentren dagegen meist bis Mai oder noch länger warten.

Im Impfzentrum in Tegel kommt ab der Woche nach Ostern der Impfstoff von Biontech-Pfizer zum Einsatz. Termine dafür lassen sich bereits buchen, wie der Präsident des Landesverbands vom Deutschen Roten Kreuz (DRK), Mario Czaja, am Donnerstag auf Twitter mitteilte. Impfungen damit sollen ab Mittwoch (7. April) möglich sein. Die Nachfrage sei bereits erkennbar groß, sagte Czaja der Deutschen Presse-Agentur. Zunächst wird im Terminal C des ehemaligen Flughafens Tegel wie bisher der Impfstoff des schwedisch-britischen Herstellers Astrazeneca verwendet.

Anschließend soll er nur noch im Impfzentrum im Hangar 4 auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof genutzt werden. "Das hat vor allem damit zu tun, dass Astrazeneca jetzt viel stärker in die Arztpraxen geht als in die Impfzentren und zusätzlicher Biontech-Impfstoff da ist, für den die Impfzentren gut geeignet sind", sagte Czaja.

Im Impfzentrum Tegel kam es am Donnerstag Czaja zufolge zu einer mehrere hundert Meter langen Schlange. "Das haben wir noch nie gehabt", sagte der DRK-Präsident. Es habe allein für Tegel gut 3000 Anmeldungen gegeben. Gerade die Berufstätigen buchten Termine sehr kurzfristig, oft nur zwei, drei Stunden im Voraus. "Das hat heute kurzfristig zu einem Ärztemangel geführt", sagte Czaja.

Die Nachfrage nach dem Astrazeneca-Impfstoff sei damit deutlich gestiegen. Am vergangenen Freitag habe es in den Impfzentren in Tegel und Tempelhof zusammen rund 1300 Impfungen gegeben, am Samstag 3250, am Sonntag 2550. Montag bis Mittwoch seien es jeweils etwa 1700 gewesen, am Donnerstag dann 5600.

Die Impfungen mit Astrazeneca waren in Deutschland und mehreren anderen Staaten Mitte März kurz ausgesetzt worden, weil mehrere Fälle mit Thrombosen (Blutgerinnseln) in den Hirnvenen in zeitlichem Zusammenhang zur Impfung gemeldet wurden. Mittlerweile wird Astrazeneca wieder gespritzt. Der Impfstoff ist aus Sicht der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) sicher.

Hinter vorgehaltener Hand ist aber zu hören, dass zum Beispiel viele Lehrer lieber auf Biontech warten, auch wenn das dauert. Unterdessen steigen die registrierten Infektionszahlen bei Kindern und Jugendlichen nach Angaben des Robert Koch-Instituts besonders stark an. Von ihnen gingen auch zunehmend Übertragungen und Ausbruchsgeschehen aus. Impfungen sind für Kinder und Jugendliche noch nicht zugelassen.

Nach Angaben der Bildungsverwaltung sollen 50 000 Impf-Einladungen für das Dienstpersonal an den weiterführenden Schulen ab Freitag verschickt werden. Zuvor hätten bereits über 6000 Beschäftigte an Förderschulen und etwa 40 000 Beschäftigte an Grund- und Gemeinschaftsschulen Impf-Einladungen erhalten. Bisher habe es sehr viel Zustimmung für die Einladungen gegeben, versicherte ein Sprecher.

Als weiterer Weg aus der Pandemie gilt häufiges Testen. Die neuen Berliner Schnelltest-Zentren melden im Schnitt im Moment aber nur 60 Prozent Auslastung, die Test-To-Go-Stellen durchschnittlich 20 Prozent. Ein Anstieg der Nachfrage werde erwartet, teilte die Senatsverwaltung für Gesundheit am Donnerstag mit. In Discountern sind Selbsttests nach Lieferungen dagegen häufig schnell ausverkauft.

Seit dem 8. März haben alle Berlinerinnen und Berliner die Möglichkeit, sich kostenfrei in Zentren auf den Erreger Sars-CoV-2 testen zu lassen. Zurzeit gibt es nach Angaben der Gesundheitsverwaltung 21 Testzentren und 171 zertifizierte Test-To-Go Stationen. Das entspreche einer Testkapazität von 512 890 Tests pro Woche.

Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) appellierte an die Hauptstädter, die Testmöglichkeiten zu nutzen. "Ein Schnelltest kann helfen, eine unerkannte Infektionen zu entdecken. Mit Quarantäne und PCR-Nachtestung können weitere Ansteckungen vermieden werden." Auch ein PCR-Test ist dann kostenlos.

Unterdessen wurde der Kreis der Impfberechtigten in Berlin weiter ausgeweitet. Auch Angehörige, die sich zu Hause ohne Pflegedienst um hilfsbedürftige ältere Menschen oder Kinder und Jugendliche kümmern, haben nun einen Anspruch auf eine Impfung. Sie können sich per Mail bei den Pflegestützpunkten melden.

Mittes Amtsarzt Nicolai Savaskan htte bereits vergangene Woche gefordert, die starre Impfverordnung für alle Interessierten zu öffnen, falls Astrazeneca ein Ladenhüter bleibe. Das ist allerdings Sache des Bundes.

© dpa-infocom, dpa:210325-99-971613/5

( dpa )