Berlin Trend

Corona: 78 Prozent der Berliner wollen sich impfen lassen

| Lesedauer: 7 Minuten
Joachim Fahrun
Debatte um Corona-Öffnungsstrategie in Deutschland

Debatte um Corona-Öffnungsstrategie in Deutschland

Wenige Tage vor der nächsten Bund-Länder-Runde zur Corona-Politik nimmt die Debatte um eine Öffnungsstrategie in Deutschland weiter an Fahrt auf. Während Kritiker vor übereilten Öffnungsschritten warnen, dringen Tourismus und Handel auf rasche Öffnungsstrategien.

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Der Berlin Trend zeigt weniger Impfverweigerer in der Hauptstadt als im Bundesdurchschnitt. Nur AfD-Wähler sind mehrheitlich skeptisch.

Berlin. Trotz der Debatte um Nebenwirkungen und Impfreaktionen ist die überwältigende Mehrheit der Berliner bereit, sich gegen das Coronavirus impfen zu lassen. 59 Prozent wollen sich auf jeden Fall, weitere 19 Prozent „wahrscheinlich“ eine Impfung holen. Das hat der Berlin Trend der Berliner Morgenpost und der RBB-Abendschau ergeben. Die Impfbereitschaft, die Infratest dimap festgestellt hat, ist in der Hauptstadt damit ein bisschen größer als im bundesdeutschen Durchschnitt.

In Berlin sagten zehn Prozent der 1007 wahlberechtigten Bürger, die die Meinungsforscher zwischen dem 16. und 20. Februar befragten, sie würden sich „auf keinen Fall“ impfen lassen. „Wahrscheinlich nicht“, sagten acht Prozent. Im Bundesgebiet sind die Impfverweigerer mit Werten von zwölf und neun Prozent stärker vertreten.


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Corona-Impfung in Berlin: Frauen zeigen sich skeptischer als Männer

Frauen zeigten sich in Berlin mit 22 Prozent deutlich skeptischer gegenüber der Impfung gegen Covid-19 als Männer mit 14 Prozent. In den östlichen Bezirken ist die Impfbereitschaft ein bisschen ausgeprägter als in der westlichen Stadthälfte. Besser Gebildete sind weniger impfskeptisch als Menschen mit niedrigerem Schulabschluss. Menschen über 40 Jahren neigen mit 79 Prozent eher dazu, sich die Impfung geben zu lassen als jüngere unter 40, die sich zu 75 sicher oder wahrscheinlich impfen lassen wollen. Der Anteil definitiver oder wahrscheinlicher Nein-Sager ist in der jüngsten Altersgruppe der 18- bis 39-Jährigen mit 23 Prozent deutlich höher als unter den Menschen über 65 mit 14 Prozent.

Sortiert nach politischen Präferenzen sitzen die größten Impf-Anhänger in den Lagern der Grünen und der Linken. Deren Sympathisanten sind zu fast 90 Prozent impfbereit. Die Unterstützer der anderen Parteien bringen es auf Anteile zwischen 75 und 78 Prozent.

Deutlich anders ist das Bild im Lager der AfD. Nur knapp jeder dritte würde sich sicher oder wahrscheinlich mit einem Vakzin schützen lassen. Aber 70 Prozent der Sympathisanten der rechten Oppositionspartei wollen die Impfung verweigern, 49 Prozent sind sich dessen sogar bereits sicher. Dieser Befund passt zur Stimmungslage unter den AfD-Anhängern. Was die Gefahren von Covid-19 betrifft, herrscht dort weitgehend Sorglosigkeit vor. Nicht einmal jeder fünfte Befragte (19 Prozent) aus dieser Gruppe hat große oder sehr große Sorgen, dass sie selbst oder Familienmitglieder sich mit dem Virus anstecken. 60 Prozent der AfD-Unterstützer stuften ihre Angst vor Corona als klein ein.

Nur unter den Wählern der FDP gibt es eine ähnliche Gefahreneinschätzung. Gleichwohl ist unter Liberalen die Impfbereitschaft deutlich ausgeprägter und erreicht das Niveau unter Anhängern der SPD und CDU.

