Corona-Pandemie

In Berlin erhalten über 70-Jährige Einladung zum Impfen

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Joachim Fahrun
Schnelltests richtig anwenden: So geht es

Selbsttests richtig anwenden: So geht es

Drei Schnelltests sind nun in Deutschland genehmigt. Allesamt sollen in den nächsten Tagen in Drogerien und Discountern erhältlich sein. Worauf beim Testen geachtet werden sollte, sehen Sie im Video.

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Die ersten 10.000 Briefe an Impfkandidaten der zweiten Prioritätsgruppe wurden bereits verschickt. Weitere sollen folgen.

  • Die Impfkampagne in Berlin nimmt an Fahrt auf: In den kommenden Tagen werden erstmals auch Menschen unter 80 Jahren zur Corona-Schutzimpfung eingeladen.
  • Auch chronisch Kranke sollen einen Brief mit der Einladung zum Impfen bekommen. Zuletzt hatte es Streit darüber gegeben, wie diese Menschen erfasst werden sollen.
  • Geplant wird derzeit, ob und wie auch Menschen in Arztpraxen geimpft werden können.
  • Demnächst losgehen mit dem Impfen soll es auch für bestimmte Lehrer, Kita-Personal, Polizisten und Kontaktpersonen von Pflegebedüftigen.

Berlin. In Berlin sollen bis kommenden Dienstag die Menschen im Alter von 79, 78 und 77 Jahren zum Impfen gegen das Coronavirus eingeladen werden. Das hat Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) am Donnerstag im Abgeordnetenhaus angekündigt. Am Mittwoch seien 10.000 Briefe an die ersten Impfkandidaten der zweiten Prioritätsgruppe der 70- bis 80-Jährigen herausgeschickt worden. Am Donnerstag sollten es 25.000 sein, an den Folgetagen je 28.000, so die Senatorin. Wann die Personen dann ihre Schutzimpfung bekommen könnten, hänge auch von den Lieferungen des Impfstoffes ab.

Biontech hat aber für die kommende Woche umfangreiche Lieferungen angekündigt. Kalayci berichtete auch über das weitere Vorgehen für die Gruppe der chronisch Kranken. Sie gehe davon aus, dass viele der bereits von der Impfkampagne erfassten Menschen über 70 Jahren auch als chronisch krank gelten. Für die Erkrankten zwischen 65 und 70 Jahren stellte die Senatorin das nun mit den Kassenärzten verabredete Verfahren vor. Die Hausärzte der Patienten sollten eigentlich den Menschen entsprechende Atteste ausstellen. So machten es etwa die Hausärzte in Brandenburg.

Corona-Impfung in Berlin: Kassenärztliche Vereinigung befürchtet Ansturm auf Praxen

In Berlin habe sich aber die Kassenärztliche Vereinigung (KV) dagegen gestellt, um einen Ansturm auf die Praxen zu vermeiden. “Die wollen die Atteste nicht ausstellen”, sagte Kalayci. Dabei seien die Vergütung von 5,60 Euro pro Test und 90 Cent für den Versand auch festgelegt. Jetzt habe man verabredet, dass die KV aufgrund der vorliegenden Abrechnungsdaten die Patienten mit den entsprechenden Vorerkrankungen identifiziert. Diese Menschen bekämen dann “proaktiv” einen Code per Post zugeschickt und könnten sich dann einen Impftermin beschaffen. Diese Menschen müssten “prioritär geimpft werden”, so die Senatorin.

Für chronisch kranke Menschen unter 65 verwies Kalayci auf Pläne der KV, die Patienten der Onkologie, Dialyse und Diabetes direkt in den Praxen zu impfen, die sie ohnehin behandeln. Auch andere Praxen wollten mitmachen. In der nächsten Woche wolle die KV vorstellen, wie viele Menschen sie in den Praxen impfen können. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) habe zugesagt, dafür eine Vergütung zu zahlen. Körperlich und geistig Behinderte sollen in ihren Werkstätten und Wohnheimen mit Impfstoff versorgt werden. Sie würden von den Trägern der Eingliederungshilfe eingeladen und von den mobilen Impfteams behandelt werden. Spätestens Mitte März solle es für diese Menschen ein Impfangebot geben.

Corona: Impfung für Kita-Beschäftigte besonders dringend

Kontaktpersonen von Pflegebedürftigen, die ebenfalls im Paragraf 3 der Impfverordnung als Priorität benannt wurden, sollen über die stationären Pflegeheime und ambulanten Pflegedienste identifiziert werden. Jeder Pflegebedürftige soll zwei Kontaktpersonen benennen können, die dann Impfcodes bekommen. Das Impfen der Polizisten verlaufe “relativ zügig”, so die Gesundheitssenatorin. Für Erzieher und Lehrkräfte sei sie mit Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) dabei, das Verfahren abzustimmen. Für die Kita-Beschäftigten und das Personal in Förderschulen sei wegen der nur schlecht einzuhaltenden Abstände eine Impfung besonders dringlich.

Auch die Obdachlosen in der Kältehilfe sollen ab der übernächsten Woche geimpft werden. Eine Umfrage in den Heimen habe eine hohe Impfbereitschaft dieser Menschen ergeben, sagte Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke). 20 Prozent seien aber noch skeptisch.

Berlin kauft zwei Millionen Corona-Selbsttests

Zum Thema Schnelltest sagte Kalayci, Berlin habe zwei Millionen Stück des zur Selbstanwendung zugelassenen Tests von Siemens gekauft, die in der zweiten März-Woche geliefert und für das Personal in Kitas und Schulen genutzt werden sollen. Dass Berlin bereits drei Millionen Testkits gekauft hat, die bisher nur geschultes Personal anwenden darf, sieht Kalayci nicht als großes Problem. Man rechne sich gute Chancen aus, dass sie bald zugelassen würden.

Bildungssenatorin Scheeres sagte, die Hilfsorganisationen hätten seit Montag bereits an mehr als 500 Schulen und Kitas Personal geschult, um die Tests bei den Kollegen anzuwenden. Wenn die Selbsttests angekommen seien, werde man sie an die Schulen verteilen. Es gebe die Idee, Lehrkräften und Schulen Wochenportionen der Selbsttests mit nach Hause zu geben. Für Kita-Kinder werde es keine Selbsttests und auch keine Schnelltests geben, versicherte Scheeres.

Wann weitere Jahrgänge in die Schulen zurückkehren könnten, wollte die Senatorin nicht sagen. „Wir schauen uns die Situation an und werden im Senat entscheiden, ob wir nächste Schritte gehen können”, sagte die Bildungssenatorin.

Simulationen von Berliner Wissenschaftlern haben die Wirksamkeit von Selbsttests bestätigt. „Ein breiter Einsatz in der Bevölkerung mit zwei Schnelltests für jeden pro Woche würde uns ersparen, den Lockdown restriktiver zu machen", sagte Kai Nagel, Leiter des Fachgebiets Verkehrssystemplanung und Verkehrstelematik an der Technischen Universität.

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