Baugrube in Köpenick

Pohlestraße: So teuer war der Einsatz

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Lea Hensen
Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks (THW)  stehen am 1. Februar 2021 an der Baugrube in der Pohlestraße in Köpenick

Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks (THW) stehen am 1. Februar 2021 an der Baugrube in der Pohlestraße in Köpenick

Foto: Paul Zinken / dpa

Erste Rechnungen für die Sicherung der Baugrube liegen vor. Die Haftung ist noch nicht geklärt.

Dem Bezirksamt Treptow-Köpenick liegen nach dem Wasserschaden in einer Baustelle an der Pohlestraße Ende Januar erste Rechnungen vor. Demzufolge belaufen sich die Kosten für die Evakuierung und die Sicherung des Nachbargebäudes an der Pohlestraße 11 auf mindestens 125.000 Euro. Die Kosten werden allerdings weiter steigen, da ein Großteil der Rechnungen noch aussteht.

Wegen des Wasserschadens hatten die Einsatzkräfte in der Unglücksnacht am 31. Januar die Versorgungsleitungen in der Straße gekappt. 18 Hauseingänge waren evakuiert worden, 360 Personen mussten in Hotels oder zu Bekannten und konnten erst in den darauffolgenden Tagen wieder zurück. In Folge des Wasserschadens drohte das benachbarte Gebäude an der Pohlestraße 11 einzustürzen. In tagelanger Arbeit hatten die Einsatzkräfte die Baugrube verfüllt und das Fundament schließlich gesichert.

Die Rechnungssumme der damit beauftragten Firma liege bei rund 44.450 Euro, teilte das Bezirksamt mit. Zuletzt hatten die Behörden eine Summe von rund 40.150 Euro genannt. Das Bezirksamt erklärte aber, die Kosten seien geringfügig gestiegen, weil doch noch mehr Material verwendet wurde und der Aufwand bei den Verfüllarbeiten und der späteren Räumung des Materials entsprechend anstieg.

133 Personen in Hotels

Wie viele Personen bei Bekannten unterkamen oder sich eine eigene Unterkunft organisierten, konnte das Bezirksamt nicht erfassen. Für die Unterbringung von insgesamt 133 Personen in Hotels liegt dem Amt für Soziales den Angaben zufolge derzeit eine Rechnung von knapp 16.400 Euro vor. Die Rechnung müsse aber noch geprüft werden.

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen erklärte in einer Antwort auf die Schriftliche Anfrage des Abgeordneten Tom Schreiber (SPD), bislang hätten vier beauftragte Institutionen eine Rechnung von insgesamt rund 63.160 Euro gestellt. Damit belaufen sich die vorläufigen Kosten für den Einsatz auf eine Summe von rund 125.000 Euro.

Weitere Rechnungen stehen laut Bezirksamt noch aus, unter anderem für die Kosten des beauftragten Tragwerkplaners und für die Einsätze von Deutschem Rotem Kreuz und Technischem Hilfswerk (THW). „Eine erhebliche Rechnungssumme wird unter anderem vom THW erwartet“, teilte das Bezirksamt mit. Das THW war mit Einsatzgruppen aus Berlin und anderen Regionen wie Leipzig und Jena vor Ort.

Weitere Schäden erwartet

Die Behörden gehen offenbar davon aus, dass durch den Einsatz zusätzliche Schäden an den Gebäuden entstanden sind, die in Zukunft weitere Kosten verursachen werden. „Deren Erstattung wird sich nach Privatrecht richten, da die involvierten Grundstücke und Gebäude in privatem Eigentum stehen“, erklärte das Bezirksamt. Auch mit Schäden im Bereich der Straße, die immer noch großflächig abgesperrt ist, werde gerechnet.

Ungeklärt ist die Haftungsfrage. „Wer genau für die entstandenen Kosten aufkommen wird, ist noch nicht abschließend geprüft“, sagte das Bezirksamt. In den Tagen nach der Evakuierung hatten Bauleiter und Behörden in der Schuldfrage gestritten. Das Bezirksamt hatte den Bauleiter beschuldigt, den Wasserschaden fahrlässig verursacht zu haben. Unter anderem soll er die Baugrube ohne Genehmigung zur Grundwassersenkung ausgebaggert haben. Das geht so auch aus der Antwort der Senatsverwaltung hervor.

Der Bauleiter hatte diese Vorwürfe zurückgewiesen und versucht, die Verfüllarbeiten an der Grube mit einem gerichtlichen Eilantrag zu verhindern. Später erklärte er, Mitarbeiter der Baufirma hätten Teile der Grubensicherung entfernt. Die Evakuierung und die Sicherungsmaßnahmen seien jedoch überflüssig gewesen. Die juristische Aufarbeitung dauere noch an, erklärte das Bezirksamt. Bisher sei noch keine Strafanzeige gestellt worden. Auch von Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft habe man keine Kenntnis.

Pohlestraße 11: Alle Mieter wieder ausgezogen

Die Bewohner der Häuser an der Pohlestraße 7, 11 und an der Dorotheenstraße 13 mussten länger als die anderen Anwohner außerhalb ihrer Wohnungen ausharren. Sie konnten rund eine Woche nach dem Unglück wieder zurück. Ein Statiker hatte das Haus an der Pohlestraße 11 überprüft, die Bauaufsicht hatte die Häuser dann freigegeben. Nur die vier Wohnungen, die an der Giebelwand zur Baugrube liegen, galten zu dem Zeitpunkt als unbewohnbar. Laut Bezirksamt gilt diese Einschätzung nach wie vor.

Allerdings entschieden sich Mitte Februar die meisten Bewohner der Pohlestraße 11 für einen Auszug. Wie berichtet, war die Angst vor Rissen in den Wänden zu groß. Die Hausverwaltung Degewo ließ die Risse überprüfen, konnte jedoch keine Gefahr feststellen. „Derzeit leben nur noch zwei Mieter in dem Haus, wollen aber ebenfalls ausziehen“, sagte ein Sprecher der Degewo der Berliner Morgenpost. In der Dorotheenstraße würden noch acht Mieter wohnen. Zwei von ihnen hätten entschieden, umzuziehen.

Unklar, was aus der Baugrube wird

Nach Kenntnis der Bauaufsicht sei die Standsicherheit des Hauses an der Pohlestraße 7 weiterhin gegeben, teilte das Bezirksamt mit. Eine Nachfrage bei den Mietern ergab: Umzugspläne gibt es dort offenbar nicht. „Ich habe nach anderen Wohnungen gesucht, aber als dann der Statiker die Sicherheit für dieses Haus bestätigt hat, habe ich entschieden zu bleiben“, sagte eine Bewohnerin. Eine Mieterin aus einer Erdgeschosswohnung, die an die Baugrube grenzt, hat in ihren Wänden Risse festgestellt. Fenster und Türen wirken auf sie verzogen. „Meine Vermieterin hat einen Statiker geschickt, der das jetzt kontrolliert“, sagt sie. „Solange es nicht schlimmer wird, bleibe ich hier.“

Was nun aus der Baugrube wird, ist weiter unklar. „Eine weitere Vorgehensweise zum Umgang mit der Baustelle Pohlestraße 9 wurde der bezirklichen Bauaufsicht bisher nicht vorgestellt“, teilte das Bezirksamt mit. Da es sich um Privateigentum handele, seien die weiteren Schritte dem Eigentümer vorbehalten.