Prozess in Berlin

Raser gesteht illegales Rennen in Wedding

Ein 35-Jähriger steht vor Gericht. Er soll mit Tempo 160 durch Wedding gerast sein. Die Fahrt endete im Eingang der U-Bahn.

Der BMW wurde bei dem Unfall am 15. Februar 2018 schwer beschädigt.

Der BMW wurde bei dem Unfall am 15. Februar 2018 schwer beschädigt.

Foto: Morris Pudwell

Berlin. Am Dienstag hat vor dem Berliner Landgericht erneut ein Prozess gegen einen Raser begonnen. Das illegale Straßenrennen mit einem gestohlenen BMW und der daraus resultierende Unfall hatten vor knapp drei Jahren für Aufsehen gesorgt. Bei dem folgenreichen Verkehrsunfall am 15. Februar 2018 in Mitte fuhr ein BMW gegen ein Fußgängerschutzgitter auf dem Mittelstreifen am U-Bahnhof Reinickendorfer Straße und blieb kurz vor den Stufen zum U-Bahnhof stehen.

Verletzt wurde bei diesem Unfall nur der Fahrer des Unfallfahrzeugs. Der muss sich seit Dienstag vor Gericht verantworten und hat am ersten Verhandlungstag die Vorwürfe im Wesentlichen gestanden. Er sei der Fahrer gewesen, erklärte der 35-jährige Okan K. zu Prozessbeginn.

Fahrer raste ohne Führerschein durch Wedding

K. soll in der Nacht zum 15. Februar gegen drei Uhr mit einem BMW, der zuvor von einem bislang Unbekannten gestohlen worden war, mit einer Geschwindigkeit von bis zu 160 Kilometer in der Stunde durch Wedding gerast sein. Zudem sei der Angeklagte nicht in Besitz einer Fahrerlaubnis gewesen, so der Staatsanwalt. Der 35-Jährige habe „eine höchstmögliche Geschwindigkeit“ erreichen wollen.

Obwohl die Ampel für ihn rot gezeigt hatte, war er über die Kreuzung Müllerstraße und Fennstraße gefahren. Zeugen gaben später bei der Polizei zu Protokoll, dass ein anderer Fahrer mit seinem Volvo aus der Reinickendorfer Straße kommend die Müllerstraße überqueren wollte. So sei es zu einem Zusammenstoß zwischen dem BMW und dem Volvo gekommen. Laut Polizei verlor der BMW-Fahrer dann die Kontrolle über seinen Wagen und prallte gegen die Schutzabsperrung auf der Mittelinsel vor dem U-Bahnhof-Zugang. Dabei wurde auch ein am Fußgängergitter angeschlossenes Fahrrad auf den gegenüberliegenden Bürgersteig geschleudert.

Zeugen wollen in der Unfallnacht gesehen haben, wie der BMW-Fahrer gemeinsam mit einem Mercedes auf der Müllerstraße gerast ist. Laut Polizei stellten Beamte in der Reinickendorfer Straße einen hochmotorisierten Mercedes-Benz fest und überprüften das Fahrzeug. Die beiden Insassen des Mercedes bestritten eine Beteiligung an einem möglichen Fahrzeugrennen. Der BMW und der Mercedes wurden sichergestellt.

Kurz nach dem Unfall hat der Unfallfahrer offenbar Hilfe bekommen: Zwei Männer sollen laut Polizei aus der Reinickendorfer Straße gekommen sein und dem am Kopf verletzten Unfallfahrer geholfen haben, aus dem Autowrack zu kommen und zu fliehen. Der Fahrer des Volvos gab an, dass er noch versucht hatte, den BMW-Fahrer festzuhalten. Dieser soll sich jedoch losgerissen haben.

Innerhalb von zwei Monaten mehr als 30 Straftaten

Dem Angeklagten werden insgesamt mehr als 30 Straftaten im Zeitraum von Dezember 2017 bis Februar 2018 zur Last gelegt. Mehrfach sei er mit Komplizen in Werkstätten eingebrochen. Zu der Serie der Verbrechen sei es gekommen, nachdem er im Sommer 2017 aus dem Maßregelvollzug entwichen sei, erklärte Okan K. Er habe Einbrüche und Diebstähle begangen, um mit der Beute seine Drogensucht zu finanzieren.

Nach Angaben der Justiz war der 35-Jährige im Jahr 2015 unter anderem wegen Diebstahls zu mehr als fünf Jahren Haft verurteilt worden. Zudem wurde seine Unterbringung in einer Entzugsanstalt angeordnet. Knapp sieben Monate nach seiner Flucht aus dem Maßregelvollzug und nach dem illegalen Autorennen in Mitte im Februar wurde er im März 2018 gefasst.

Der Prozess wegen Gefährdung des Straßenverkehrs, verbotenen Kraftfahrzeugrennens, Unfallflucht, Fahren ohne Fahrerlaubnis, gewerbsmäßigen Diebstahls, gewerbsmäßiger Urkundenfälschung und weiterer Vergehen wird am kommenden Donnerstag vor dem Landgericht fortgesetzt.