Ausbildung

Die Berliner Justiz sucht dringend Nachwuchs

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Alexander Dinger
Mit Motiven wie diesem sucht die Justizverwaltung nun nach Nachwuchs.

Mit Motiven wie diesem sucht die Justizverwaltung nun nach Nachwuchs.

Foto: Justizverwaltung

Für die jährlich etwa 250 Ausbildungsplätze werden das fünf- bis sechsfache an Bewerbungen benötigt. Neue Imagekampagne soll helfen.

Berlin. Die Berliner Verwaltungen suchen händeringend nach Personal. Sie müssen auf die Überalterung reagieren und stellen sich als moderne Arbeitgeber dar. Nach Polizei und Feuerwehr ruft nun auch die Justizverwaltung eine große Imagekampagne ins Leben. Auf Plakaten soll in der Stadt, in der U-Bahn, in Schulen, auf einer neuen Internetseite und auf Social-Media-Kanälen wie Instagram und Facebook um Nachwuchs geworben werden.

Die Kampagne trägt den Titel „Team der Gerechten“. Gesucht werden Männer und Frauen für die Berufe Rechtspfleger, Justizfachwirt und Justizwachtmeister. Geworben wird mit einem gerechten Gehalt, flexiblen Arbeitszeiten und sicheren Jobs. Für die jährlich etwa 250 Ausbildungsplätze benötigt man das fünf- bis sechsfache an Bewerbungen, heißt es.

Mit ihren akuten Nachwuchssorgen ist die Justizverwaltung aber nicht allein. Der weitaus größte Anteil der neuen Auszubildenden entfällt aktuell auf die Senatsinnenverwaltung. Hier sollen 1595 Berufsanfänger in diesem Jahr ihren Dienst beginnen, davon allein 1244 bei der Polizei und 579 bei der Feuerwehr. Dagegen machen die 380 neuen Mitarbeiter in der Steuerverwaltung und die 365 Auszubildenden in der Justiz einen eher geringen Anteil aus. Die zwölf Bezirke suchen in diesem Jahr insgesamt 337 Nachwuchskräfte.

Senator: „Die Kolleginnen und Kollegen sind das Rückgrat der Berliner Justiz“

Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) verweist auf die Wichtigkeit der Ausbildungsoffensive. „Die Kolleginnen und Kollegen sind das Rückgrat der Berliner Justiz“, sagte Behrendt der Berliner Morgenpost. Ohne sie funktioniere die Justiz nicht. „Daher brauchen wir gut ausgebildetes und ausreichend Personal. Ich bin froh, dass wir in den vergangenen Jahren deutlich mehr geworden sind. Damit das auch in Zukunft so bleibt, starten wir nun die neue Kampagne für den Nachwuchs in der Justiz“, so Behrendt weiter.

Bei ihrer Kampagne wirbt die Justizverwaltung mit echten Menschen aus den jeweiligen Berufen. Eine von ihnen ist Amy Schroeter. Sie ist 20 Jahre alt und hat ein duales Studium zur Rechtspflegerin begonnen. Das heißt: In einem dreijährigen Vorbereitungsdienst studiert sie an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR, Campus Lichtenberg). Während ihres Studiums hat sie mehrere Praxisstationen – dazu zählen etwa Handelsregister, Familienrecht, Nachlass, Betreuungsrecht, Grundbuch, Zwangsvollstreckung sowie der Strafvollzug.

Während ihres Studiums ist Amy Schroeter Beamtenanwärterin, danach Beamtin auf Probe und schließlich Beamtin auf Lebenszeit. „Die Sicherheit war ein Grund dafür, dass ich mich für dieses Studium entschieden habe“, sagt sie. Für die Justiz und das Recht habe sie sich schon lange interessiert. Während ihres Abiturs war sie Schülersprecherin und interessierte sich bereits für diese Themen. Nach dem Abitur absolvierte sie zunächst eine Ausbildung als Notarfachangestellte, brach diese aber nach einem Jahr ab, als sie den Studienplatz bekam. Eine Bekannte, die Staatsanwältin ist, riet ihr zu dem dualen Studium. „Ich bin sehr zufrieden“, sagt Amy Schroeter im Gespräch mit der Berliner Morgenpost. Sie habe es nicht bereut.

Ausbildungszahlen

Trotz der Einschränkungen der Corona-Pandemie wollen alle Berliner Verwaltungen in diesem Jahr mehr Auszubildende einstellen. Der Stellenplan von Finanzsenators Matthias Kollatz (SPD) sieht vor, dass in diesem Jahr 3236 freie Ausbildungsstellen besetzt werden. In den beiden vergangenen Jahren waren es 2758 (2018) und 2839 (2019). Mit den gestiegenen Ausbildungszahlen sollen der Personalschwund im öffentlichen Dienst ausgeglichen werden. Durch die starke Überalterung scheidet in den kommenden Jahren ein Drittel der Mitarbeiter in den Verwaltungen aus.