Energie

Neue Vattenfall-Chefin sieht Energiewende auf gutem Weg

Trotz des schleppenden Windenergie-Ausbaus in Deutschland: Für die neue Chefin des schwedischen Energiekonzerns Vattenfall läuft die Energiewende in Europa in die richtige Richtung. Dafür sollen auch die eigenen Investitionen stehen.

Berlin. Die neue Chefin des schwedischen Energie-Konzerns Vattenfall sieht die Energiewende in Europa auf einem guten Weg. "Wir sehen natürlich den regulatorischen Druck. Wir sehen aber auch die abnehmenden Kosten für fossilfreie und nachhaltige Technologien", sagte sie der Deutschen Presse-Agentur. "Wir sehen die steigenden Preise für CO2-Emissionen und wir sehen die steigende Nachfrage und auch den Willen, für CO2-freie Lösungen zu zahlen." Das alles treibe die Entwicklung voran. Gleichwohl gehe nicht alles reibungslos voran.

"Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die nationalen Ziele, die europäischen Ziele und das Paris-Abkommen miteinander zu verbinden und das sieht in verschiedenen Ländern unterschiedlich aus", sagte Borg mit Blick etwa auf Schwierigkeiten beim Ausbau der Land-Windenergie in Deutschland. Es brauche daher regulatorische Rahmenbedingungen und nach Möglichkeit europaweite Nachhaltigkeitsstandards.

Borg begrüßte in diesem Zusammenhang den in Deutschland eingeleiteten Weg des Kohleausstiegs und die damit verbundenen Auktionen und Kompensationen für die betroffenen Unternehmen. Die Betreiber der Steinkohlekraftwerke konnten bei der Bundesnetzagentur um den Zuschlag für die Stilllegung bieten. Auch Vattenfall hatte sich daran beteiligt und den Zuschlag für das eigene Steinkohlekraftwerk in Hamburg-Moorburg erhalten.

Der Bund schüttet an sie und die Eigentümer mehrerer kleinerer Kraftwerke 316 Millionen Euro an Entschädigungen aus. Der dickste Batzen geht an den größten deutschen Stromerzeuger RWE, der zwei Steinkohlekraftwerke abschaltet und dafür 216 Millionen Euro erhält. "Ich denke, dass das Auktions- und Kompensationssystem sicherlich für eine schnellere Transformation bei der Kohle sorgt", sagte Borg.

Der Konzern will das seit Jahren umstrittene Kraftwerk Moorburg nun einmotten. Zu den damit verbundenen Kosten nach jahrelanger Planungs- und Bauzeit sagte Borg nichts und betonte lediglich: "Moorburg ist erst seit 2015 im Betrieb, auch wenn die Entscheidung für diese Investition natürlich viel früher gefallen ist. Wenn wir damals gewusst hätten, was wir heute wissen, wäre dies nicht so entschieden worden."

Insgesamt scheiden nach Zahlen der Bundesnetzagentur bis Ende 2023 rund 19 Gigawatt konventionelle Kraftwerkskapazität aus dem Strommarkt aus. Dazu gehören die verbliebenen Kernkraftwerke (rund acht Gigawatt), die bis Ende 2022 abgeschaltet werden. Nicht mehr zur Verfügung stehen dann auch Braunkohleblöcke (mehr als zwei Gigawatt), die noch in einer Sicherheitsbereitschaft sind. Über das Kohleausstiegsgesetz fallen zudem rund neun Gigawatt weg.

Während in Deutschland auch die Atomkraftwerke stillgelegt werden, bleibt die Nuklear-Energie in Europa sowie global noch jahrzehntelang wichtiger Teil des Energiemixes. "Aus Vattenfall-Sicht planen wir allerdings keine weiteren Investitionen in große Atomkraftwerke", sagte Borg. "Damit sich solche Großinvestitionen rechnen, müssen sie 40, 50 Jahre am Netz sein und das ist aus finanzieller Sicht heutzutage einfach zu riskant."