Corona in Berlin: 41 Prozent mit großer Angst vor Ansteckung

Insgesamt machen sich 13 Prozent der Berliner „sehr große“ und 28 Prozent große Sorgen, sie oder ihre Lieben könnten gesundheitliche Schäden durch das Virus davontragen. 51 Prozent schätzen das Risiko als weniger groß oder klein ein. Unter den Menschen über 65 ist die sehr große Angst vor Corona mit 16 Prozent deutlich weiter verbreitet als unter den Berliner unter 40 mit neun Prozent.

Die Sorge vor eigenen finanziellen Einbußen durch Corona-Krise und Lockdown treibt jeden fünften Bürger stark um. 21 Prozent äußerten sehr große oder große Sorgen, ihre persönliche wirtschaftliche Situation könnte sich verschlechtern. Auf die Zahl der volljährigen Einwohner inklusive nicht wahlberechtigter Bürger übertragen entspricht ein solcher Anteil rund 600.000 Personen.

79 Prozent der Befragten machen sich weniger große oder kleine Sorgen vor den wirtschaftlichen Krisenfolgen. Die über 65-Jährigen, die in der Regel nicht mehr erwerbstätig sind, fühlen sich in dieser Hinsicht sicherer als jüngere. 86 Prozent machen sich nur wenig Sorgen, bei den unter 40-Jährigen sind es 76 Prozent.

Wieder fallen die AfD-Wähler aus dem Rahmen. Während ihre Sorge vor dem Virus selbst klein ist, schauen sie mit mehr Angst als andere Gruppen auf die wirtschaftlichen Folgen. 37 Prozent machen sich große oder sehr große Sorgen. Nur im Lager der FDP, wo sich viele Selbstständige befinden dürften, ist die Angst vor finanziellen Einbußen ähnlich ausgeprägt.

Berlin Trend: Mehrheit für offene Schulen und Friseure

In Berlin sind die Menschen mit breiter Mehrheit dafür, einen vorsichtigen Kurs der Öffnungen zu steuern. Mehr als zwei Drittel (69 Prozent) unterstützten die seit einer Woche laufende Öffnung von Grundschulen. In der Gruppe der unter 40-Jährigen, in der sich die meisten Eltern befinden dürften, und unter den Frauen jeden Alters halten es knapp drei Viertel für richtig, die Kinder wieder in die Schulen zu holen.

Auf große Sympathien der Hauptstädter trifft auch der einzige bislang angekündigte weitere Öffnungsschritt. Dass Friseure ab Montag wieder Kunden bedienen dürfen, finden 67 Prozent der Befragten richtig. Unter den Älteren scheint die Sehnsucht nach einem Haarschnitt größer zu sein als unter Jüngeren. In der Altersgruppe 65 plus befürworten 72 Prozent den Neustart der Friseure. Unter den Menschen zwischen 18 und 39 Jahren sind es nur 62 Prozent. Dass Frauen schöne Haare dringender ersehnen als Männer, lässt sich aus den Zahlen nicht ablesen. Beide befürworten die Friseur-Politik zu je 67 Prozent.

Je ein knappes Drittel aller Befragten (29 Prozent) würde bei der Öffnung am liebsten mit Restaurants und Gastronomie sowie mit Läden und Geschäften weitermachen. Dabei ist die Sehnsucht nach Geselligkeit in Lokalen unter Jüngeren mit 37 Prozent stärker ausgeprägt als unter Berlinern über 65 (23 Prozent). Dafür fehlt den Älteren offenbar das Shopping mehr als den Jüngeren. 34 Prozent von ihnen würden eher den Handel aufmachen – gegenüber 24 Prozent der unter 40-Jährigen.

Jeder fünfte Berliner möchte Museen, Theater und Kinos als nächstes wieder öffnen. Hier ist der Wunsch bei den höher gebildeten Menschen deutlich überproportional. Knapp jeder zehnte Befragte (neun Prozent) würde am liebsten mit Fitnessstudios und Sportstätten starten. Insgesamt können die Berliner der Politik des schrittweisen Hochfahrens einiges abgewinnen. Nur neun Prozent sind der Ansicht, der Senat solle alles gleichzeitig wieder erlauben. Unter AfD-Anhängern sind es 33 Prozent.