Corona-Pandemie

Schulstart in Berlin: Wieder Probleme mit "Lernraum"

Trotz der Wartung der Plattform war das Portal zum Schulstart am Montagmorgen offenbar nicht oder nur eingeschränkt erreichbar.

Foto: BM

Berlin. Neues Jahr - alte Probleme. Die digitale Plattform Lernraum Berlin sollte zum Schulstart im neuen Jahr am Montag ab 7 Uhr wieder voll funktionsfähig sein. Noch wenige Stunden zuvor am Sonntag war das System umfassend gewartet worden, wie Lernraum auf Twitter mitteilte.

Auf der Lernplattform sind Kopien der Bücher und Aufgaben abgelegt. Dort können aber auch Video-Chats mit den Schülern abgehalten werden. Mehrere zehntausend Lehrer, Schüler und Eltern sind im Home Schooling auf die Plattform angewiesen.

Die Wartungsarbeiten einen Tag vor Schulstart hatten zu Unverständnis und teils heftigen Reaktionen im Netz geführt. Mehrere Eltern kritisierten sie als zu kurzfristig und bemängelten die schlechten Planungsmöglichkeiten. Ein User machte seinem Ärger mit den Worten Luft: "Was glauben die ITler, wann sich die Eltern vorbereiten? Montag morgen? Ganz schlechte Planung, zumal 2 Wochen Zeit dafür waren."

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Lernraum Berlin: Userin beschwert sich über "unglaublich schlechtes Timing"

Eine Userin schrieb: "Ausgerechnet zu der Zeit, wo die Lehrer die Aufgaben für den Homeschooling-Start am morgigen Montag einstellen wollen und ihre Schüler benachrichtigen... unglaublich schlechtes Timing." Trotz der Bemühungen der Plattform-Betreiber war das Portal am Montagmorgen nach Morgenpost-Informationen offenbar nicht oder nur eingeschränkt erreichbar. Beim Einloggen kam für manche Nutzer lediglich eine "Type Error"-Meldung. Möglicherweise lag eine Überlastung vor.

„Bei der Anmeldung dauert es etwas länger als normal“, teilte der Benutzer-Support am frühen Morgen mit. Das System laufe aber, alle Verbünde seien erreichbar. Nutzer beklagten sich auf Twitter, dass sie sich nicht anmelden konnten oder lange Wartezeiten hatten. Auf Twitter häuften sich am Montagmorgen die Beschwerden der Nutzer, ein Einloggen sei nicht möglich, oder der "Lernraum" sei nicht erreichbar.

Am Montag beginnt nach den Weihnachtsferien in Berlin wieder der Schulbetrieb. Bis mindestens 10. Januar sollen Schülerinnen und Schüler jedoch noch von zu Hause aus lernen. Der Präsenzunterricht ist pandemiebedingt noch ausgesetzt.

In der Senatsverwaltung für Bildung (SenBJF) bestätigte man, dass gerade der "Verbund 1 + 2" (die Bezirke im Norden und Südwesten Berlins) besondere Probleme bereiteten. "Dort ist jetzt ein weiterer Hochleistungsrechner installiert worden, zwei weitere folgen umgehend", heißt es nun. Man habe den Dienstleister beauftragt, die Rechenleistung hochzufahren, damit die steigenden Nutzerzahlen bewältigt werden können. "Dazu gab es auch zwischen den Jahren noch Videokonferenzen und fortlaufend Gespräche", heißt es von SenBJF. Ziel sei eine "sichere Lastenverteilung für bis zu 120.000 Nutzer des Lernraums abzusichern". Man werde Schulen auch ermöglichen, noch die Lernplattform "itslearning" dazuzunehmen. "Dieses Angebot geht in Kürze an den Start.“

Das Lernraum-Portal hatte schon vor den Ferien immer wieder Probleme bereitet. Auch in anderen Bundesländern hatte es teils massive Probleme mit den dort genutzten Lernmanagementsystemen gegeben. Laut einer Umfrage des Bundesverbands Digitale Wirtschaft aus der der Tagesspiegel zitiert, waren mehr als zwei Drittel der befragten Eltern der Ansicht, die digitalen Lern- und Lehrangebote hätten sich seit dem Ausbruch der Coronapandemie nur wenig oder gar nicht verbessert.

Kritik von Verbänden - "Das ist katastrophal!"

Die Elternvertretung der Berliner Schülerinnen und Schüler hat den holprigen Start der Plattform Lernraum nach den Weihnachtsferien kritisiert. „Das ist katastrophal. Wir stehen am Anfang der Woche. Viele haben sich nach den Ferien einigermaßen motiviert und frisch vor den Computer gesetzt und dann festgestellt, das funktioniert alles nicht“, sagte der der Vorsitzende des Elternausschusses, Norman Heise.

„Es funktioniert nicht - Punkt. Und es muss funktionieren - Punkt. Mehr kann man dazu aus Elternsicht nicht sagen“, sagte Heise. Der Elternvertreter erinnerte an eine ähnliche Situation vor den Weihnachtsferien, als viele Lernraum-Nutzer mehr als einen Tag lang erhebliche Schwierigkeiten hatten. Diesmal stelle sich die Situation ähnlich vertrackt oder noch schlimmer dar.

Heise kritisierte auch, dass eine Wartung der Plattform unmittelbar vor dem Start am Montag angesetzt wurde. Der Zeitpunkt für die Wartung sei ungünstig gewesen, weil viele Lehrkräfte am Wochenende versucht hätten, Unterlagen zu aktualisieren oder weitere hochzuladen, damit sie am Motnag zur Verfügung stünden. Es hätte auch getestet werden müssen, ob die Plattform nach der Wartung funktioniere.