Engagement in Berlin

„Beim Thema Ehrenamt hat Berlin eine Menge zu zeigen“

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Petra Götze
Carola Schaf-Derichs, Geschäftsführerin der Landesfreiwilligenagentur.

Carola Schaf-Derichs, Geschäftsführerin der Landesfreiwilligenagentur.

Foto: Gregor Baumann / Landesfreiwilligenagentur Berlin

Interview mit Carola Schaf-Derichs, Geschäftsführerin der Landesfreiwilligenagentur Berlin, zum Thema Engagement.

Berlin.  Berlin ist im Jahr 2021 Europäische Freiwilligenhauptstadt (European Volunteering Capital). Mit dem Titel würdigt das Europäische Freiwilligenzentrum, was in Berlin beim freiwilligen Engagement und im Ehrenamt geleistet wird. Im Rahmen des Aktionsjahres soll die Vielfalt des Engagements eine besondere Sichtbarkeit und Wertschätzung erfahren und Menschen dafür begeistert werden. Wir haben dazu mit der Geschäftsführerin der Landesfreiwilligenagentur, Carola Schaaf-Derichs, gesprochen.

Berliner Morgenpost: Was ist die Landesfreiwilligenagentur?

Carola Schaaf-Derichs: Wir sind das Berliner Kompetenzzentrum und die Austauschplattform für alle Fragen zum Thema freiwilliges Engagement und werden von der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales gefördert. Als Entwicklungsagentur haben wir im Zuge der bisherigen 33 Jahre hilfreiche Rahmenbedingungen für das bürgerschaftliche Engagement aufgebaut und verstetigt, wie z.B. das Freiwilligenmanagement. Wir beraten, wo es hakt, wo Staat, Wirtschaft, Wissenschaft und auch die Medien noch helfen können. Freiwillige sind wertvoll, da sie ihre Zeit für eine gute Sache investieren. Sie sollen weder unter- noch überfordert werden.

Wie viele Menschen engagieren sich in Berlin freiwillig?

Die letzte Erhebung darüber stammt von 2014, da waren es mehr als 800.000 Menschen. Seitdem hat es aber zwei Schübe gegeben: einmal im Sommer 2015, als die Flüchtlinge kamen und dann im vergangenen Jahr mit der Corona-Krise. Da entstanden spontan ganz viele private Initiativen und Hilfsangebote und viele neue digitale Plattformen wurden gegründet.

Sie meinen also, das Engagement hat im vergangenen Jahr durch Corona zugenommen?

Es gab und gibt weiterhin sehr viel Nachbarschaftshilfe beim Einkaufen, kleine Netzwerke haben sich gebildet und die meisten sind dabei geblieben, weil sie Spaß dabei haben. Bei der Digitalisierung gab es im letzten Jahr enorme Entwicklung. Aber etwa zehn Prozent der gemeinnützigen Initiativen und Vereine haben das Corona-Jahr nicht überstanden, gerade im Betreuungsbereich

Kommen ältere Ehrenamtliche mit der Digitalisierung klar?

Das ist eigentlich keine Altersfrage. Gerade lebenserfahrene Menschen erkennen darin die kommunikativen Funktionen und nutzen sie. Viele haben den Sprung ins Digitale längst getan, weil sie gesehen haben wie gut zum Beispiel Mentoren-Programme auch online funktionieren. Auf der anderen Seite gibt es auch Ehrenamtliche, denen der persönliche Kontakt und die direkte Begegnung am wichtigsten sind. Wenn das wegen Corona nicht möglich ist, fehlt die Motivation und sie hören auf.

Ist das Engagement unter Corona-Bedingungen schwieriger geworden?

Der Freiwilligensektor ist sehr innovativ und kreativ, auch in der Corona-Zeit. Viele Vereine und Initiativen sind neue Wege gegangen, mussten mit wenigen Mitteln viel Neues leisten, oft ohne die entsprechende technische Ausstattung oder Kenntnisse.

Was würde den Vereinen helfen?

Ganz eindeutig fehlt die Ausstattung für das Digitale. Wir brauchen ein Digitalpaket für die Freiwilligen mit Schulungen, Ausstattung, Software und Lehrvideos zum Arbeiten mit den Tools. Die Digitalisierungshilfen sind unsere wichtigste Forderung für das Arbeiten im freiwilligen ehrenamtlichen Bereich.

Was bedeutet der Titel Europäische Freiwilligenhauptstadt?

Ein Jahr großer Aufmerksamkeit, Anerkennung und Austausch fürs Engagement! Ein Beitrag von uns dreht sich um aktuelle Aufgaben und Fachaustausch zum Freiwilligenmanagement im europäischen Vergleich. Wir wollen schauen, wie es in anderen Europäischen Staaten läuft und wo wir unsere Erfahrung weitergeben können. Außerdem machen wir eine Auszeichnung von „Gestalter:innen der Zivilgesellschaft“ in Berlin. Damit wollen wir die gesellschaftliche Vielfalt der Stadt im variantenreichen Engagement Berlins zeigen. Menschen mit tollen Ideen und Initiativen sollen in den Mittelpunkt rücken und gewürdigt werden, denn das ist unser größtes Kapital.

Freiwilligenbörse

Berlins größte Messe für bürgerschaftliches Engagement findet zum zweiten Mal als Online-Event statt. Unter dem Motto „Zivilgesellschaft.Gestalten.Wir!“ präsentieren sich vom 17. bis 23. April Organisationen auf den unterschiedlichsten Themenfeldern mit ihren Angeboten für freiwilliges, ehrenamtliches, bürgerschaftliches Engagement.

Vereine, Projekte, Verbände, Initiativen, Stiftungen, Unternehmen und andere Akteure, die bürgerschaftlich engagiert gemeinnützig tätig sind und dafür freiwillig oder ehrenamtlich aktive Menschen suchen, können sich noch bis zum 21. Februar 2021 um eine Teilnah auf der 14. Berliner Online-Freiwilligenbörse bewerben. Weitere Informationen, einen Info-Workshop am 15. Februar und die Anmeldung gibt es unter unter berliner-freiwilligenboerse.de