Naturschutz

"Stunde der Wintervögel" mit Rekordergebnis

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Die „Stunde der Wintervögel“ ist Deutschlands größte wissenschaftliche Mitmachaktion. In diesem Jahr gab es eine Rekord-Teilnahme in Deutschland.

Die „Stunde der Wintervögel“ ist Deutschlands größte wissenschaftliche Mitmachaktion. In diesem Jahr gab es eine Rekord-Teilnahme in Deutschland.

Foto: NABU/Sebastian Hennigs

Mehr Vogelfreunde denn je unterstützen diesjährige Vogelzähl-Aktion des Nabu. Bisher milder Winter zeigt sich im Vogelaufkommen.

Berlin. Erfolgreiche Naturschutz-Aktion: Die „Stunde der Wintervögel“ vom Wochenende hat alle Rekorde gebrochen. Bis zum Morgen des 13. Januar meldeten bundesweit über 185.000 Vogelfreunde ihre Ergebnisse an den Naturschutzbund Deutschland e.V. (Nabu) und seinen bayerischen Partner, den Landesbund für Vogelschutz (LBV). Gesichtet wurden über 4,4 Millionen Vögel aus über knapp 130.000 Gärten, berichtet der Nabu. In Berlin wurden in 3330 Gärten 113.095 Vögel gezählt. 5002 Vogelfreunde haben in der Hauptstadt bei der "Stunde der Wintervögel" mitgemacht. Die Zahlen würden noch weiter steigen, da bis kommenden Montag nachgemeldet werden könne, heißt es beim Nabu.

„Das Zwischenergebnis hat damit bereits die bisherige Rekordteilnahme aus dem Vorjahr weit übertroffen“, sagt Nabu-Bundesgeschäftsführer Leif Miller. „Wir freuen uns sehr über die stetig wachsende Beliebtheit unserer wissenschaftlichen Mitmachaktion. Sicherlich hat auch der derzeitige Corona-Lockdown dazu geführt, dass mehr Menschen ihr Interesse für die Natur vor der eigenen Haustür entdecken. Vielleicht ergibt sich daraus bald auch mehr Engagement für den Vogelschutz im eigenen Garten. “

Die „Stunde der Wintervögel“ ist Deutschlands größte wissenschaftliche Mitmachaktion und fand vom 8. bis 10. Januar zum elften Mal statt. Noch bis zum 18. Januar können Vogelbeobachtungen an den NABU nachgemeldet werden.

"Stunde der Wintervögel": Haussperling, Ringeltaube und Rotkehlchen häufig gesichtet

Weniger erfreulich sind die Ergebnisse der Zählung, so der Nabu. „Die Gesamtzahl von derzeit 34,3 Vögeln pro Garten stellt den bisher niedrigsten Wert seit Beginn der Aktion im Jahr 2011 dar“, so Nabu-Vogelschutzexperte Lars Lachmann. Aus den Analysen ist bekannt, dass Anfänger in der Vogelbeobachtung im Schnitt weniger Vögel erkennen und notieren als Routiniers. Hauptgrund für den scheinbaren Vogelmangel dürfte allerdings der milde Winter sein, heißt es beim Nabu.

„Insgesamt ist das Ergebnis fast ein Spiegelbild des Winters 2017. Auch damals fehlten besonders die typischen Futterplatzbesucher wie Kohlmeisen, Schwanzmeisen, Kleiber, Gimpel und Kernbeißer – Arten, deren Winterbestände auf den Zuzug von Artgenossen aus dem Norden angewiesen sind. Dieser ist im bis kurz vor der Zählung europaweit sehr milden Winter wohl teilweise ausgeblieben", erklärt Vogelschutzexperte Lachmann Auch Blaumeisen wurden weniger gesichtet. Ob und wie das Blaumeisensterben aus dem Frühjahr 2020 hier Spuren hinterlassen hat, müsse aber erst noch ausgewertet werden.

Im Gegensatz dazu haben laut Nabu derzeit einige sesshafte Arten und solche, die kalte Winter meiden, besonders gute Bestände in Deutschlands Gärten. Allen voran der Haussperling, der wie in allen milden Wintern auf Platz eins der Wintervogelrangliste flatterte. Mit 6,83 Vögeln pro Garten erreicht er voraussichtlich ein neues Rekordergebnis. Einen neuen Rekord schafft auch die Ringeltaube, die damit sogar zum achthäufigsten Wintervogel in Deutschlands Gärten wird. Grund ist zum einen die Bestandszunahme der Art, aber auch eine zunehmend geringere Zugneigung dieses Teilziehers. Auch das Rotkehlchen scheint sich über den milden Winter zu freuen und erreicht sein bestes Ergebnis nach 2011. Hier gibt es die Ergebnisse der Aktion "Stunde der Wintervögel" im Detail für jedes Bundesland und ganz Deutschland.

Ab 18. Januar wird der "Vogel des Jahres" gewählt

Ein besorgniserregend schwaches Ergebnis, das nicht mit dem Wetter erklärt werden könne, lieferte indes der Grünfink. Es wurden nur 0,9 Grünfinken pro Garten gemeldet, so der Nabu. Damit gebe es heute nur noch ein Viertel der Grünlinge, die 2011 die Gärten bevölkerten. Als Ursache gelten vor allem Infektionen mit Trichomonaden an sommerlichen Futterstellen, aber wohl auch, dass auf landwirtschaftlichen Flächen das Nahrungsangebot für diese Art knapper geworden ist.

Die fünf am häufigsten gemeldeten Arten bei der "Stunde der Wintervögel" waren in diesem Jahr wie bisher immer Haussperling, Kohlmeise, Feldsperling, Blaumeise und Amsel. Im Vergleich zum Vorjahr haben nur Feldsperling und Blaumeise die Plätze getauscht.

Ab dem 18. Januar findet die Wahl des Vogels des Jahres statt, informiert der Nabu. Dann kann aus zehn Kandidaten, die vorab in einer öffentlichen Online-Wahl bestimmt worden waren, der Sieger-Vogel gewählt werden.

( BM )