Tierschutz

Senat will Kastrationspflicht für Katzen in Berlin einführen

Justizsenator Dirk Behrendt (Grüne) plant eine Verordnung, um die Zahl verwilderter Katzen in der Stadt nicht weiter zu vergrößern.

Eine junge Katze sitzt in einem Gebüsch.

Eine junge Katze sitzt in einem Gebüsch.

Foto: dpa

Berlin. Schnurrend kreisen sie ihren Besitzern um die Beine, wenn diese nach Hause kommen. Sie suchen die Gesellschaft der Menschen, meistern ihren Alltag aber weitgehend selbstständig: Katzen gehören zu den beliebtesten Haustieren der Deutschen. Und das ist auch in Berlin so – obwohl der Verkehr für die Vierbeiner nicht ungefährlich ist, halten viele Einwohner Katzen. Gehen diese aber einmal nach draußen, führt das oft zu einer unkontrollierten Vermehrung. Etwa 10.000 Streuner soll es in der Hauptstadt geben, deren Nachkommen oft verwahrlosen.

Ein weiteres Problem besteht darin, dass die Hauskatze häufig auf Jagd nach Vögeln geht, die ohnehin bereits bedroht sind. Um die weitere Vermehrung herumstreunender Katzen zu verhindern, hat nun die Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung eine neue Katzenschutzverordnung auf den Weg gebracht: Demnach sollen Katzen künftig nur noch dann das Haus verlassen dürfen, wenn sie kastriert und über einen Chip gekennzeichnet sind. „Der Entwurf befindet sich noch in der Abstimmung. Er wird derzeit mit anderen Senatsverwaltungen abgestimmt“, sagt Michael Reis, stellvertretender Pressesprecher.

Die Grundlage für den Entwurf wurde bereits zu Beginn der Legislaturperiode geschaffen: In den Richtlinien der Regierungspolitik wurde festgelegt, dass zum Schutz von Katzen und der ungewollten Vermehrung frei lebender Katzen eine Katzenschutzverordnung erlassen wird.

Tierfreunde begrüßen den Gesetzesentwurf: „Wir haben schon vor Jahren eine Petition für solch eine Verordnung unterschrieben, um das Elend der Katzen auf der Straße zu mindern“, sagt Harry Kindt, Vorsitzender des Vereins Berliner Katzenschutz. In vielen Städten gebe es so eine Verordnung schon lange – in Berlin und Brandenburg sei das Thema jedoch stets wieder verpufft. Es gebe immer noch viele Katzenbesitzer, die ihre Tiere aus reinem Aberglauben nicht kastrieren lassen, sagt Kindt.

„Die denken etwa, dass ein kastrierter Kater keine Mäuse mehr fängt“, was natürlich nicht stimme. Manche seien auch der Meinung, ihre Kätzin sollte zumindest einmal Junge bekommen dürfen: „Dabei gibt es doch schon so viele Katzen, die ein neues Zuhause suchen«, sagt Kindt. Und Corona hat die Situation der heimatlosen Haustiere noch verschlechtert, während des ersten Lockdowns seien viele Jungtiere verendet, da sie nicht gefunden wurden, so der Vorsitzende des Vereins: „Danach hatte ich dann auf einmal Kisten voller Katzenjungen vor dem Katzenheim stehen“.

Kosten für Kastration liegen zwischen 80 und 250 Euro

Vielen Liebhabern ist das bewusst, und sie entscheiden sich bei der Suche nach einem neuen Weggefährten bewusst für eine Katze aus dem Tierheim – so auch Konrad Speidel aus Treptow-Köpenick. Sein neuer Stubentiger soll die Wohnung nicht verlassen: „Meine Freundin und ich wohnen im fünften Stock – das wäre etwas schwierig für das Tier, raus zu kommen“. Kastriert ist die Katze jedoch trotzdem – und der 30-Jährige fände es auch gut, wenn Halter generell dazu verpflichtet würden: „Verwahrloste Katzen sind ein großes Problem – und Leute, die Katzen züchten, sind klar in der Unterzahl“.

Die Kosten für die Kastration sind dabei unterschiedlich. Laut der aktuellen Gebühren-Verordnung für Tierärzte (GOT) der Bundestierärztekammer belaufen sich die Netto-Kosten für die Kastration auf 19,24 Euro für Kater und 57,72 Euro für Kätzinnen, wobei Kosten für die Voruntersuchung und Beratung hinzukommen. „Bei einem Kater würde ich mit etwa 80 bis 90 Euro rechnen, bei einer Katze mit etwa 130 bis 250 Euro“, sagt Silke Kiezfidel, die eine Tierarztpraxis in Reinickendorf betreibt: „Bei einer Kätzin muss die Bauchhöhle geöffnet werden, wo es Überraschungen geben kann“.

Der zeitliche Aufwand hält sich in Grenzen: „Wenn alles nach Plan verläuft, wird die Katze in der Regel morgens mit nüchternem Magen gebracht und kann nachmittags wieder abgeholt werden“, sagt Kiezfidel. Danach erhalten die Tiere einen Kragen, damit sie sich die Wunde nicht lecken, und nach einigen Tagen werden die Fäden gezogen.

„In anderen Ländern ist das längst gang und gäbe, dass junge Katzen – egal ob männlich oder weiblich – in der Regel kastriert werden“, sagt Kiezfidel. Und klar, die Operation koste einmal Geld, doch: "Wer sich eine Kastration leisten kann, von dem kann man auch ausgehen, dass er das Tier grundsätzlich pflegt und versorgt“, sagt die Tierärztin. Vielleicht bringt diese Vorgabe ja den ein oder anderen dazu, es sich noch etwas genauer zu überlegen, bevor ein Tier angeschafft wird.