Krankheiten

Nachfrage nach Impfstoff Astrazeneca läuft langsamer an

| Lesedauer: 4 Minuten
dpa
Eine Ampulle des Corona-Impfstoffs von Astrazeneca.

Eine Ampulle des Corona-Impfstoffs von Astrazeneca.

Foto: dpa

Impfstoff in der Pandemie war bisher begehrt. Ist das beim Produkt des Herstellers Astrazeneca in Berlin anders? Experten halten Zweifel für unbegründet.

Berlin. Die Senatsverwaltung für Gesundheit sieht in der Pandemie bisher keine spürbare Ablehnung des Impfstoffs vom Hersteller Astrazeneca in Berlin. Die Vergabe laufe aber etwas langsamer an. In den Krankenhäusern werde das Personal geimpft, sagte Sprecher Moritz Quiske am Mittwoch. Da die Nebenwirkungen bei diesem Impfstoff bekanntermaßen etwas stärker seien, werde meist etappenweise gespritzt, um dem Personal einen Tag Erholung zu gönnen.

Im Impfzentrum Tegel, das Astrazeneca anbietet, sei die Nachfrage mit rund 5000 Immunisierungen bisher etwas hinter den Erwartungen zurückgeblieben, stellte Quiske fest. Allerdings seien die Einladungen an tausende niedergelassene Ärzte auch erst Ende vergangener Woche mit den entsprechenden Codes herausgegangen. Auch das Winterwetter könne beim bisherigen Zögern eine Rolle gespielt haben. Es gebe keinen Anlass, aufgrund der bisherigen Erfahrungen mit Astrazeneca Priorisierungen in Berlin zu ändern.

Der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin (KV) sei nicht bekannt, dass es in der Ärzteschaft eine Zurückhaltung gegenüber dem Astrazeneca-Impfstoff gibt, teilte eine Sprecherin auf Anfrage mit. Der Vereinigung seien dort bisher nur wenige Einzelfälle bekannt, die eine Impfung damit nicht guthießen. Alle zugelassenen Impfstoffe seien gleichwertige Instrumente im Abwehrkampf gegen diese Pandemie. Nebenwirkungsprofile seien eine völlig normale Reaktion des Körpers und sprächen gerade auch für eine sich entwickelnde Abwehrreaktion gegen das Virus.

Durch die Umstellung des Impfstoffes stünden Kliniken deutlich mehr Impfdosen für die Immunisierung des medizinischen Personals zur Verfügung, hieß es vonseiten der Berliner Krankenhausgesellschaft. Die Impfung im Krankenhaus sei ein Wettlauf mit der Zeit. Auch wenn viele Mitarbeitende einen anderen Impfstoff vorziehen würden, sollten doch möglichst viele von dem Angebot Gebrauch machen. Denn die Präparate seien weiterhin noch knapp. Zurzeit gelte, dass jede Impfung das Infektionsrisiko insgesamt eindämme und Ausbrüche verhindern könne.

Auch Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) unterstrich die Wirksamkeit aller drei zugelassenen Impfstoffe in Deutschland. Charité-Virologe Christian Drosten hält grundsätzliche Bedenken gegen den Astrazeneca-Impfstoff für unbegründet und ist für einen breiten Einsatz des Präparats. "Bei Astrazeneca gibt es keine Wahlfreiheit", sagte Kalayci.

Der Impfstoff wird in Deutschland bisher nur bis 65 Jahre empfohlen. Diese Altersbegrenzung kann aber auch verzerrende Effekte in der Wahrnehmung haben. Normale Impf-Nebenwirkungen wie Müdigkeit oder Fieber fallen bei Jüngeren wegen ihres besseren Immunsystems oft stärker aus. Menschen unter 65 sind in der Regel auch noch berufstätig. Krankmeldungen wegen Impfnebenwirkungen fallen also - anders als bei Senioren - eher auf.

Nur Menschen über 80 Jahre können sich bisher in Berlin ein Impfzentrum aussuchen. Damit können sie indirekt über den Impfstoff mitentscheiden, da jedes Zentrum nur mit einem Hersteller beliefert wird. Astrazeneca wird dieser Gruppe aufgrund der Impfempfehlungen für Deutschland erst gar nicht angeboten. Am Mittwoch eröffnete im Velodrom im Stadtteil Prenzlauer Berg das fünfte von insgesamt sechs Berliner Impfzentren. Dort wird Impfstoff des US-Herstellers Moderna gespritzt.

Die Senatorin würde den Astrazeneca-Impfstoff ab März gern auch an Hausarztpraxen liefern lassen. Denn es ist bislang das einzige in Deutschland zugelassene Vakzin, mit dem das technisch möglich wäre. Dazu fehle aber bisher die Erlaubnis vom Bund. Es gebe dringenden Bedarf, diese Verordnung zu überarbeiten, sagte Kalayci. Sonst könne Berlin nur mit einem Trick arbeiten - und die Praxen zum Beispiel zu mobilen Impfteams erklären.

Dem von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) angekündigten kostenlosen Schnelltest ab März steht die Berliner Gesundheitsverwaltung noch skeptisch gegenüber. Es bestehe beim Aufbau geplanter Teststellen, der von den Ländern geleistet werden solle, die Gefahr eines "bürokratischen Monsters", sagte Sprecher Quiske. Sinnvoller seien aus Berliner Sicht Zulassungen von Schnelltests, die jeder Bürger leicht selbst durchführen könne.

Spahn hatte angekündigt, ab dem 1. März sollten alle Bürger kostenlos von geschultem Personal auf das Coronavirus getestet werden können. Geplant sind demnach Gratis-Schnelltests in Testzentren, Praxen und Apotheken, mit denen man innerhalb von etwa 15 Minuten ein Ergebnis bekommt. Dazu muss man sich einen Nasen- oder Rachenabstrich abnehmen lassen.

© dpa-infocom, dpa:210217-99-476556/4

( dpa )