Prozess

Nach Tod eines Jungen (12): Geldstrafe für Motorradfahrer

Der Junge hatte in Lichtenberg eine Kreuzung bei Rot überquert. Ein Gericht urteilt nun: Der Unfall wäre zu verhindern gewesen.

Foto: Thomas Peise

Berlin. Ein Motorradfahrer ist am Dienstag nach einem Unfall mit einem damals zwölf Jahre alten Jungen vor dem Amtsgericht Tiergarten wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe von 4200 Euro verurteilt worden. Der 31 Jahre alte Mann hatte den Jungen am 30. Juni 2018 mit seiner Kawasaki an der Kreuzung von Landsberger Allee und Vulkanstraße in Lichtenberg erfasst. Der Junge erlitt dabei schwere Verletzugen. Er wurde anschließend im Wachkoma in einer Pflegeeinrichtung betreut. Im August 2019 wurde er nach einem Zwischenfall zunächst reanimiert. Wenige Tage später starb er dann in Folge einer Lungenentzündung.

Dem Gutachten eines Verkehrssachverständigen zufolge war der Motorradfahrer vor dem Unfall, der sich um 16 Uhr ereignete, in westlicher Richtung auf der Landsberger Allee mit einer um 10 bis 14 Stundenkilometer überhöhten Geschwindigkeit unterwegs gewesen. Zeugen sagten zudem aus, dass er sich unmittelbar vor dem Zusammenstoß „mit aufheulendem Motor“ für Überholmanöver durch die Autos geschlängelt hatte.

Zwölfjähriger und Begleiter überquerten Kreuzung bei Rot

Auf die Kreuzung fuhr er den Ermittlungen zufolge bei grünem Ampellicht, während der zwölf Jahre alte Junge und sein 14-jähriger Begleiter die Straße bei Rot überquerten. Der Motorradfahrer hatte die Jungen übersehen. Bei korrekter Fahrweise hätte er sie laut Sachverständigengutachten jedoch sehen können und sehen müssen. Den Unfall hätte er dann durch eine Notbremsung verhindern können. Die Überholmanöver seien nicht notwendig gewesen, der Motorradfahrer habe dadurch nur schneller voran kommen wollen. Hätte er darauf verzichtet, hätte er die Kreuzung besser einsehen können.

Der Junge starb medizinisch betrachtet nicht unmittelbar an den Unfallfolgen sondern an der durch Krankenhauskeime verursachten Lungenentzündung. Ohne den Unfall wäre sein Tod aber nicht eingetreten, so die juristische Betrachtung. Das Gericht entschied daher auf fahrlässige Tötung und schloss sich damit der Wertung der Staatsanwaltschaft an.

Motorradfahrer konnte sich nicht mehr an Unfall erinnern

Der angeklagte Motorradfahrer konnte sich nach eigener Aussage wegen des Sturzes bei dem Unfall nicht mehr an den Hergang erinnern. Der Unfall beschäftige ihn jeden Tag und belaste ihn sehr. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Geldstrafe von 120 Tagessätzen gefordert. Der Angeklagte wäre damit vorbestraft gewesen. Die vom Gericht verhängte Strafe von 70 Tagessätzen à 60 Euro akzeptierte der Angeklagte und verzichtete darauf, Rechtsmittel gegen das Urteil einzulegen. Ob die Staatsanwaltschaft das Urteil akzeptiert, war am Dienstag noch offen.

Laut Unfallstatistik wurden in Berlin im vorvergangenen Jahr 1,77 Prozent aller Unfälle durch Fahrer motorisierter Zweiräder verursacht. In den meisten Fällen waren die Zusammenstöße auf eine „nicht angepasste Geschwindigkeit“ zurückzuführen. Oft verursachten Kradfahrer Unfälle auch, weil sie Fehler beim Abbiegen machten oder wenn sie die Fahrspur wechselten. Die vierthäufigste Ursache ist laut Unfallstatistik das Fahren unter Einfluss von Alkohol.

Die Zahl der bei Unfällen verunglückten Kinder lag 2019 bei 669. In den Jahren zuvor waren deutlich mehr Minderjährige bei Unfällen verletzt worden. So lag etwa die Zahl im Jahr 2018 bei 768. Die Zahl der bei Unfällen verunglückten Kradfahrer wird für 2019 mit 2015 angegeben. Zwei Kradfahrer kamen ums Leben.